(21) Faszination Laufreise – Laufend die Welt entdecken

von Sandra Mastropietro am 15. September 2014

Faszination Laufreise 

oder auch

Laufend die Welt entdecken

„Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“

*Johann Wolfgang von Goethe

Frankfurt Airport:

Die jährlich knapp 500.000 Starts und Landungen machen Deutschlands größten Flughafen zum täglichen Umschlagplatz für ca. 155.000 Passiere; zur Bühne für emotionale Abschiede und verheißungsvolle Wiedersehen; Sprungbrett in neue Leben; zur Hoffnung für alle Urlaubsbedürftigen oder auch zum notwendiges Übel für alle Geschäftsreisenden.

Gedankenversunken beobachte ich das Wuseln, atme die Nervosität ein und stelle mir immer wieder die eine Frage: Wo wollen all diese Leute hin?!

Eine Gruppe afrikanischer Männer in traditioneller Kleidung schlendert zum Gate, dicht gefolgt von einer schlanken Frau, deren Jacke das magische Wort LAUFREISEN ziert.

Sofort schlägt mein Herz schneller und ich beäuge die kleine Gruppe hinter der jungen Frau genauer. Als Handgepäck dient die Sporttasche, Ihre Füße sind in Laufschuhe gebettet.

Sie boarden nach Kapstadt und während sie wild und sichtlich nervös durcheinander reden schnappe ich „Sanlam Cape Town Marathon“ auf.

„Viel Erfolg und unvergessliche Erlebnisse“ murmle ich und sehe ihnen nach, schweife ab und spüre; wie sich meine Gedanken „aufwärmen“ 😉

Unsere Ziele werden exotischer, weiter, höher. Facebook und Instagram ermöglichen der Welt, die Welt teilen; ein ständiges sehen und gesehen werden.

Doch auf dieser viralen Welle von Selfies vor dem Eifelturm oder Taj Mahal kommen hin und wieder auch Fotos von hochroten Köpfen zum Vorschein; mit glücklich-glasigen Blicken; einer Medaille von unbeschreiblich hohen immateriellen Wert um den Hals.

Ehrliche „Entdeckerfotos“, ungeschminkte Wahrheiten von 21,0975 oder 42,195 Kilometern zu Fuß, zurückgelegt entlang von Sightseeingbusstrecken und fasziniernden Aussichtspunkten.

Schon damals sagte Goethe: Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen. Diese Aussage bewahrheitet sich heute, ca. 250 Jahre später, wahrscheinlich mehr denn je.

Denn während man tapfer ein Schritt vor den anderen setzt, die Zähne zusammenbeißt, kämpft und schnauft; saugt man dankbar alle sich bietenden Eindrücke auf.

Man sinnt über das Gesehene, klammert sich an jeden Gedanken darüber wie an einen Grashalm. Ablenkung von der inneren Uhr, Ablenkung von dem selbst auferlegten Leistungsdruck.

Der Genuss-Faktor setzt ein. Erleben, fühlen, sehen, riechen. Kontakt mit den einheimischen Helfern. Die anschließende Umarmung mit dem neu gefundenen Laufpartner, auch wenn dieser nicht die gleiche Sprache spricht…wer läuft, versteht sich nun mal. 🙂

Ja; laufend erleben heißt bewusst erleben; ohne Foto- und Handyzwang. 42,195 Kilometer ohne Status-Update und Orte – Markieren.

Laufend erleben heißt, dass Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden (wobei sich hier die Frage stellt, was ist was ;)).

Reisen und Laufen, meines Erachtens nach eine unschlagbare Kombination; viel mehr als ein „Hier-Bin-ich-Status“ und schöne Fotos schießen.

Ich seufze und während auch ich den Flieger zurück nach München betrete, gehören meine Gedanken dem Mumbai Marathon 2014.

Ein ganz besonderes (Lauf)Erlebnis in einer Stadt, in der ich zuvor schon so viele Male war, die ich in unterschiedlichsten Situationen und Momenten erlebt habe, deren Menschen ich glaube zu kennen.

Eine Stadt, die sich mir während der 42 Kilometer noch einmal von einer ganz anderen Seite zeigte, die ich neu lieben und gleichzeitig hassen lernte. Eine Stadt, die ich intensiver erlebte als alle anderen Städte in Indien je zu vor…

…denn nur wo Du zu Fuß warst, bist Du wirklich gewesen!

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine wunderschöne Woche

#keeponrunning

Eure Sandra


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