4 ausgefallene Marathons abseits der Stadt-Marathons

von Tankred Dankmar am 18. Juli 2016

So, liebe laufende Gemeinde!

Da ich mich ja selbst gerade auf den Penang-Marathon Ende November in Malaysia vorbereite, möchte ich heute mal wieder ein paar Gedanken zu Marathons und Marathonstrecken an und für sich loswerden.  Schließlich hat man als Läufer bei so einem Marathon schon genug mit sich selbst und seinem inneren Schweinehund zu kämpfen. Da meint man vielleicht, die Strecke sei nebensächlich. Ich finde aber nicht, dass dem so ist. Die Strecke, das Ambiente und die Atmosphäre tragen doch hauptsächlich zum Wohlbefinden beziehungsweise Unwohlsein während des Wettkampfes bei. Da ist es nur natürlich, der Strecke vorher auch mal seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken.

Der Penang-Marathon zum Beispiel ist hauptsächlich ein Brückenlauf. Warum? Weil Penang nun einmal eine Insel ist und die Malayien auch zu Recht ziemlich stolz auf ihre mittlerweile zwei Brücken sind, die die Insel mit dem Festland verbinden. Die erste wurde 1985 eröffnet und galt mit ihren 13.5 Kilometern lange Jahre als längste Brücke in Südostasien. Im Jahre 2014 wurde eine weitere, 24 Kilometer lange Brücke eröffnet, um das stetig steigende Verkehrsaufkommen bedienen zu können. Beide Brücken sind mehrspurig und Meisterleistungen der Ingenieurskunst.

Über diese Brücke geht der Lauf unter anderem. Schön übers Wasser in der Straße von Selatan (wie das Gewässer zwischen Festland und Insel genannt wird) gehen.

Bild: Marufish | CC BY-SA2.0

Beim Penang-Marathon geht es einmal hin und einmal zurück über dieselbe Brücke – und dann noch ein bisschen durch George Town. Um ehrlich zu sein: Er könnte für meinen Geschmack etwas spannender sein, dieser Penang-Marathon. Die Brücke führt schnurstraks geradeaus, es gibt keinen Schatten, mit ein bisschen Pech aber eine gute Brise Wind. Ich glaube, da muss man echt kämpfen, auch wenn der Ausblick über das kristallklare Wasser natürlich schon was hat. Das ist mir zumindest bedeutend lieber, als nur durch die Stadt zu laufen.

Apropo Stadt: Ich bin kein großer Freund von diesen ganzen, großen Stadtmarathons. Ob Berlin oder London, New York oder Madrid – kommt schon, Laufen in der Stadt ist doch doof. Wenn man sich nicht im Wettkampf befinden würde, könnte man ja noch nebenbei ein wenig Sightseeing machen, aber im Wettkampfmodus interessiert einen die historische Bausubstanz doch wirklich nur am Rande, oder? Ich verstehe ja, dass man einmal im Leben New York gesehen haben will – aber rennend und schwitzend, fluchend und mit Krämpfen in den Waden? Schön geht anders.

Kürzlich habe ich dagegen von einem Marathon gelesen, der in der JVA Darmstadt stattfindet – in einem Knast also. Also ich finde, das hat doch schon wieder was. Hier läuft man als ambitionierter Hobbyläufer mit den Knastis zusammen, immer im Kreis entlang der Mauer und des Stacheldrahts. Eine Runde misst genau 1.758 Kilometer. Ergo muss man 24 Runden absolvieren. Auch wenn man bestimmt nach der dritten Runde alles gesehen hat, was es an so einem trüben Ort zu sehen gibt, so ist doch die Knastatmosphäre etwas, was man nicht alle Tage erlebt. Die könnte das Rennen dann schon wieder ganz interessant gestalten. Außerdem läuft man bestimmt Bestzeit, denn man will wahrscheinlich so schnell wie möglich wieder weg von diesem unwirtlichen Ort.

Das ist zwar nicht die JVA Darmstadt, aber hinter solchen stacheldrahtbeschwerten Mauern findet jährlich der dortige Marathon statt.

