Aufräumarbeiten: 4 Mythen über das Laufen ad absurdum geführt

von Tankred Dankmar am 9. August 2016

Liebe laufende Gemeinde!

Jede Sportart kennt so ihre Mythen. Tennis in Wimbeldon dürfe nur in Weiß gespielt werden zum Beispiel – was übrigens bis heute stimmt. 90 Prozent der Kleidung muss strahlend weiß sein. Männlichen Radfahrern wird immer wieder gesagt, ihr Sport mache sie impotent – was laut Urologenmeinung jedoch nicht richtig ist. Also: Ruhig rauf auf den Sattel! Und noch so ein Mythos, der für fast alle Sportarten gleichermaßen gilt: Kein Sex in den Tagen vor dem Wettkampf! Grrrrmmmpffff! Die meisten Fußball-Coaches gewähren Spielerfrauen erst gar keinen Einlass in die Trainingscamps ihrer Mannschaften. Sehr vernünftig eigentlich, die Konzetration soll dem Fußball und nicht diversen anderen Bällen gelten.

Auch wir Dauerläufer kennen solche Mythen. Und genau davon wollen wir nun einmal einige unter die Lupe nehmen.

Was ist dran an diesen Läufer-Mythen?

Mythos 1 – Der lange Weg zur Fettverbrennung

Wir haben es alle schon oft gehört: Die Fettverbrennung setzt angeblich erst nach 30 Minuten ein. Vorher wird nur Zucker verbrannt. Diese Nachricht lässt gerade bei Anfängern, die wegen Übergewichts mit dem Laufen anfangen wollen, jede Motivation schon im Keim ersticken. 30 Minuten – da ist man in der Regel als Amateur schon 5 bis 7 Kilometer gelaufen. Dann kommt erst der gewünschte Trainingseffekt, nämlich das Abspecken? Da lässt man es doch besser gleich sein, denn bis man als übergewichtiger Laie 5 Kilometer schafft, um dann noch mal eine ordentliche Schippe wegen der Fettverbrennung draufzulegen, muss man schon einige Wochen, wenn nicht gar Monate trainieren. Da kann man es auch ganz sein lassen.

Aber, liebe Leute: Es stimmt nicht, dass die Fettverbrennung erst nach 30 Minuten einsetzt. Eigentlich setzt diese fast sofort ein. Der Trick ist nur, seinen Puls nicht zu hoch zu treiben. DANN nämlich geht der Körper an die für ihn schneller verfügbare Glucose im Blut, damit er die nötigie Energie liefern kann. Bleibt der Puls aber im moderaten Bereich (180 minus Lebensalter ist eine der vielen Formeln diesbezüglich, beziehungsweise 60 bis 75 Prozent des Maximalpuls), dann wird Kilometer für Kilometer Fett verbrannt – und das sogar ganz ordentlich.

Solange man nicht nach dem Laufen seinen Hunger mit FastFood stillt, ist jeder gelaufene Kilometer hervorragend dafür geeignet, um Fett zu verbrennen und Übergewicht loszuwerden.

Foto: Nicolai Schäfer | CC BY-SA 2.0 DE

Mythos 2 – Der Dauerlauf und der Busen

Nun dürfen die Damen unter den Dauerläufern aufatmen. Der Mythos, dass man vom Dauerlauf einen Hängebusen bekommt, ist Quatsch. Auch wenn es auf den ersten Blick fast logisch erscheint, dass durch dieses dauernde hüpfende Auf und Ab der Busen irgendwie ´ausleiert´ wie eine alte Socke mit Sand drin, funktioniert das Bindegewebe der Haut doch so nicht. Deren Straffheit nimmt mit dem Alter ab, nicht weil frau sich rennend bewegt.

Verständlicherweise ist es aber für Damen, die gut ausgestattet sind, vielleicht unangenehm und kann sogar zu Verpsannungen im Nacken- und Rückenbereich führen, dieses Auf und Ab des mehr oder weniger schweren Vorbaus. Da hilft ein robuster Sport-BH aber meistens schon weiter. Der Busen ist also kein Grund mit dem Dauerlauf aufzuhören oder gar nicht erst anzufangen. Liebe Damen! Ihr könnt Euch jetzt nicht mehr hinter euren Brüsten verstecken 😉

Ein Sport BH bietet einen guten Halt beim Laufen und entkräftet den Mythos.

Mythos 3 – Kein Sex vor dem Dauerlauf?

Okay, in der Einleitung wurde es ja schon erwähnt: Angeblich ist der Beischlaf dem Sport nicht förderlich, sondern macht schlapp und müde. Keine guten Nachrichten. Da möchte man Wintson Churchill zustimmen, der stets meinte: ´No Sports!´. Aber ist das wirklich so? Wieso dürfen Spielerfrauen nicht ins Trainingscamp der Manschaften?

