Auszeit, Umzug, neue Heimat und endlich läuft´s wieder!

von run.de am 2. November 2016

Liebe laufende Gemeinde!

Ihr habt jetzt etwas länger nichts von mir gehört. Das tut mir leid. Leider musste ich mir eine kleine Auszeit nehmen, denn es gab einige Komplikationen mit meiner Verletzung, mit dem mehrfachen Jochbeinbruch. Die regelmäßigen Leser unter Euch wissen ja bereits, dass ich wegen dieser Verletzung schon mein Trainingsprogramm zum Marathon in Penang, Malaysia abbrechen musste. Dieser findet Ende November statt und es hätte nicht mehr gereicht, dort gut vorbereitet an die Startlinie zu treten.

Dann wollte ich ja eigentlich den Marathon in Chiang Mai, im Norden von Thailand Ende Dezember absolvieren. Das hätte auch geklappt, wenn alles normal gelaufen und die Brüche im Gesicht und an der Schläfe gut verheilt wären. Das taten sie aber leider nicht. Und deshalb muss ich mir den Chiang-Mai-Marathon jetzt auch schenken. Mit anderen Worten: Dieses Jahr wird das nichts mehr mit meinem ersten offiziellen Marathon-Wettbewerb in den Tropen. Cry

Was soll man machen? Verletzung ist Verletzung, sie ist halt genau das, was einem ambitionierten Läufer einmal so gar nicht in den Kram passt. Mag die Freundin auch mit einem anderen in den Sonnenuntergang reiten, mag der Familienhund sterben oder mag man auch den Job verlieren – das sind alles keine guten Gründe, um nicht zu laufen. Der einzige Grund, warum ein Läufer nicht mehr läuft, ist, wenn er verletzt ist und es einfach unverantwortlich wäre, trotzdem zu laufen. Mit ein bisschen Pech kann man nachher nämlich gar nicht mehr laufen. Und das, liebe laufende Gemeinde, läuft gar nicht!

Nun ja, ich habe mich damit abgefunden. Alles geht vorbei, sage ich mir stets in Lebensphasen, die mal nicht ganz so rund laufen. Alles Jammern und Zähneknirschen bringt ja doch nichts und macht alles nur noch schlimmer. Nicht, dass ich einer von der Sorte wäre, die versucht, in allem etwas Positives zu sehen. Ich finde, das ist Unsinn. Manchmal ist das Leben nämlich einfach nur ein Arschloch. Ich sitze das dann einfach aus und versuche mich in der hohen Kunst, den längeren Atem zu haben. Humor hilft da immer am besten. Wenn das Universum mir dreckig ins Gesicht lacht, lache ich einfach genauso dreckig zurück. Und zeige ihm den Mittelfinger.

Dem Arschloch-Leben manchmal einfach den Mittelfinger zeigen – wie hier ein paar Straßenkinder auf Borneo.

Bild: Henryk Kotowski – CC BY 2.5

Aber es gibt trotzdem auch Gutes von der tropischen Front zu berichten. Erstens bin ich umgezogen und lebe jetzt in Pai. Das ist ein kleines Städtchen oben in den Bergen von Thailand, recht nahe an der chinesischen Grenze. Die Berglandschaft ist idyllisch und hier kann ich deutlich schönere Touren mit dem Motorrad unternehmen. Denn das ist eins der tollsten Sachen, wenn man in den Tropen lebt: Hier ist eigentlich das ganze Jahr über Motorrad-Ausflug-Saison. Nur in den Monaten des Monsuns wirds ein bisschen unangenehm, da bleibe ich auch lieber auf der Veranda sitzen. Und alleine auf dem Motorrad zu sitzen und einfach der Nase nach zu fahren ist das beste Mittel, um auf ein paar schönere Gedanken zu kommen.

Mein neues Motorrad! Ich muss nur noch den Motor etwas hochrüsten, der ist ein bisschen zu klein geraten. Ich hab das Ding eher wegen des Rahmens gekauft. War ein Schnäppchen.

