Der Isle of Isley Ardbeg Halbmarathon in Schottland

von Sandra Mastropietro am 7. August 2013

Von Wasser, Whiskey und Mars Riegeln hinter der Ziellinie, die es nicht gab

oder

Der Isle of Isley Ardbeg „Etwas Andere“ Halbmarathon in Schottland

Isle of Isley; eine  Insel im Südwesten Schottlands, die 3.000 Einwohner, 30.000 Schafe, 1.500 Kühe und 8 Whiskey Destillen beherbergt. Die männlichen Leser werden jetzt vermutlich schmunzeln und denken Hey, da muss ich hin!

…Gute Nachricht Jungs; Ihr könnt unter sportlichem Aspekt dorthin reisen und die Destillen als netten Nebeneffekt ansehen 😉

Wie ich das meine? Isley richtet seit 1986 jährlich einen Halbmarathon aus. Gesponsert wird dieser, wie es sich für eine Insel mit 8 Destillen auch gehört, natürlich von einem Whiskey Hersteller. 🙂 Und zwar von Ardbeg, einem Label, dass für seinen torfig und rauchigen Geschmack bekannt ist.

Nun ja, weg vom Alkohol und zurück zum Laufsport (insofern sich das bei diesem Laufbericht trennen lässt 😉 )

Dieses Jahr fand der Isle of Isley Ardbeg Halbmarathon am Samstag, den 3. August statt – und ich war dabei 🙂

Nachstehend möchte ich Euch von meinen Erfahrungen und Eindrücken beim Laufevent auf der „Whiskey Insel“ erzählen:

Am Vorabend des Halbmarathon auf Isley angekommen, fragte ich im Hotel nach, wann der Lauf beginnt und wann ich wo meine Startunterlagen holen könne. (Diese Informationen waren im Internet leider nicht auffindbar)

„Der Start war in den vergangenen Jahren immer so zwischen 10 und 11 Uhr vormittags; geh am besten Morgen früh zur Town Hall – da wird Dir jemand die Unterlagen geben“

OMG! Hier stand ich nun also, angereist in großer Vorfreude auf den Halbmarathon durch die schottischen Hights, ohne Startunterlagen und ohne konkreten Zeitplan.

Mein Mann betrachtete meine aus den Umständen resultierende Anspannung, die laut Ihm nur allzu klischeehaft Deutsch ist, mit Skepsis und bestellte 2 Whiskey an der Hotelbar – schließlich waren wir auf Isley…

Am Samstagmorgen stand ich, angeblich auch wieder typisch deutscher Manier, Punkt 8 (selbstverständlich schon in Startkleidung) vor der Town Hall und hoffte, dort ein paar Infos und vielleicht sogar meine Startnummer zu bekommen.

Gähnende Leere.

Verunsichert kehre ich zum Hotel zurück, um mit meiner Familie zu frühstücken. Porridge (Haferbrei), Rührei, weiße Bohnen und Pilze bilden ein typisch britisches Frühstück… und sollte ich den Halbmarathon heute doch noch irgendwann, irgendwie Laufen, eine perfekte Stärkung! 🙂

Um 9:30 Uhr starte ich einen erneuten Versuch, mir meinen Halbmarathonstartplatz zu sichern. Diesmal erfolgreich 🙂

Vor der Town Hall wurden gerade ein Klapptisch und 2 Campingstühle aufgebaut. Eine ältere Dame versuchte nervös am Telefon die Getränkeversorgung auf der Strecke sicherzustellen.

Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich musste unwillkürlich über mich selbst und den Stress, den ich mir gemacht hatte, lachen.

„Du bist bestimmt Sandra“ begrüßte mich die Dame, nachdem Sie das Telefonat beendet hatte und reichte mir meine Startnummer. „10:45 Uhr geht’s los – viel Spaß und einen guten Run!“

Lächelnd reichte ich Ihr unaufgefordert die 12 £ Startgebühr und nutze die verbleibende Zeit bis zum Start um mit meiner Familie Bowmore, die Hauptstadt von Isley und Austragungsort des Halbmarathons, weiter zu entdecken.

Um 10:25 Uhr begab ich mich zur BOWMORE Whiskey Destille, Startpunkt des Rennens. Jungs und Mädels im traditionellen Outfit spielten Dudelsack; die Läufer scherzten und lachten ausgelassen.

So eine Stimmung, ohne jegliche Wettkampfanspannung, kannte ich vor einem Lauf nicht. Es war herrlich!

Um 10:42 Uhr nahmen wir Startaufstellung. Das sah in etwa so aus:

Die ältere Dame, die anscheinend für die Orga zuständig war, schrie über das Pfeifen des Windes, das Dudeln der schottischen Musik und die Gespräche der Läufer hinweg: „Leute, stellt Euch mal bitte ungefähr hier in einer Linie auf“

Um 10:50 Uhr zählen wir gemeinsam von 3 abwärts. Nach 1 schreit jemand lauthals „Go“ und wir laufen unter euphorischen Jubelschreiben los.

Die Strecke führt uns schnell auf einen hügligen Feldweg (genannt High Road) mit atemberaubender Landschaft. Die „Straße“ macht ihrem Namen alle Ehre: Bergauf – Bergab –Bergauf – Bergab… und trotzdem bin ich bester Laune.

