(8) Laufend Kurzurlaub machen

von Sandra Mastropietro am 31. März 2014

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Laufend Kurzurlaub machen

Während ich der Dame am anderen Ende der Leitung versichere, definitiv keinen neuen „All-in-One-Kommunikations-Vertrag“ zu benötigen; zwitschert das dicke Twitter Vögelchen fröhlich auf dem Tablet-PC, verkündet das Notebook ich hätte Post und als sei das nicht schon genug, vibriert nun auch noch mein Handy im Takt der Facebook-Status-Updates elegant über den Tisch.

Informations-In-und Output-Overkill; dabei wollte ich doch eigentlich nur kurz laufen gehen!

In die DryFit Faser hatte ich mich bereits geschwungen, die Schuhe waren so gut wie geschnürt und dann der Schock: die GARMIN ist leer, meine Kopfhörer verknotet und der Armstrap für das Handy spurlos verschwunden :-O

Schnell feuere ich noch ein paar facebook-Freunde bei Ihren gerade begonnenen Lauf-Live-Aktivitäten an und versuche dann erneut, ebenfalls Laufen zu gehen.

Die Uhr ist inzwischen auf 10% Akkuleistung geladen, das sollte für eine kleine Runde reichen. Mein Handy werde ich heute einfach in die Jackentasche stecken (muss auch mal gehen) und die Kopfhörer entknote ich auf dem Weg nach unten.

Endlich in Bewegung! Die klare Luft füllt meine Lungen, Sonne kitzelt meine Nase und ein leichter Wind weht mir die Haare aus dem Gesicht.

Pulsuhr, Handy und Kopfhörer bleiben unbeachtet und für eine knappe Stunde bin ich nicht erreichbar, ist der einzige „Input“ der der Vögel in den Bäumen. Ich genieße, entspanne – schalte ab.

Meine Gedanken tragen mich zurück in die Zeit in der ich mit dem Laufen begonnen habe. Keine Pulsuhr, keine Dryfit Faser, keine super-gedämpften Natural-Running Shoes 😉 Einfach Jogginghose und Sportschuhe an; los ging’s.

Damals, als die alte Sportweisheit „Zum Laufen braucht man nichts außer zwei Beine“ noch stimmte. 😉

Inzwischen ist Laufen ein teures Hobby, dass sich teilweise sogar als „elitär“ einordnen lässt. Schade, eigentlich. Denn Laufen kann ein Jeder!

Ein „zeitgerechter Läufer“ ist, verfolgt man die Medien und beugt man sich dem Gesellschaftsdruck der, der die neuste GPS-Uhr am Handgelenk hat, muskelstützende Kompressions-Mikrofaser-Sachen (er)trägt und den supergrip, multigedämpften und trotzdem federleichten 200€ Schuh ausführt. Das ganze auch noch farblich aufeinander abgestimmt.

Zweifelsohne erleichtern all diese Dinge unser Hobby, lassen uns gezielter trainieren, machen uns besser – geben uns Selbstbewusstsein. Dennoch finde ich es sehr wichtig, sich hin und wieder mal dem Druck aller Gadgets zu entziehen und darauf zu besinnen; was dieser Sport eigentlich ist: ein einfaches, ehrliches im Einklang mit sich und seinem Körper sein. Ruhe genießen, Zeit zum Nachdenken haben, Bewegung, Fitness – ERHOLUNG!

Ja; in der heutigen, schnelllebigen Zeit der Dauererreichbarkeit vielleicht sogar auch ein kleiner Kurzurlaub 😉

Als ich wieder zuhause ankomme, fällt mir ein Hinweis auf meiner Uhr auf. Der Erholungsratgeber sagt, dass ich mindestens 48 Stunden Pause nach der letzten Einheit beachten soll.  – Wie gut, dass ich diesen Lauf nicht getracked habe 😉

Ich wünsche Euch eine wunderschöne Woche

#keeponrunning

Eure Sandra

PS: Dieses Thema ist Katrin und Helmut gewidmet. Solltet Ihr Themenwünsche oder sonstige Anmerkungen zur Kolumne haben, könnt Ihr mir diese jederzeit sehr gerne per Email an Sandra@run.de oder via Facebook www.facebook.com/sandra.mastropietro.running mitteilen. 🙂

 


{ 1 Kommentar… lies ihn unten oder füge einen hinzu }

Carlito April 1, 2014 um 19:33

Wie wahr, wie wahr. Man macht sich selbst beim Laufen leider oft genug zum Sklaven der Technik. Naja, aber immer noch besser als nicht zu laufen. Trotzdem ein Rat, den ich vielleicht mal wieder beherzigen sollte. Wobei ich Musik zum Laufen schon als puren Quell der Entspannung empfinde.

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