4 übermenschliche Laufleistungen – Weltrekorde abseits des Scheinwerferlichts

von Tankred Dankmar am 17. August 2016

Liebe laufende Gemeinde!

Es würde ja nun recht nahe liegen, an dieser Stelle über die bisher erbrachten Leistungen der Olympioniken im Bereich des Laufsports zu sprechen. Jeden Hobbysportler holt die derzeit in Rio de Janeiro stattfindende, prestigeträchtigste aller sportlichen Veranstaltungen trotz der lästigen Zeitverschiebung vor den Fernseher. Da fiebert man mit, da ist man baff.

Jedoch will ich mir das Herumschwärmen oder Gekritzel eigentlich noch sparen, bis auch der letzte Lauf in Rio gelaufen ist und wir uns die Ergebnisse auf einen Blick ansehen können und diese eventuell auch vergleichen können – wenn auch nicht mit unseren eigenen, sonst wären wir schließlich auch im olympischen Startblock angetreten. Traurig, aber wahr, sind doch wohl die meisten von uns nur staunende Zaungäste, wenn es um absolute Bestleistungen im Laufsport geht. Wir sind zwar oft nicht weniger leidenschaftlich, aber dennoch deutlich zu langsam. Sehr deutlich 😉

Die besten der Besten liefern bei jeden Olympischen Spielen stets schier übermenschliche Leistungen im Minutentakt ab und selbst der ambitionierteste Hobbyläufer steht nur noch mit offenem Mund da, wenn er oder sie sieht, was tatsächlich möglich ist. Wenn ich noch jung wäre und Ambitionen diesbezüglich hätte, würde ich entweder meine Laufschuhe rituell verbrennen und nie mehr laufen oder ich würde im Gegenteil Tag und Nacht um den Block rennen, um selber einmal bei Olympia anzutreten.

Hier wird in Rio die Olympische Fahne gehisst – und ich war schon wieder nicht als Athlet dabei!

Bild: U.S. Army | CC BY 2.0

Der Zug ist für mich allerdings schon lange abgefahren und deshalb spare ich mir auch, mit dem Rauchen aufzuhören. Mir reicht es, wenn ich einen Halbmarathon unter 1:45 und einen Marathon unter den magischen 4 Stunden schaffe. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich niemals auf einem Olympischen Siegertreppchen stand oder stehen werde und einem begeisterten Publikum eine Medaille präsentieren durfte oder darf.

Ich habe meinen Frieden mit meiner sportlichen Mittelmäßigkeit gemacht. Und ich kann jedem nur raten, es mir gleich zu tun. Man sollte sich eins suchen, in dem man wirklich gut ist und sich darauf konzentrieren. Und wenn es eben nicht der Laufsport ist, dann ist das eben so. Irgendwas kann aber jeder gut und Laufen macht auch außerhalb des Olympischen Stadions Spaß, finde ich.

Trotzdem: Da gerade alle elektrisiert sind von den Bestleistungen anderer anstatt von den kleinen Fortschritten, die man selber Stück für Stück in Laufschuhen macht, wollen wir uns hier nun mal einige Höchstleistungen im Laufsport anschauen. Teilweise sind diese etwas exotisch und man denkt sich: Da muss man erst einmal drauf kommen! Andere sind eher konventionell, aber deshalb ja nicht weniger beeindruckend. Aber schaut selbst, liebe Laufende Gemeinde! Vergessen wir für einen Moment mal unsere eigenen Bestmarken und werfen einen Blick auf die der anderen:

 1. Rainer Predl tritt auf der Stelle

Rainer Predl – seid ehrlich, Ihr habt diesen Namen vorher auch noch nicht gehört. Dabei hat dieser Mann etwas vollbracht (und dabei natürlich einen Weltrekord aufgestellt), das man sich so gar nicht vorstellen kann. Er hatte es sich im Februar 2015 nämlich vorgenommen, die meisten Kilometer zu laufen – in 7 Tagen auf einem Laufband. 7 Tage, das sind genau 168 Stunden. Und der Mann muss ja auch mal schlafen. Die meiste Zeit wachgeblieben ist übrigens ein Brite mit 266 Stunden ohne eine Minute Schlaf. Aber der hat dabei auch keine Kilometer auf dem Laufband runtergerockt.

Der Österreicher Rainer Predl schon, und zwar sage und schreibe 852,46 Kilometer. Von den 168 Stunden hat er nur 15 geschlafen. Das macht 153 Stunden, in denen er gelaufen ist – auf einem Laufband. Das heißt, dass er im Schnitt in jeder der Stunden, die er auf dem Laufband war, 5,57 Kilometer gelaufen ist. Wahnsinn! Das ist in etwa mein Durchschnittswert, wenn ich einen normalen 10 Kilometer Lauf mache. Er lieferte diesen Durchschnittswert bei einem 852 Kilometer Lauf ab.

Das muss ihm erstmal einer nachmachen. Ich werde es aber sicher nicht sein.

Es gibt schöneres, als auf einem Laufband 7 Tage auf der Stelle zu treten – Christan Predl dürfte sich aber bei seinem Weltrekord fast wie zu Hause gefühlt haben.

Bild: RIA Novosti archive, image #555848 / Vitaliy Arutjunov / CC-BY-SA 3.0

2. Wie weit kann ein Mensch in 24 Stunden laufen?

Es gibt nicht nur das 24 Stunden Rennen von Le Mans für die, denen Benzin durch die Adern fließt, sondern es gibt auch einen 24 Stunden Lauf, für die, denen frische Luft lieber ist als Abgaswolken von Rennwagen. Die Regeln sind einfach: Wer schafft die weiteste Strecke in genau 24 Stunden?

