Der derzeitige Alltag meines Läuferlebens könnte wahrlich schlimmer sein

von run.de am 14. September 2017

Liebe laufende Gemeinde!

Die regelmäßigen Leser dieser Kolumne wissen ja, dass ich in den letzten Monaten etwas an Gewicht zugelegt habe und es mit dem Lauftraining etwas habe schleifen lassen. Damit ist seit kurzem Schluss, wie ich ja schon vor ein paar Wochen angekündigt hatte.

Ich habe meine viel zu üppige Nahrungszufuhr trotz der allgegenwärtigen exotischen Verführungen hier in Malaysia um gut die Hälfte gekürzt, dafür aber mein Laufpensum mal locker verdoppelt. Und siehe da! Die Pfunde purzeln und es ist mir auch fast schon nicht mehr vor mir selber peinlich, in den Spiegel zu schauen.

Ach, tut das gut ein paar Pfunde zu verlieren. Man fühlt sich doch gleich viel leichter, geht nicht nur beschwingter auf die Laufstrecke, sondern generell durchs Leben. Ich lächle wieder ganz selbstbewusst den Mädels in der Bar zu und die eine oder andere lächelt auch mal wieder zurück. Zurück im Leben, sage ich da! Schließlich bin ich überzeugter Junggeselle, aber natürlich trotzdem kein Kostverächter. Und um ab zu auch mal ein Stück vom Kuchen abzukriegen, muss ich halt etwas besser auf mich achten. So ist das eben.

Meine Wenigkeit in ihrer Stammkneipe – ein paar Tische und Stühle auf der Straße mitten in George Town, Penang. Hier kommen vor allem Locals hin – und ein paar Bleichgesichter, die auch etwas länger hier leben. Touristen gibt’s eher weniger, was manchmal recht erfrischend ist.

 

Das latente Hungergefühl ist einem latenten Gefühl der Leichtigkeit gewichen und manchmal kann ich es gar nicht abwarten, bis die Sonne endlich untergegangen ist und ich in meine Laufschuhe schlüpfen kann. Tagsüber ist es zu heiß und so scharre ich an manchen Tagen schon um Fünf mittags mit den Hufen, bis es endlich Acht wird. Aber das warten lohnt sich, weil mir erstens: das Laufen gerade enorm viel Spaß macht und zweitens: weil ich mir anschließend auch das eine oder andere Feierabend-Bierchen wohlgefällig verdient habe. Jawoll!

Und nach dem „echten“ Sport, also unserem Lieblingssport, liebe laufende Gemeinde, dann geht’s auch schon mal zum nicht ganz so anstrengenden Kneipensport: Pool-Billard. Vielleicht war ja der eine oder andere von Euch schon mal in Südostasien. Dann wisst Ihr, dass hier überall Pool gespielt wird. In so ziemlich jeder zweiten Bar steht ein Tisch herum und irgendwie können auch fast alle spielen. Ich musste das über die Jahre, die ich nun hier lebe, auch lernen. Das gehört einfach zum guten Ton und vor allem in der ruhigen Nebensaison kommen da alle zusammen. Der Pool-Tisch wird zum sozialen Treffpunkt, deshalb muss man das einfach halbwegs können, wenn man hier lebt. Geht kaum ein Weg dran vorbei.

Die Bar ist zum Meer und zur Straße hin komplett offen. Mittendrin ist die Bar, in sehr erreichbarer Nähe zum Billard-Tisch. Willkommen in Südostasien!

 

Aber natürlich wird erst gefeiert, wenn gelaufen wurde! Macht dann auch viel mehr Spaß, finde ich. Man ist ein bisschen ausgelaugt, aber trotzdem irgendwie auch ein bisschen high und erregt. So ein schöner Lauf setzt ja einiges an Serotonin frei und so kommt man schon glücklich am Stammtisch an. Ich weiß gar nicht, wie manche Leute NICHT laufen können. Denen fehlt doch was, oder nicht?

Und ich merke gerade wieder, wie sehr ich dieses Gefühl in den paar Monaten, in denen ich es hab schleifen lassen, vermisst habe. Passiert mir auch nicht noch einmal. Das ist ja, als würde man freiwillig auf guten Sex verzichten.

Aber auch ich laufe nicht jeden Abend. Im Moment sind es so vier Tage die Woche, an denen ich mich nach Sonnenuntergang aufmache. Normalerweise laufe ich dann zwischen fünf und zehn Kilometer. Und manchmal gehe ich vorher sogar noch ein Stündchen ins Fitnessstudio. Und wenn ich mal nicht laufen gehe, dann nutze ich die Zeit und setze mich zum Sonnenuntergang auf eine der sogenannten „Roof-Top-Bars“, also in eine Bar, die oben auf dem Dach irgendeines Hotels ist. Dann schaue ich über die Dächer von Penang, sehe das Meer, die Schiffe, ganz schön viel historische Bausubstanz und natürlich auch ein bisschen Dschungel. Dann denke ich mir jedes Mal: Es hätte wirklich schlimmer kommen können.

Der Blick von meiner Lieblings-Roof-Top-Bar auf den Sonnenuntergang über Penang. Brauche ich wohl nichts mehr zu zu sagen

 

Tja, liebe laufende Gemeinde. So sieht zur Zeit der Alltag in meinem Läuferleben aus. Ich kann mich wirklich nicht beklagen und bin wirklich froh, jetzt wieder richtig aktiv auf der Strecke zu sein. Und ein paar Kilo leichter. Fühlt sich doch gleich viel besser an, dieses Leben.

Sagt es Euren Bekannten und Freunden, die noch nicht auf den Geschmack gekommen sind, denen, die immer noch nicht auf der Strecke sind: LAUFEN IST DAS BESTE – sowohl für den Körper, als auch den Geist! Aber wem erzähle ich das? Liebe laufende Gemeinde – das wisst Ihr ja auch selbst. 

Viel Spaß und Erfolg auf der Strecke,

#keeponrunning

Euer Tankred


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