(2) Ziele sind essentiell, Erwartungen ganz und gar nicht!

von Sandra Mastropietro am 17. Februar 2014

>> Läuferleben <<

Ziele sind essentiell, Erwartungen ganz und gar nicht!

Einen wunderschönen guten Morgen liebe Leser,

zuerst einmal herzliche Grüße aus Bella Italia; oder wie ich es so gerne nenne: Eat-aly 🙂

Ursprünglich wollte ich diesen Eintrag dem Laufen im Urlaub und dem enormen Pastakonsum hier widmen, aber natürlich kommt immer alles anders als man denkt 😉 Aus gegebenem Anlass möchte ich  nun über Erwartungen schreiben.

Welcher Anlass?

Im Januar dieses Jahres bin ich in Indien den Mumbai Marathon gelaufen.  Ein Lauf, der mir persönlich unglaublich viel bedeutet hat. Die Trainingseinheiten wurden intensiver und mit ihnen die Erwartung an mich selbst, die berühmte „Sub4“ (Unter 4 Stunden) zu knacken. Es war nicht mehr einfach nur ein Ziel, ein Wunsch; nein es war ein Muss für mich selbst und auch meine Umwelt schien keine Zweifel zuzulassen. Der Lauf kam und mit ihm die Enttäuschung; denn ich habe es nicht geschafft,  die magische 4:00:00 Grenze zu knacken.

Selbstzweifel nahmen mir den Spaß am Stecken von neuen Zielen und noch schlimmer; sogar an meinen sonst so „genussvollen“ Freizeitläufen. Niedergeschlagen saß ich abends auf der Couch und versuchte meinem Mann die Misere, in der ich mich befand, zu erklären.

„Hä???? Ok, ich fasse zusammen: Du möchtest Dir kein neues Ziel setzen weil Du Angst hast die angepeilte Zeit dann doch nicht zu schaffen?!“ sagte er ungläubig. „Warum läufst Du denn nicht einfach mal einen Lauf ganz ohne Zeiterwartung. Nur für Dich – Nur zum Spaß! … Am besten in Italien; da wollten wir sowieso mal wieder hin!“

Da sagte er etwas… Ein Lauf ohne Zeiterwartung. Geht das?! Es musste gehen!

Noch am selben Abend meldete ich mich für den Romeo & Julia Halbmarathon in Verona an und erzählte NIEMANDEN davon. (Was wirklich nicht einfach war!!!) Da der Lauf schon in 2 Wochen stattfindet, kann ich kein gezieltes Halbmarathontraining betreiben und beschließe, dass mein aktueller Fitness-Zustand, mit dem ich vor knapp einem Monat noch einen Sub4 Marathon laufen wollte, Grundlage des anstehenden Halbmarathons sein sollte.

In Italien angekommen ist der anstehende Lauf fast vergessen; denn Essen, Trinken und Genießen stehen im Vordergrund.

Der Lauf

Am Morgen des Laufs frühstücken wir ausgelassen Pasticcinie (kleine, süße Kuchen), dann bringen mich mein Mann und meine Tochter zum Start. Sie verabschieden mich mit „Bis in etwa 2 Stunden; melde Dich einfach wenn Du fertig bist.“

Während ich mich durch das Gewusel schlage und versuche, herauszufinden wo ich hin muss, treffe ich doch tatsächlich Fine, eine Bekannte vom Club der Töchter Berlin. Die Welt ist klein, die Freunde darüber in diesem Moment umso größer 🙂 Sie fragt nach meiner Zielzeit und ich weiß nicht so recht, was ich antworten soll. „Unter 2 Stunden wäre schön!“

Dann fällt der Startschuss und ich laufe, laufe und laufe; lebe meine Leidenschaft; habe Spaß! Mit einem großen Lächeln auf den Lippen genieße ich die tolle Stimmung und die grandiose Kulisse meiner italienischen Lieblingsstadt. Meine Pace beachte ich nicht.

Der Halbmarathon endet in der Arena, quasi dem kleinen Coloseum Veronas. Ein unbeschreibliches Gefühl – atemberaubend. Noch unbeschreiblicher, und vor allem aber unglaublicher scheint mir die Zeit neben dem Zielbogen. 1:45:40.

Wann habe ich die Startlinie überquert? Über eine Minute nach dem Schuss… das würde ja eine Zeit von unter 1:45:00 bedeuten?! Nein das konnte nicht sein. Desorientiert bleibe ich stehen, sehe mich um. Sehe wie die 1:45 Pace-Maker jubelnd ins Ziel einlaufen. Schaue auf meine App, schaue auf meine GARMIN. Beide bestätigen mir einen Lauf über 21,6km in 1:44:30; einen Halbmarathon (21,1km) in knapp 1:42

WOW!!! Vollkommen überwältigt und immer noch ein bisschen ungläubig rufe ich meinen Mann an. Noch ungläubiger geht dieser ans Telefon: „Sandra alles ok? Ist was passiert?!“

Ich muss lachen und sage Ihm, dass ich schon im Ziel bin.

„Oh, ähm….sorry Schatz – wir sind noch auf dem Weg…da warst Du wohl zu schnell.“

Wenig später liegen wir drei uns in den Armen, lachen und überlegen, was wir als nächstes Essen gehen – ganz Eat-aly Style 😉

Fazit

Man sagt, die Enttäuschung sei das Ergebnis falscher Erwartungen. Das ist zweifelsohne wahr! Um sich weiter entwickeln zu können, muss man erreichbare Ziele setzen. Auf dem Weg zu diesen sollten uns viele kleine Zwischenziele „den Rücken stärken“ und in der Erreichbarkeit unserer Absichten bestätigen. 😉

Übrigens habe ich einmal gelesen, dass es die Einstellung ist; die Erwartungen von Wünschen unterscheidet.

In diesem Sinne eine tolle Woche, ganz ohne Erwartungen 🙂

#Keeponrunning

Eure Sandra


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