Das mit den Spielerfrauen ist weniger der körperlichen Liebe geschuldet als der geistigen Verwirrung, welche eine Partnerschaft oft mit sich bringt. Die Spieler sollen sich auf das Runde, das ins Eckige muss, fokussieren – und sonst auf gar nichts! Dass Sex müde macht, ist eigentlich auch Quatsch. Nur kurz nach dem Orgasmus folgt eine nicht lange anhaltende Welle der Totalentspannung, weil der Hormonspiegel wieder abfällt.

Aber eigentlich ist Sex als eine sportliche Trainingseinheit hervorragend geeignet und darf also gerne in jedes Fitnessprogramm – auch und gerade dem der Dauerläufer – integriert werden. 13 Minuten Sex mit Orgasmus verbrennen zum Beispiel in etwa so viel Kalorien wie ein 20-minütiger Spaziergang mit Treppensteigen und ist somit auch bestens für die Abnehmwilligen geeignet. Man sollte vielleicht nur nicht noch 10 Minuten vor dem Start zu einem Marathon noch kurz…ähm…Ihr wisst schon. WinkAber alles andere ist völlig in Ordnung.

Außerdem ist man danach mental entspannter und positiver gestimmt – und so eine schöne Ausgeglichenheit kann man auf den folgenden 42.195 Kilometern doch eigentlich ganz gut gebrauchen. Ein Schäferstündchen ca. 5 bis 6 Stunden vor dem nächsten Gewaltmarsch verleiht also Flügel – doch noch gute Nachrichten. Puh! Glück gehabt!

Von Francois Boucher romantisch in Szene gesetzt: Ein Schäferstündchen – auch für Läufer vor dem Wettkampf durchaus eine erlaubte Freude.

Mythos 4 – Der Dauerlauf ist für Boxer die edelste aller Trainingseinheiten

Wir alle kennen Rocky Balboa, wie er in seinen  finanziell zwar nicht besonders anspruchsvollen, vom Trainingseffekt her aber dafür umso gewinnbringenderen Fitnessprogrammen nicht nur mit bandagierten Fingerknöcheln auf Rinderhälften in dunklen Schlachtereien eindrischt und überdimensionerte LKW-Reifen hinter sich her zieht, während sein leicht exzentrische Trainer Mickey ihn im Hintergrund ankeift, dass sein Willen noch zu schwach sei für einen echten Champion. Und wir alle wissen, dass Rocky auch unglaublich viel läuft, meistens am frühen Morgen kurz nach Sonnenaufgang, wenn seine Heimatstadt Philadelphia noch weitesgehend schläft. Am allerliebsten läuft er Treppen rauf, fast noch lieber, als er den Namen seiner Liebsten schreit: AAAAADRIAAN!!! (Warum Rockys Frau einen Männernamen trägt, ist mir bis heute allerdings schleierhaft).  So macht sich Rocky konditionell fit und weil er auch so dolle laufen kann, bezwingt er  – unter anderem – Apollo Creed, Ivan Drago und Mr. T.

Man sollte also meinen, dass es nichts besseres an Konditionstraining für einen Boxer gibt, als den guten, alten Dauerlauf. Und sind wir ehrlich: Wer von uns macht nicht manchmal beim Laufen durch den Wald ein bisschen Schattenboxen, genau wie Rocky eben. Natürlich nur wenn keiner guckt. Boxen gilt den meistens filigranen Läufern immer noch als zu grobschlächtig. Was natürlich Unsinn ist, aber nun gut. Wie dem auch immer sei.

In einem Interview hat der mittlerweile enthronte Wladimir Klitschko vor kurzem gesagt, er laufe überhaupt gar nicht mehr. Früher hätte er das ja auch als Konditionstraining gemacht, sei mittlerweile aber total davon weg. Der verdutzte Interviewer fragte denn auch nach, warum er diesen Rocky-Mythos nun in einem Satz zerstören würde. Antwort Klitschko: Weil beim Laufen ganz andere Muskeln trainiert werden, als der Boxer braucht. Es bringe also gar nichts, wenn man als Boxer andauernd Treppen hoch und runter rennt, so schön das im Film auch aussähe. Und er muss es als Sportwissentschaftler mit Doktortitel und als langjähriger Champion im Schwergewichtsboxen wohl wissen.

Aber trotzdem: Wenn Rocky durch Philadelphia sprintet und schattenboxt, schlägt das Herz des gemeinen Dauerläufers trotzdem höher. Smile

Die legendären Treppen, die Rocky im Sprint hochrennt: Am Phildelphia Museum of Art.

Bild: su1droot – Flickr | CC BY-SA 2.0

Also, liebe laufende Gemeinde, jetzt sind wir also wieder ein bisschen schlauer. Aber trotzdem: Ich gehe jetzt auf die Piste und renne so lange, bis ich irgendwo ein paar feine Treppen finde, die ich genauso imposant hinaufsprinten kann wie unser aller Freund Rocky Balboa. Schattenboxend werde ich da rauf rennen und es ist mir herzlich egal, was Herr Klitschko a.k.a. Dr. Faust dazu meint. Auch wenn ich ganz bestimmt NICHT mit ihm streiten werde.

Alles im Sinne der Romantik des Dauerlaufs!

Euer Tankred


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