Die Männer, die mich überholen, klopfen mir auf die Schulter und sagen „Good Job Lady“ (Falls ich es noch nicht erwähnt habe; die Frauenquote beim Lauf ist nicht sehr hoch 😉 )

Der Feldweg schlängelt sich an Farmhäusern im typischen Baustil, kleinen Lochs (Seen) und endlos scheinenden Feldern entlang. An manchen Stellen haben wir Sicht auf den Atlantischen Ozean. Der Ausblick, den ich beim Laufen habe ist so wunderschön, so idyllisch, dass ich mich teilweise ermahnen muss, Luft zu holen…oder nicht einfach mit geöffnetem Mund stehen zu bleiben.

Nach 7 Kilometern hügeligem Feldweg biegen wir auf eine kleine, enge Straße ab. Hier herrscht für Isleyverhältnisse reger Verkehr. Straßensperrung? Warum denn, es weiß ja schließlich jeder auf der Insel, dass hier heute ein großes Rennen stattfindet! 😉

Während ich einigen hupenden Lastwagenfahrern, die mir entgegenkommen, zuwinke, habe ich schon wieder einige Hügel bestiegen und befinde mich quasi fast auf der Zielgeraden 🙂

Gestartet sind wir bei leicht bewölktem Himmel, die ersten „Berge“ überquerten wir bei leichten Schauern, auf der Straße kämpfen wir nicht nur mit Autos und Lastwagen, sondern auch mit Windböen bis zu 60 Km/h. (Zum Glück kam der „nur“ von der Seite und nicht von vorne 😉 )

Als wir auf die Low Road einbiegen, stürzen sinnflutartige Regenfälle auf uns ein. Inselwetter wie es im Buche steht. Ich genieße die Abkühlung und erfreue mich über den grandiosen Ausblick auf das tosende Meer.

Die Kilometer tuen es den Wolken über mir gleich und ziehen viel zu schnell vorbei 🙁

…So bin ich doch tatsächlich ein wenig traurig, als ich in der Ferne die kleine, runde Kirche von Bowmore entdecke; die das Ende des Halbmarathons verheißt.

Die letzten Kilometer haben es nochmal in sich! Der Name Low Road wurde vollkommen zu Unrecht vergeben  und die Steigungen ab Kilometer 19 lassen meine Muskeln im Oberschenkel brennen. Ein würdiger Abschluss für einen so tollen Halbmarathon denke ich und setze zur Schlussbeschleunigung an.

Als ich das Ortsschild BOWMORE passiere, bricht der Himmel auf und ich laufe unter strahlenden Sonnenschein an der kleinen Kirche vorbei, den Berg hinab zur Destille.

Am Ende der Straße entdecke ich meinen Mann und meine Tochter Marina. Beide klatschen eifrig in die Hände und Marinas Stimme „Los Mami, los!“ scheint mir Flügel zu verleihen. Bei dem Anblick meiner Familie ist jeder Schmerz in Oberschenkeln und Waden vergessen. Das Adrenalin und die Endorphine sprudeln nur so aus mir heraus.

Überglücklich laufe ich über die Ziellinie, die es nicht gibt und stoppe die Aufzeichnung meiner Pulsuhr bei 01 Stunde 57 Minuten und 09 Sekunden über 22,03 Kilometer 😉

Eine neue Bestzeit 🙂

Freudestrahlend und keuchend nehme ich im Ziel ein Finisher T-Shirt, eine Medaille, eine Flasche Wasser, einen Ardbeg Whiskey und einen Mars Riegel entgegen.

(Der Mars Riegel wurde mir übrigens sofort von meiner Tochter entwendet und ist deswegen leider nicht mit auf dem Finisher Paket Foto 😉 …aber es gab ihn! )

Es war ein großartiges Rennen, mit wunderbaren Menschen durch eine grandiose Landschaft und jeder Menge Wind.

Im Anschluss an den Isle of Isley Ardbeg Halbmarathon wurde zu einer Zusammenkunft in der Townhall; mit Whiskey (wie sollte es auch anders sein), Musik und jeder Menge Preise, die man hätte gewinnen können, geladen.

Meine Familie und ich haben die verbleibende Zeit auf der Insel allerdings genutzt, um die atemberaubende Landschaft anzuschauen, über das Seafood Festival zu schlendern und die ein oder andere Destille anzuschauen … und natürlich verschiedene Whiskeys zu probieren 🙂

Am Sonntagabend ging es dann leider auch schon wieder mit der Fähre zurück aufs Festland. Wehmütig standen wir an der Railing und betrachteten die immer kleiner werdende Insel, auf der die Zeit stillzustehen schien und die uns so verzaubert hatte.

Marina winkte und sagte: „Ciao ciao, a presto“ (ital: bis bald!)


{ 3 Kommentare… lies sie unten oder füge einen hinzu }

Carlito August 21, 2013 um 06:12

„Sehr schöner Bericht, zumal ich gerade selbst erst (zum ersten Mal) in Schottland war. Macht Lust darauf, an diesem Event teilzunehmen!“

Antworten

Sandra August 21, 2013 um 20:17

Danke Carlito 🙂
Würde mich freuen, wenn wir uns nächstes Jahr an der Startlinie, die es zumindest dieses Jahr noch nicht gab 😉 , sehen.

Werde diesen atemberaubenden HM nächstes Jahr def. noch einmal laufen.

LG aus München
Sandra

Antworten

Carlito August 23, 2013 um 18:09

Ja, vielleicht mache ich das wirklich! Reizen würde es mich auf jeden Fall! 🙂

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Vorheriger Beitrag:

Nächster Beitrag: