4 extrem skurrile Laufgeschichten: Anders ist ja auch mal ganz schön

von Tankred Dankmar am 16. Juni 2016

Liebe laufende Gemeinde!

Man sollte ja eigentlich meinen, beim Dauerlauf kann eigentlich nicht viel passieren. Abgesehen von Verletzungen und dem ewigen Kampf gegen die Uhr und mit dem inneren Schweinehund erscheint so ein Langstreckenlauf doch eher ereignislos und für den Laien sogar schlicht unglaublich langweilig.

Ich selber muss sagen, dass mir auch noch nicht viel Skurriles oder Lustiges beim Laufen wiederfahren ist. Bis auf die eine oder andere nette Begegnung mit anderen Gleichgesinnten oder eher unliebsame Zusammentreffen mit äußerst unfreundlichen, Läufer anscheinend noch mehr als Postboten hassenden Hunden, bleiben auch meine Läufe recht unspektakulär – von außen betrachtet.

Anscheinend passieren anderen aber mitunter recht unterhaltsame, manchmal auch bizarre und lustige oder weniger schöne Dinge beim Laufen. Ich habe mal ein bisschen im Netz herumgesucht und möchte Euch hier nun einige Laufgeschichten präsentieren, die für die Läufer abseits des ´normalen´ Alltags Kuriositäten und Unwegsamkeiten am Wegesrand bereitgehalten haben. Manche sind lustig, andere für echte Wettkämpfer wirklich mehr als ärgerlich. So wie die erste Geschichte zum Beispiel…

1. Obacht! Der Zuch kütt!

Der Boston-Marathon ist ein altbewährtes, traditionsreiches Rennen, welches seit 1897 jährlich stattfindet und Spitzensportler und Hobbyläufer aus der ganzen Welt anlockt. Die Strecke hat sich seit Beginn kaum verändert und führt durch die ganze Stadt. Hierfür werden natürlich ganze Straßenzüge gesperrt und der Verkehr kommt mehr oder weniger während des Wettkampfs zum Erliegen. Schließlich sollen die Läufer unter optimalen Bedingungen Spitzenleistungen abliefern, sprich: sie sollten nicht gestört werden.

Im Jahre 1907 aber staunten die Läufer nicht schlecht, als sie wenige Kilometer nach dem Start  an einem Bahnübergang ankamen und sie in ihrem Lauf jäh stoppen mussten, denn ein Güterzug kreuzte ihren Weg, als ob nichts wäre. Lediglich eine Spitzengruppe mit 10 Läufern schaffte es noch über den Bahnübergang, kurz bevor der Zug durch das Feld rauschte.

Der spätere Gewinner des Rennens, Tom Longboat schaffte die Strecke in der damaligen Rekordzeit von 2:24:24 und war natürlich in der Spitzengruppe, die nicht auf den Zug warten musste. Der zweitplatzierte Robert Fowler musste leider zusehen, wie der Zug vor ihm vorbeifuhr. Er schaffte die Strecke in 2:27:54. Da der Zug aber nur eine Minute für die Durchfahrt benötigte, hätte er den Gewinner auch ohne diese unliebsame Unterbrechung nicht mehr eingeholt. 😉

´So ein Zug hält jeden Läufer auf

Bild: David Gubler | CC BY-SA3.0

2. Ein klarer Fall von britischem Humor

Echte Langstreckenläufer sind natürlich Rekordjäger. Das liegt uns irgendwie im Blut. Wenn wir schon nicht mit den Spitzensportlern mithalten können, dann stellen wir eben unsere eigenen, persönlichen Rekorde auf. Das war dem Engländer Geoff Wightman allerdings dann doch nicht genug. Mit einer mehr als respektablen persönlichen Bestleistung von 2:13:17 war er im Jahre 1990 sogar EM-Teilnehmer, sprich: er spielte schon irgendwie bei den Großen mit, aber eben nicht ganz oben.

Und deshalb hat er sich etwas einfallen lassen, um doch noch laufender Weise ins Buch der Rekorde aufgenommen zu werden. Etwas so Skurriles hatte sich nämlich einfach noch keiner einfallen lassen und es bleibt abzuwarten, ob es irgendeiner jemals in Angriff nehmen wird, seinen seltsamen Rekord zu brechen.

