Back to the City – der erste Lauf in Penang

von Tankred Dankmar am 12. November 2015

Vor zwei Wochen bin ich umgezogen. Die regelmäßigen Leser dieser Kolumne (Im Dauerlauf durch Südostasien) wissen es ja bereits, für die Neugekommenen sei es aber kurz noch einmal erwähnt, dass ich zuvor auf Koh Phangan gelebt habe. Das ist eine relativ kleine Insel im Golf von Thailand und sie ist eine dieser Inseln, wo andere Menschen ihren Urlaub verbringen.

Man kann also getrost von einer typisch tropischen Trauminsel sprechen. Aber irgendwann hat man auch mal das Paradies mit Löffeln gefressen, oder mit anderen Worten: für mich wurde es Zeit für einen Ortswechsel und eine Luftveränderung. Eine Trauminsel ist ja schön und gut, aber sterben will ich da auch nicht, so gut und bequem das Leben dort auch ist.

Gute 3,5 Jahre habe ich dort gelebt. Und ihr könnt mir glauben: nach 3,5 Jahren auf einer relativ kleinen Insel kennt man dort wirklich alles. Alle, die dort leben, jeden Stein und jeden Straßenhund kenne ich mit Namen. Das mag ja ganz angenehm sein und einem wirklich das Gefühl von Heimat geben, aber ich bin ja nicht auf Reisen gegangen, damit ich mir den erstbesten Platz zum Sterben aussuche. Ich bin losgezogen, um die Welt zu entdecken!

Ich muss zwar nicht alle 2 Tage irgendwas Neues um mich herum haben, aber so alle paar Monate darf es schon Abwechslung geben. Auf Koh Phangan bin ich aus verschiedenen Gründen schon viel zu lang hängen geblieben. Jetzt wurde es also Zeit, dass ich mir mal ein neues Plätzchen suche, welches auch etwas anderes zu bieten hat als nur Traumstrände, kristallblaues Wasser und unberührten Dschungel. Echt, das Paradies kann einem ganz schön auf die Nerven gehen. 😉

Meine alte Heimat: die Bucht von Chaloklum

Mit einem Touristenvisum muss man alle 3 Monate aus Thailand ausreisen und sich in einer Botschaft in einem Nachbarland ein neues Visum besorgen. Wenn man so wie ich in Südthailand wohnt, macht man das meistens in Malaysia und dort auf der recht großen Insel Penang. Ich war also schon ein paar Mal dort gewesen und fand es hier immer recht beschaulich, wenn auch auf eine ganz andere Art als auf Koh Phangan.

Penang ist von der Fläche her in etwa doppelt so groß, aber diese Insel ist auch nahezu komplett erschlossen. Auf Koh Phangan spielt sich das Leben so gut wie nur an der Küste ab. Das Inselinnere ist zu 90 Prozent immer noch von undurchdringlichem Dschungel bedeckt. In Penang nicht. Penang ist voller alter Kolonialarchitektur und ultramodernen Hochhäusern und richtigen Wolkenkratzern. Auf Koh Phangan leben etwa 15.000 Menschen – ohne die Touristen natürlich. In Penang wohnen 1.5 Millionen! Das ist schon eine ganz andere Hausnummer.

Ich bin jetzt nach Georgetown gezogen. Das ist das ganz alte Zentrum von Penang und liegt im Nordosten der Insel. Es ist als Handelsposten an der Straße von Malakka über die Jahrhunderte gewachsen und die Kulturen haben sich hier vermischt wie sonst nirgends in Asien. Heute ist Georgetown so etwas wie die Altstadt und das Künstlerviertel. Und für mich ist es regelrecht berauschend, wieder in einer Großstadt zu leben. Und nicht in irgendeiner, sondern eben in Penang und dann auch noch im schönsten Stadtteil.

