Date – der Chaloklum-Mini-Marathon, nächstes Jahr um diese Zeit

von Tankred Dankmar am 10. Februar 2017

Liebe laufende Gemeinde!

Ich muss meine Kolumne diese Woche mal gleich mit einer Frage an Euch beginnen: Ist der Laufsport in den letzten Monaten irgendwie wieder besonders hipp bei Euch geworden? Hat irgendein In-Magazin mal wieder kein anderes Thema gefunden und hat sich lang und breit über die Vorzüge des Dauerlaufs ausgelassen? Hat irgendein Promi-Sternchen in irgendeinem Dschungel-Container davon geschwärmt, wie toll dieser Sport doch ist? Was ist da los bei Euch?

Anders kann ich mir nämlich nicht erklären, dass ich hier auf meiner kleinen Tropen-Trauminsel jetzt immer mehr ´Bleichgesichter´ treffe, die auch ihr Ründchen drehen – im Urlaub wohl gemerkt. War ich doch jahrelang der einzige, der bei 35 Grad Celsius in der Sonne durch die Gegend keuchte, so laufe ich jetzt nicht mehr alleine. Mindestens einmal bei jedem Lauf kommt mir einer entgegen, der genauso verrückt ist. Und ganz ehrlich: Das macht mir meinen schönen tropischen Dauerlauf schon ein bisschen madig. 

Ich komme mir in meinem Fischerdörfchen bald vor wie beim Berlin Marathon. Na gut, ich übertreibe der Dramatik wegen ein wenig. Aber nur ein wenig. 😉

Bild: gemeinfrei

Verdammt, ich war immer der einzige Dauerläufer hier in meinem kleinen Fischerdörfchen und sorgte schon deshalb für Gesprächsstoff. Ich kam mir wie ein einsamer Streiter für den besten Sport der Welt vor, einer, dem nichts etwas ausmacht – die Hitze nicht und auch nicht der Monsunregen und auch nicht die doofen Straßenhunde, die ich dauernd abwehren muss. Nichts konnte mich stoppen und ich war ein ´bunter Vogel´, einfach, weil ich der einzige Dauerläufer war. Aber jetzt: Bald bin ich nur noch einer von vielen. Ich habe mich besser gefühlt, als dem nicht so war.

Auf der anderen Seite: Vielleicht haben ja auch meine Reden so sehr von sich reden gemacht, dass einige erkannt haben, wie toll das Laufen doch ist. Vielleicht sind das die Früchte meiner Feder, die ich hier am anderen Ende der Welt über die heißen Straßen und staubigen Buschwege schwitzen und keuchen sehe. Dann wäre das natürlich phänomenal. Mission accomplished sozusagen. Dann könnte ich jetzt aber auch aufhören mit dem Schreiben über die Vorzüge des Dauerlaufs.

Allerdings soll das ja auch nicht wieder einreißen. Gerade Anfänger brauchen literarische Motivationsschübe. Aber sind das wirklich Anfänger, die ich hier auf einmal über die Insel laufen sehe? Wohl kaum. Ein Anfänger läuft nicht bei 35 Grad im Schatten in seinem wohlverdienten Jahresurlaub auf einer tropischen Trauminsel. Das müssen schon altgediente Wunderläufer sein, die das bringen. Aber wo kommen die dann so plötzlich her, von einer Saison auf die andere? Wer hat die bei Euch losgeschickt? Wieso laufen die auf einmal alle über MEINE Insel?

Die Bucht von Chaloklum, MEIN Dorf, welches plötzlich auch von anderen Läufer durchquert wird. Bisschen komisch ist es schon, nicht mehr der einizge hier zu sein. 🙂

Es kommt mir manchmal so vor, als habe jemand mein ureigenstes Territorium entweiht. Kennt Ihr das? Habt Ihr nicht auch eine Lieblingsstrecke, die Ihr fast immer für Euch alleine habt? Eine, die Ihr meint gefunden zu haben und die eigentlich nur Euch gehört?

Und wie fühlt sich das, wenn Euch da auf einmal einer entgegenkommt und auch noch grüßt, als sei nichts gewesen? Genau! Das ist, als komme man nach einem schweren Arbeitstag nach Hause und ein Wildfremder steigt gerade aus Eurer Dusche und tut, als wäre nichts. Nicht schön. Und im ersten Moment ist man ein bisschen sprachlos.

So auch ich zur Zeit, wenn ich anderen Läufer auf meinem Ründchen durch das Dorf begegne. Eigentlich sollte ich mich doch darüber freuen, dass andere auch dem Dauerlauf frönen, aber ehrlich: Ich bin es nicht, ich bin sogar ein bisschen eifersüchtig. Am Anfang war ich sogar regelrecht schockiert. Fremde auf meinen Wegen. Das ist, als würde jemand gerade von meiner Freundin runtersteigen, wenn ich ins Schlafzimmer komme. Grrrrrrrrmmmmpppfffff.

Naja, ein bisschen spaße ich jetzt schon.  Ganz so schlimm ist es dann wohl doch nicht. Ich bin ja froh, wenn Seelenverwandte auch im Urlaub in den Tropen sich nicht aufhalten lassen. Das Totschlagargument der zahllosen Nicht-Läufer, es wäre doch viel zu heiß, zieht bei meinen tropischen ´Mitläufern´ anscheinend auch nicht – und das ist auch gut so. Das macht Mut und zeigt mir, dass ich wohl doch nicht so verrückt bin, wie meine Dorfmitbewohner immer tun, wenn ich in der hoch stehenden Mittagssonne an ihnen vorbeischwitze. Danke, Ihr wackerern Recken, die Ihr auch einen Scheiss auf die mörderische Tropenhitze und die nervenden Straßenhunde gebt. Danke danke danke.

So will ich Euch alle also hier an dieser Stelle einladen, hier her zu kommen und mit zu laufen. Mit den Tapferen, mit den Unerschrockenen, mit uns, denen keine Widrigkeit zu unangenehm ist, um ein schönes Ründchen zu wagen. Und sind wir ehrlich: Es gibt schlimmeres, als auf einer tropischen Trauminsel zu laufen. Wenn man sich einmal an die Hitze gewöhnt hat, wird bald alles gut. Kommt vorbei und macht mit. Vielleicht kriegen wir nächstes Jahr ja genug Leute zusammen, um einen kleinen Wettkampf zu starten. Und das wäre wirklich ein Novum, das hat das Dorf dann auch noch nicht gesehen. Wir wären gemeinsam Vorreiter beziehunsgweise Vorläufer.

Laufen auf der tropischen Trauminsel – hier: Koh Pha Ngan aus der Luft. Kommt vorbei und wir laufen alle gemeinsam!

Bild: Manfred Werner | CC BY-SA3.0

Wo wir laufen werden?

In Süd-Thailand, auf der Insel Koh Pha Ngan, in deren Norden, in der Gegend des malerischen Fischerdorfes Chaloklum, um genau zu sein. Wir initiieren dann den Chaloklum-Mini-Marathon, denn ich denke, 10 Kilometer sollten für den Anfang wohl reichen.

Wann? Mitte Februar ist gut, dann ist es noch nicht ganz so heiß. Und anschließend gehen wir alle gemeinsam schön essen und einen zünftigen Umtrunk abhalten – so wie es sich in einem Urlaub auch gehört. Alle weiteren Details gibt´s gerne per E-Mail. Fals ihr Interesse habt,  schreibt mir kurz unter info@run.de.

Ich würde mich sehr freuen! 

#keeponrunning

Euer Tankred


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