Denn Geoff Wightman hat Folgendes gemacht: Nur mit der Nasenspitze hat er eine Apfelsine über eine Meile auf der Bahn vom Start zum Ziel vor sich hergeschoben – auf Händen und Knien dabei laufend. Genau! Da muss man erstmal drauf kommen. Aber seit 2004 hat er nun also seinen Rekord und steht im Guinness Buch. Wenn es einer von Euch versuchen will, diesen Rekord zu schlagen, muss er dieses Kunststückchen übrigens unter 44 Minuten und 22 Sekunden vollbringen. 🙂

Die Apfelsine ist anscheinend nicht nur zum Essen da.

3. So geht´s natürlich auch!

Okay, wie gesagt scheint es einigen Läufern einfach ein bisschen zu langweilig zu werden, wenn sie einfach nur geradeaus gegen die Uhr laufen. Immer nur einen Fuß vor den anderen setzen – da muss schon ein wenig mehr Adrenalin fließen, um die alte Läuferseele noch begeistern zu können. Außerdem: das können ja wohl alle!

Das hat sich der Chinese Xu Zhenjun auch gedacht und ist den kompletten Bejing International Marathon kurzerhand einfach rückwärts gelaufen. Und jetzt haltet Euch fest: die 42,195 Kilometer hat er so – RÜCKWÄRTS – in sage und schreibe 3 Stunden und 43 Minuten geschafft. Einfach unglaublich. Also, wenn Euch auch mal langweilig wird beim Laufen, dann könnt Ihr ja mal daran arbeiten, DAS zu unterbieten.

Immer nur vorwärts? Das ist doch stinkend langweilig.

Bild: GS | CC BY-SA 3.0

4. DAS Rennen für echte Nerds

Okay, jetzt wird es richtig schräg, finde ich. Ich weiß gar nicht, ob ich das noch amüsant finden soll oder schon gefährlich nahe am klinischen Wahnsinn ansiedeln möchte. Aber habt Ihr je von dem Self-Transcendence 3.100 Mile Race gehört? Ich bis gerade eben auch nicht. Wie der Name schon sagt, werden hierbei unvorstellbare 3.100 Meilen gelaufen. Das sind 4.989 Kilometer.  Damit ist dieses Rennen das längste zertifizierte weltweit.

Aber jetzt kommt´s! Diese unfassbare Strecke wird nicht irgendwo in der Landschaft ausgetragen oder führt durch zwei, drei Kontinente, nein! Die Läufer rennen dabei immer nur um denselben Häuserblock in New York. Immer und immer wieder, und zwar von 6 Uhr morgens bis Schlag Mitternacht. Dann wird sich ausgeruht und am nächsten Morgen geht es pünktlich weiter. Der deutsche Extremsportler Wolfgang Schwerk brauchte dafür genau 41 Tage, 8 Stunden, 16 Minuten und 29 Sekunden. Und wißt Ihr, was er gemacht hat, als er endlich im Ziel war? Er ist noch ein paar extra Ründchen gelaufen, um die 5000 Kilometer voll zu machen. Das nenne ich mal einen echten Lauf-Nerd! 😉

Um den Häuserblock in New York geht es herum – 44 Tage lang.

Bild: Open Street Map | CC BY-SA 4.0

So, liebe laufende Gemeinde! Vielleicht haben diese Geschichten ja den einen oder anderen ans Nachdenken und auf neue Ideen gebracht.

Ihr sucht etwas Abwechslung beim Laufen oder mal eine echte Herkulesaufgabe? Wie Ihr seht, ist beim Laufen anscheinend alles möglich. Aber selbst wenn Ihr keine Apfelsine mit der Nasenspitze  44 Tage um einen Häuserblock schieben möchtet oder nicht Gefahr laufen wollt, beim Rückwärtslaufen aus Versehen mit einem vorbeifahrenden Zug zu kollidieren, so wünsche ich doch wie immer viel Freude beim Laufen.

Und einfach nur ein paar Ründchen geradeaus durch den Stadtpark machen ja schließlich auch irgendwie Spaß, oder nicht? 🙂

In diesem Sinne, Euer Tankred


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