Die Antwort: Yiannis Kouros bei den Männern und Mami Kudo bei den Damen. Yiannis Kouros schaffte es, in 24 Stunden sage undschreibe 303,5 Kilometer zurückzulegen. Das macht durchschnittlich 12.6 Kilometer pro Stunde. Mami Kudo stellte den Weltrekord für die Damen mit 252,2 Kilometer auf (durchschnittlich 10.5 Kilometer pro Stunde). Für mich die größte Leistung der beiden: Denn inneren Schweinehund 24 Stunden am Stück so weit bei Laune zu halten, dass er immer noch weiter mitläuft. Wir alle wissen ja, was für ein Mistvieh dieser sein kann.

3. Einer will ganz hoch hinaus

Noch so ein Name, den die wenigsten von uns vorher schon mal gehört haben: Christian Riedl. Dieser Herr ist der aktuelle Weltrekordhalter im 12-Stunden Treppenlaufen. Aufgestellt hat er diesen Rekord im Frankfurter Hochhaus ´Tower 185´, natürlich bei einem offiziellen Wettkampf. Die Wettkampfregeln gehen wie folgt: Jeder Teilnehmer hat 12 Stunden Zeit, die Treppen dieses Hochauses hinaufzulaufen, mit dem Aufzug wieder runterzufahren und wieder raufzulaufen und so weiter. Gewonnen hat am Ende der, der in diesen 12 Stunden die meisten Höhenmeter überwindet.

Und Christian Riedl lief in den 12 Stunden ganze 71 mal den 200 Meter hohen ´Tower 185´ hinauf und fuhr mit dem Fahrstuhl wieder runter. Das macht ganz genau 13.145 Höhenmeter, die er dabei überwunden hat. Das ist ungefähr eineinhalb mal die Höhe des Mount Everest. Wahrscheinlich ist der Mann so fit, dass er eine Besteigung des höchsten Berges der Welt auch ohne Sauerstoffgerät hinbekommt. Und ob er jemals wieder eine Treppe anstatt den Aufzug nimmt, möchte ich fast bezweifeln. 😉

Das ist er – der Tower 185 in Frankfurt am Main. Ich wette, Christian Riedl würde ihn nach seinem geglückten Weltrekord am liebsten eigenhädig abreissen.

Bild: Mylius | GNU Free Documentation License, Version 1.2

4. Extremer geht es wohl nicht!

´4 Deserts Race´ – 4 Wüsten Rennen. Um sich dessen gewahr zu werden, warum das die ultimativste aller läuferischen Leistung darstellt, muss man sich den Namen dieses Wettkapmfes einmal auf der Zunge zergehen lassen. Über 7 Brücken sollst Du gehen, komponierte 1979 die DDR-Rockband Karat – durch 4 Wüsten sollst Du laufen, denken sich die Veranstalter und die Teilnehmer des ´4 Deserts Race´ nämlich. Als wenn dies nicht schon genug ist, haben sie auch noch die unwirtlichsten aller Wüsten auf dem Planeten für diesen großen Spaß auserkoren: Die Atacama-Wüste an der Pazifikküste in Südamerika, Die Wüste Gobi in China, die Sahara in Afrika und last but not least die Eiswüste der Antarktis.

Und nun zu den Regeln: Gelaufen werden insgesamt 1.000 Kilometer, und zwar je 250 durch jede der 4 Wüsten. Es sind also eigentlich 4 Wettberwerbe, die zu einem zusammengefasst werden, denn die Rennen finden ja nicht unmittelbar nacheinander statt. Es ist ähnlich wie bei den Grand Slam Turnieren im Tennis (French Open, Australian Open, US Open und Wimbledon). Wer sich ein wenig für Tennis interessiert, weiß, dass es nur ganz selten Spielern gelingt, diese 4 großen Turniere in einem Jahr zu gewinnen und so den Grand Slam Titel einzusacken. Steffi Graf ist das mal gelungen. Und bei diesen Ultramarathons durch die Wüsten der Welt ist es nicht anders.

Dem Wunderläufer Ryan Sandes aus Südafrika ist dieses Kunststück aber gelungen. In einem Jahr vier 250 Kilometer Ultramarathons durch die Wüsten der Welt – da stockt einem der Atem.

Die Wüste Gobi in China – also ein Spaziergang wäre ja mal ganz nett, aber einen 250 Kilometer Ultramarathon?

Bild: Aineias | CC BY-SA 3.0

Ihr seht also, liebe laufende Gemeinde: Auch außerhalb von Olympia werden läuferische Höchstleistungen erbracht, die den Rekordhaltern schier übermenschliche Kräfte abverlangt haben. Ich finde, das sollte man immer im Hinterkopf behalten, wenn man sich die großen Events wie Olympia im Fernsehen anschaut: Abseits und weit entfernt von der nächsten Kamera und breitem Publikum stellen Menschen mit völlig unbekannten Namen Rekorde auf, denen auch ein Usian Bolt nicht das Wasser reichen kann – auch wenn er wirklich verflucht schnell rennen kann.

Wie auch immer – Hauptsache uns vergeht die Lust am Laufen nicht. In diesem Sinne

Euer Tankred


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