Bild: Dontworry | CC BY-SA 3.0

Wenn man den Spaßfaktor beim Marathon mal über den Wettkampfgedanken stellen will und sich außerdem noch für erstklassige geistige Getränke begeistern kann, dann kann man beides in Einklang bringen, treu nach dem Motto: Laufen UND Saufen! In Pauillac in Fankreich findet jedes Jahr der sogenannte Le Marathon du Médoc statt.

Hier läuft man die 42.195 Kilometer nicht nur entlang und durch die malerischen Weinberge der Region, sondern wird an der Strecke außerdem mit den edlen Tropfen verwöhnt. Wein statt Wasser oder isotonischer Getränke also. Im Ziel zählt nicht nur die Zeit, sondern auch die erreichte Promilleanzahl. Und noch etwas: Man darf nur verkleidet starten, wobei es jedes Jahr ein anderes Motto gibt. Laufen plus Saufen plus Mottoparty also. Das verspricht ein großer Spaß zu sein.

Wenn ich mal irgendwann 10.500 Euro übrig habe und über eine Kondition wie ein Rennpferd verfüge, dann melde ich mich beim Antartic Ice Marathon an. Wie der Name schon sagt, findet dieser in der Antarktis statt und es ist der einzige Marathon, der dort überhaupt stattfinden darf. Die 10.500 Euro sind für Unterbringung, Verpflegung und Startgebühr. Taschengeld werde ich da wohl kaum brauchen, gibt ja nix, wo man hingehen kann. Nur wer seine Kondition sowie seine Wettkampferfahrungen unter extremen Bedingungen auch nachweisen kann, hat überhaupt eine Chance, sich um einen Platz bemühen zu dürfen. Denn insgesamt werden nur 25 handverlesene Läufer akzeptiert und am Wettkampftag vom Basiskamp Union Glaciar zur Startlinie geflogen.

Mehr wieder etwas für Einsteiger, die sich aber nicht an den immer gleichen Stadt-Marathons abarbeiten wollen, sondern denen auch das Ambiente Flügel verleihen soll, denen bietet der Kilimanjaro-Marathon genau das Richtige. Hier in Tansania läuft man am Fuße des höchsten Berges des afrikanischen Kontinents die 42.195 Kilometer durch eine atemberaubende Landschaft, durch Kaffee- und Bananenplantagen, durch kleine Bauerndörfer und sogar durch schattige Wäldchen.

Der Kilimanjaro scheint dabei zuzusehen, wie man sich abmüht, und scheint hin und wieder still und weise einen Seufzer zu tun, wenn er Jahr für Jahr Zeuge dabei wird, wie die kleinen, unbedeutenden, sterblichen Menschlein meinen, Großes zu vollbringen, weil sie 42 Komma Irgendwas Kilometerchen rennen können, ohne stehen zu bleiben. Für einen Berg wie den Kilimanjaro ist das bestenfalls lächerlich, vielleicht sogar eher tragisch.

Der Läufer und der Berg, oder: Der Zwerg und der Riese

Bild: gemeinfrei

Also, liebe laufende Gemeinde! Es muss ja nicht immer ein langweiliger Stadtmarathon sein, oder?

Es gibt wunderbare Veranstaltungen und man muss auch nicht bis ins Herz von Afrika oder ans südlichste Ende der Welt dafür reisen. Denn es gibt sie auch oft genau vor der eigenen Haustür, diese etwas anderen Marathons. Und ich finde, einen Versuch ist es doch zumindest einmal wert.

Denn sind wir ehrlich: Wer einmal einen oder vielleicht auch zwei Stadt-Marathons gelaufen ist, wird beim dritten keine großen Überraschungen mehr erleben, weder, was das Ambiente, noch die eigene Befindlichkeit angeht. Also: Verändert ab und zu mal den Standpunkt. Dann sieht alles gleich wieder viel interessanter aus. 😉

Gehabet Euch wohl,

Euer Tankred


Hinterlasse einen Kommentar

Vorheriger Beitrag:

Nächster Beitrag: