Auf Wiedersehen – Die letzte Runde ist immer die schwierigste!

von run.de am 28. Dezember 2017

Liebe laufende Gemeinde! Wie gerne würde ich bei Euch bleiben! Ehrlich. Es kotzt mich an, dass ich eine Pause machen muss. MUSS!

Aber was soll ich schon Schönes schreiben, über das Laufen schreiben, wenn ich selbst nicht laufen darf? Wenn mir ein Arzt, den ich leider ernst nehmen muss, sagt, dass ich für mindestens drei Monate die Laufschuhe an den Nagel hängen muss? Mindestens! Es wäre doch töricht, an dieser Stelle noch etwas übers Laufen zu erzählen, oder? Ich will Euch ja schließlich nicht damit langweilen, wie ich KEINE eigenen Lauferfahrungen mehr mache. Das war ja nie Sinn dieser Kolumne.

 Ich wollte, ich hätte ein Problem mit dem Herzen, das in mir nicht mehr fürs Laufen schlägt. Ich wollte, ich hätte eine Geschlechtskrankheit, die einfach nur kurz im Schritt juckt und brennt. Ich wollte, meine Haare würden nicht mehr liegen. Aber nein! Ich habe ein schlechtes Bein, das rechte, dessen Durchblutung dermaßen im Arsch ist, dass ich jetzt einfach mal stoppen muss. Ich wollte, ich wäre nicht auf einer Seite lahm.

Stoppen, anhalten, unterbrechen muss ich jetzt mal ein paar ausgedehnte Wochen, nach nicht einmal der Hälfte meines Läuferlebens. Ich laufe leidenschaftlich seit ich knapp 25 bin. Jetzt bin ich 42 – und werde gezwungen, mich mal kurz zurückzuhalten, wenn es darum geht, Kilometer um Kilometer zu laufen, wo auch immer die sein mögen. Ich muss mich damit zurückhalten, mein verdammtes Bein zu belasten. Ich soll es mehr hochlegen, sagt mein Arzt.

Das ist auch schon alles, hat man mir gesagt. Im selben Moment habe ich mir gedacht: das ist alles? DAS? Weiß der verdammte Arzt eigentlich, was er da von mir verlangt, habe ich gedacht. Nicht mehr fünf, zehn, 20 Kilometer zu rennen, wenn mir danach ist?

Das ist, als würde man einem Rennfahrer seinen Rennwagen wegnehmen und ihm stattdessen einen Skoda geben und ihm erzählen, damit könnte er ja auch noch mal hin und wieder die Rennstrecke abfahren. Klar kann man das. Aber will man das auch, wenn man es schnell gewohnt ist?

Ich gehe aber mal davon aus, dass der Arzt durchaus weiß, wovon er spricht. Ein junger Mann, der wirklich anscheinend wusste, wovon er redet. Nicht so ein alter Weißkittel, der kaum mal irgendwo hinguckt, um anschließend arrogant eine Diagnose zu stellen. Nein, meiner hat sich wirklich Mühe gegeben. Da ich nicht versichert bin hier auf Reisen, muss ich so was ja selber bezahlen. Deshalb suche ich mir die Ärzte, wenn ich sie mal brauche, auch sorgfältig aus – und die Ärzte geben sich seltsamerweise auch mehr Mühe, wenn keine Krankenkasse eh alles bezahlt, was sie falsch machen könnten.

Macht´s gut Leute, und lauft für mich mit!

Wie auch immer – ich möchte mich für´s Erste von Euch verabschieden. Ich habe es sehr genossen, meine Gedanken und Erfahrungen bezüglich des Laufens mit Euch an dieser Stelle (fast) wöchentlich teilen zu dürfen. Es war mir eine sehr große Ehre, ehrlich. Und ich werde es noch mehr genießen, wenn ich wieder zur Stelle bin und mir auf der Laufstrecke wieder die Lunge aus dem Hals kotzen kann – um Euch dann ungefragt davon berichten zu können.

Aber genug von meinem vorübergehenden Elend. Zwei Schmankerl will ich Euch abschließend noch mit auf den Weg geben. Zum einen: einen sehenswerten Rekord:

  • Andreas Michalitz kommt aus Österreich und hat mit stolzen 49 Jahren (!!!) einen neuen Weltrekord aufgestellt. Und zwar arbeitet der gute Mann bei der beruflichen Feuerwehr in Wien und rettet demnach täglich Leben. Als wenn ihm das noch nicht reichen würde, hat er, wie gesagt, einen neuen Weltrekord aufgestellt. Und zwar im „In-Voller-Feuerwehrmann-Montur-Treppen-Laufen“. Und wisst Ihr, wie viel so eine Feuerwehrmann-Montur wiegt? 23 Kilo! 23 Kilo hat der Mann also EXTRA mit sich rumgetragen, als er in 24 Stunden in einem Einkaufszentrum in Wien ganze 82.301 Treppenstufen hinter sich gebracht hat. Das ist knapp 52 Mal das Empire State Building hoch. In 24 Stunden! Mit 23 Kilo extra Gepäck und in nicht atmungsaktiver Feuerwehrmann-Kluft! Mit 49 Jahren!

Alle Achtung, Herr Michalitz. Obwohl ich gerade gar nicht laufen kann, wollte ich auch bei diesem Rekord nicht mit Ihnen tauschen wollen. Mein lieber Herr Gesangsverein!

Zum zweiten nicht vorenthalten möchte ich Euch noch ein interessantes Kochbuch – von einer Ausnahmeläuferin für Läufer geschrieben:

  • Shalane Flanagan ist eine echt harte US-Amerikanerin, die bereits mehrere Lauf-Rekorde in der Tasche hat. Aber das Bravourstück ist ihr beim New-York-Marathon 2017 gelungen. Ich meine: das ist mit Abstand einer der prestigeträchtigsten Stadtmarathons der Welt und hier treten neben zahllosen Hobby-Läutern, die vielleicht noch eine Startnummer ergattern konnten, auch eine Menge Top-Athleten aus aller Welt an – nicht zuletzt wegen des üppigen Preisgeldes. Jedenfalls hat Shalane Flanagan als erste Amerikanerin seit 40 Jahren (!!!) den Marathon der Frauen in New York gewonnen – und das, obwohl sie beim Training für diesen Ausnahme-Marathon einige Rückschläge einstecken musste, die andere vielleicht dazu veranlasst hätten, gar nicht erst anzutreten.

Nicht so aber Shalane! Unter anderem, so sagt sie, habe ihr die richtige Ernährung dabei enorm geholfen – und die ist gar nicht so schlimm, wie man meinen sollte. Deshalb – und da bin ich ganz ihrer Meinung – hat sie ihre sehr schlauen Ernährungstipps für „echte“ Läufer auch in einem Buch zusammengefasst. Und auch, wenn Weihnachten schon vorbei ist: das könnt Ihr Euch auch noch selber schenken, liebe laufenden Gemeinde!

Hier der Link zum Buch: Run Fast Eat Slow: Nährstoffreiche Rezepte für Sportler

Und jetzt verabschiede ich mich in eine traurige, aber keine hoffnungslose Zeit des NICHTLAUFENS. Vielleicht gibt es darüber ja dann doch noch mal etwas interessantes zu schreiben. Wer weiß – auch wenn ich es bezweifeln will.

Haltet durch, liebe laufende Gemeinde!

#keeponrunning

Euer Tankred


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