Zweitens – und das ist wohl das Wichtigste – kann ich jetzt langsam wieder anfangen mit dem Laufen. Ich sollte es zwar noch nicht übertreiben, aber ein schönes 5-Kilometer-Ründchen geht schon wieder und es fühlt sich gut an, wieder im Rythmus und schwitzend und keuchend per Pedes unterwegs sein zu können. Smile Zwischendurch nutze ich die malerische Berglandschaft hier natürlich auch für Wanderungen, die in gemächlichem Tempo vorangehen. Auch das habe ich etwas vermisst, das ging auf der Insel und in der Großstadt, wo ich die letzen Jahre gelebt habe, schließlich nicht so gut. In der Stadt macht´s keinen Spaß und auf einer kleinen Insel hat man nach ein paar Monaten wirklich alles entdeckt, was es zu entdecken gibt.

Und jetzt zum dritten Punkt, der Anlass zur Freude gibt: Hier in Pai findet Ende November ein offizieller 10-Kilometer-Lauf statt! Die nennen das einen ´Mini-Marathon´, was ich irgendwie ganz niedlich finde. Der ist auch eigentlich nur was für die Einheimischen, auch wenn es hier durchaus eine ganze menge Touristen gibt, zumindest in der Hauptsaison. Die ist aber noch was hin, da geht´s erst ab Weihnachten richtig los. Ich bin auch eher durch Zufall über ein Plakat gestolpert, das diesen Mini-Marathon ankündigt. Ich habe auch nur zwei Worte darauf verstanden, weil der Rest auf Thai geschrieben steht. Sprechen kann ich die Sprache zwar ein wenig, aber lesen und schreiben keinesfalls.

Aber ich verstand die Zahl ´29´ und die beiden Worte ´Mini-Marathon´, weil die Thais ebenfalls wie wir die arabischen Zahlen benutzen und weil sie – so vermute ich mal – kein Wort für ´Mini-Marathon´ in ihrer Schrift hinbekommen. Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären, warum neben einem recht langen Text auf Thai nur ´Mini-Marathon´ in römischen Lettern da stand. Wie auch immer. Ich musste mir dann erstmal einen Thai schnappen, der mir den Rest des Plakates übersetzen konnte. Und jetzt bin ich schlauer. Am 29. November gibt´s hier einen kleinen Marathon. Was will ich mehr?

Die Landschaft um Pai. Ein kleiner 10-Kilometer-Lauf hier wird bestimmt eine schöne Erfahrung, um wieder reinzukommen. Foto: ShahJahan, GNU 1.2

Das kommt mir sogar wie gerufen, das ist genau richtig. SmileIch wollte ja unbedingt dieses Jahr mal an einem offiziellen Lauf in den Tropen teilnehmen. Mit dem langen Marathon wird das nichts mehr und da sind 10 Kilometer in meiner neuen Heimat kurz nach meinem Umzug hierher doch genau richtig. Das passt wie die Faust auf´s Auge, die mir das Jochbein zertrümmert hat, um es mal auf den Punkt zu bringen.

Und dass das Timing so exzellent ist, zeigt mir, dass es jetzt wieder bergauf geht. Es sieht so aus, als habe das Arschloch-Leben mich nun genug gepiesackt und dass es mein stoisches Warten auf Besserung geschluckt hat. Nimm das, Du verkacktes Universum! Denn eins weiß ich: Wer hoch fliegt, der fällt auch tief. Aber: In der umgekehrten Richtung ist diese goldene Regel genauso gültig! Das Universum und ich, wir wissen das. Und jetzt wird wieder gelaufen!

Liebe laufende Gemeinde! Ich bin froh, dass ich Euch jetzt wieder mehr von meinen Dauerläufen durch die Tropen berichten kann. Und ich drücke Euch wie immer die Daumen, dass Euer Dauerlauf durch Euer Leben sich so gut anfühlt, wie Ihr es Euch auch wünscht.

Und wenn dies mal nicht der Fall sein sollte: Einfach abwarten! Irgendwann hat das Leben mal genug davon, sich wie ein verdammtes Arschloch aufzuführen, und dann läuft´s wieder. Wink

#keeponrunning

Euer Tankred


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