Buchlesung mit Judith Riemer – Das Beste kommt zum Schluss

von Run Munich Run am 3. März 2015

„Bevor ich anfange, möchte ich, dass wir etwas für einen Körperteil tun, den wir als Läufer oft vernachlässigen. Genau, für unsere Füße!“ Kurzzeitig kriecht bei diesen Worten Panik in mir hoch. Müssen wir etwa unsere Schuhe und Socken ausziehen? Füße sind ja sowieso ein Körperteil, der nur einer speziellen Minderheit gefällt. Aber Läuferfüße? Urgs! Bitte nicht!!!

Zum Glück ist Judith Riemer gnädig mit uns. Die Schuhe bleiben an und wir machen nur etwas Gymnastik für diese wirklich vernachlässigten Körperteile, die eigentlich den Großteil unseres Hobbys stemmen müssen. Dann legt sie los, die „Frau aus dem Internet“. Ich folge Judith und ihrer Gruppe „2014 – bewegt! by Judith Riemer“ schon länger und lerne sie nun endlich persönlich kennen. Immer wieder bin ich fasziniert, mit wieviel Begeisterung sie vom Laufen erzählt. Und das, obwohl sie eigentlich immer eine der Letzten ist. Wenn nicht sogar DIE Letzte. Oder vielleicht deswegen?

Sie nennt sich selbst „Turtle Runner“ und hat passend dazu ein Buch geschrieben. „Turtle Runners Trainingsbuch“ heißt es und es ist ihrer Aussage nach kein herkömmliches Trainingsbuch, welches sagt, „du musst dies machen, um jenes zu erreichen“, sondern vor allem Anfängern helfen soll, langsam und sicher das Ziel zu erreichen. Wenn es sein muss (oder sogar darf?), auch als Letzter.

Aus diesem Buch hat sie uns vergangenen Freitag vorgelesen und gleichzeitig von ihrer eigenen Geschichte erzählt. Mit etwa 100 Kilo Körpergewicht wachte sie eines Morgens auf, beschloss, (irgendwann) einen Marathon zu laufen und krempelte ihr Leben komplett um. Aus der „Alles-Esserin“ wurde eine Veganerin (bevor sie sich mit gesunder Ernährung beschäftigte, aß Judith zunächst nahezu ausschließlich Brot, Tomaten und Manner-Schnitten) und war ein Dauergast bei der Leistungsdiagnostik.

Ihr Buch enthält neben Tipps für das Training auch Auszüge aus ihrem eigenen Tagebuch, was es besonders „lebendig“ macht. So können wir während des Vorlesens gemeinsam in Erinnerungen schwelgen, die eigentlich nur sie selbst wirklich erlebt hat. Auch ein paar Rezeptideen hat sie aufgeschrieben sowie Platz für jede Menge eigener Notizen gelassen. Außerdem betont sie, warum es eigentlich ein Privileg ist, als Letzter das Ziel zu erreichen. Und sei es nur die leere Dusche!

Sie erzählt von Höhen und vielen Tiefen, wie Pulswerten jenseits von Gut und Böse, einer Hüftsehnenentzündung und einem Mondscheinlauf ohne Mondschein, bei dem ihre Taschenlampe den Geist aufgibt. Trotzdem bleibt sie dabei, denn der Marathon ist weiterhin ihr Ziel.

Zur Auflockerung und zum Krafttanken gibt es zwischendurch eine Pause mit Smoothies aus der „Vegankombüse“ (www.vegankombuese.com), Energiekugeln, die Judith aus Österreich mitgebracht hat und nette Gespräche. Einige Mädels kannte ich ja bereits von Instagram, nun haben wir uns mal „live und in Farbe“ kennengelernt. Sehr witzig, auch mal Stimmen zu den Fotos zu hören. 🙂 Mein persönliches Highlight: Obwohl nicht nur Judith, sondern auch ein paar der „Insta-Mädels“ vegan leben, darf ich ungestraft davon sprechen, dass ich Fleisch esse, ohne zu befürchten, mit Mistgabeln aus dem Raum vertrieben zu werden. Wirklich ein sehr netter Abend.

Auch wenn ich selbst eher nicht der klassische „Turtle Runner“ bin und auch keine Probleme habe, ans Ziel zu kommen, habe ich mir Judiths Buch gekauft. Warum? Weil ich so gerne lese. Und weil dieses Buch nicht nur für Anfänger geeignet ist, sondern für alle, die mal einen Durchhänger haben und nicht mehr genau wissen, warum Sie eigentlich angefangen haben, zu laufen.

„Wenn ich mit dem, was ich tue, auch nur einen Menschen dazu motivieren kann, seinem Glück entgegenzulaufen, dann ist mein Herzenswunsch erfüllt.“, schreibt Judith auf der Rückseite. Sie ist der beste Beweis, dass jeder schaffen kann, was auch immer er sich vornimmt. Und dabei ist es egal, ob man als Erster oder Letzter das Ziel erreicht. Mal davon abgesehen, dass das Beste immer zum Schluss kommt. Noch Fragen? 😉

Ein Zitat aus ihrem Buch möchte ich euch noch mit auf dem Weg geben. Vielleicht erinnert es euch selbst von Zeit zu Zeit, warum ihr lauft, warum ihr damit angefangen habt und warum ihr damit nicht mehr aufhören möchtet oder vielleicht sogar könnt:

>>“Läufst du, um abzunehmen?“, wollte eine Kollegin wissen. Nein. Ich laufe, um zu laufen. Ich laufe, weil ich wissen will, wo meine Grenzen sind. Weil ich erfahren will, wie weit ich komme. Weil ich spüren will, ob es auch mit meinem Körper möglich ist, eine Läuferin zu sein. Gibt es einen besseren Grund?<<

Gibt es einen besseren Grund? Ich bin da voll und ganz bei Judith und hoffe, euch geht´s genauso. Also Laufschuhe an und #keeponrunning, liebe run.de-Leser.

Viele Grüße, Isabell


{ 1 Kommentar… lies ihn unten oder füge einen hinzu }

sandra März 3, 2015 um 18:17

Sehr schön geschrieben liebe Isa! Klingt nach einem sehr netten Abend 🙂 (Schade, dass ich es nicht geschafft habe. )

Die Turtlerunner sind eine klasse Community!

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