Endlich wieder ein bisschen Kultur und Kunst um mich herum. Tolle Restaurants und verdammt, endlich mal wieder ins Kino gehen! Ausstellungen und Vernissagen besuchen. Es ist so viel Neues und Aufregendes, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Aber ich gedenke, ein bisschen hier zu bleiben, denn ich fühle mich hier gerade pudelwohl. Ich brauche also nichts zu überstürzen.

Meine neue Heimat: Georgetown in Penang

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Georgetown.jpg

Aber: jetzt haben sich natürlich auch die Konditionen fürs Laufen dramatisch geändert. Gut, tropisch ist es auch hier. Sogar noch ein bisschen tropischer, auch ohne den ganzen Dschungel um einen herum. Jetzt lebe ich fast genau auf dem Äquator, das heißt, es ist noch einen Ticken wärmer. Und eben wieder in der Stadt. Auf Koh Phangan war die Luft wirklich klar und rein wie ein Bergsee. Oft gab es auch noch eine leichte Brise, die vom Meer kam.

Hier in der tropischen Stadt weht natürlich kein Lüftchen, außer, man sitzt unter einem Ventilator. Außerdem heizt sich der Beton in der Stadt natürlich den Tag auf, speichert die Wärme und gibt diese ununterbrochen ab. Die Luft ist deutlich schlechter, weil 1.5 Millionen Leute sich auch hier mit Autos, Bussen und Mopeds fortbewegen. Als wäre das nicht genug, ist jetzt auch langsam die Regenzeit gekommen. Dabei ist der Regen das kleinste Problem für einen Läufer. Aber die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass man schon im Sitzen schwitzt. Wer dann noch läuft, muss dazu bereit sein, auch ein bisschen mehr zu leiden als die anderen.

Heute habe ich dann auch mal mein erstes Ründchen hier gewagt. Erst einmal habe ich mir natürlich vorher noch neue Laufschuhe und eine schicke neue Sporthose gekauft, weil: neues Terrain, neue Klamotten, ist doch klar. 😉

Dann habe ich brav bis 18.00 gewartet, wenn es zwar noch hell, aber nicht mehr ganz so heiß ist. Wobei, wie gesagt: viel Unterschied macht das auch nicht. Abkühlen geht anders. Und da ich mich noch nicht ganz so gut hier in diesem Großstadtdschungel zurecht finde, habe ich mir eine Runde durch mein neues Viertel ausgesucht. Dieses bin ich dann eben 4 Mal gelaufen, aber noch ist für mich ja hier auch noch alles neu. Außerdem wollte ich erst einmal schauen, wie es sich in diesem neues Terrain überhaupt so läuft, bevor ich ein richtiges Abenteuer wage und mit Karte bewaffnet mal einen Halbmarathon durch gänzlich unbekannte Gefilde antrete.

Mein erstes Resume: auch in Penang bleibt das Laufen ein tropischer Spaß. Es ist immer auch ein Laufen gegen die Hitze und die Luftfeuchtigkeit. Aber im Gegensatz zum Laufen auf Koh Phangan, sieht man sich hier mit anderen Herausforderungen konfrontiert. Auf Koh Phangan waren es vor allem die ständigen Hügel, die gemeistert werden mussten. Außerdem musste man dort wissen, wie man mit den Straßenhunden umzugehen hat.

Hier in Penang greifen einen zwar keine verwilderten Vierbeiner an, dafür muss man aber auf den Straßenverkehr achten. Und waren es auf Koh Phangan die Hügel, die mir kurzzeitig mal in vollem Lauf den Atem raubten, sind es hier in der Stadt die ganzen Abgase.

In Runde 2 meiner heutigen Lauf-Tour zum Beispiel kam ich an einem öffentlichen Bus vorbei, der gerade anfuhr. Ich habe seit Jahren keine Abgaswolke mehr eingeatmet. Schön war das echt nicht. Aber auch daran werde ich mich wohl wieder gewöhnen können. Schließlich kann einen echten Läufer nichts aufhalten!

Oder wie seht ihr das?

#keeponrunning, euer Tankred


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