Der Läufer und sein innerer Schweinehund – 5 Tipps für ein besseres Zusammenleben

von Tankred Dankmar am 1. Februar 2016

1. Es liegt nicht am Wetter!

Der Mensch an und für sich redet gerne übers Wetter. Das ist nicht aus der Notwendigkeit eines höflichen Smalltaks geboren oder gar als reine Platitude aufzufassen. Viel mehr hat er das schon immer getan, denn das Wetter war und ist wichtig und ein existenzieller Punkt in Sachen Menschsein in der Natur. Die Ernte hängt genauso vom Wetter ab wie das Gemüt. Das gilt für Läufer genauso wie für alle anderen.

Und trotzdem: als Läufer das Wetter als Ausrede zu bemühen, NICHT in die Laufschuhe zu schlüpfen, ist im Läuferfall nur ein billiger Trick, ein ´cheap trick´, wie es im Englischen heißt. Nein, nein, Freunde – für einen Läufer gibt es kein schlechtes Wetter! Dem Läufer ist jedes Wetter gerade recht, verändert doch gerade das Wetter die Laufkonditionen ungemein. Es kann gar nicht zu heiß oder zu kalt sein. Ein Regenguss wie aus Eimern ist dem Läufer ebenso willkommen wie ein orkangleicher Gegenwind.

Und wie mein Vater immer sagte: es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Also, liebe laufende Gemeinde! Nehmt jedes Wetter nicht nur als gottgegeben hin, sondern empfangt es dankbar mit offenen Armen und als eine Aufgabe, die es neben dem Laufpensum außerdem zu meistern gilt.

Bild: Stefan-XP | CC BY-SA 3.0

2. Der Anfang ist immer das Schwerste!

Die alten Hasen wissen das natürlich: gerade beim Läuferdasein ist der Anfang das Schwerste. Alle, die sich vorgenommen haben, mit dem Laufen ernsthaft anzufangen, haben damit zu kämpfen. Bei dem einen dauert es länger als bei dem anderen, dass er oder sie das Laufen einfach nur noch genießt, die Schmerzen einfach geil findet und sich immer weiter, schneller, höher quält. Ein toller Zustand, anzusiedeln irgendwo zwischen Orgasmus und selbstauferlegter Folterstunde.

Aber wie gesagt: am Anfang weiß man ja noch nichts von seinem potenziellen Glück als chronischer Dauerläufer. Viele, wirklich viele geben viel zu schnell auf. ´Das ist nichts für mich´ hört man sie dann zwischen zwei Bissen vom Burger unken. Aber so richtig ausprobiert haben sie es auch noch nicht.

Die Faustregel: das erste halbe Jahr einfach nur durchhalten! Danach wird es garantiert besser und wenn man dann einmal im erlauchten Kreise der echten Dauerläufer angekommen ist, will man diese verschworene Gemeinschaft nicht mehr missen – auch wenn man meistens alleine läuft und das Läufervolk eher schweigsam denn redselig ist, zumindest meiner Erfahrung nach. Nichtsdestotrotz! Durchhalten, liebe Anfänger. Es lohnt sich.

3. Das Belohnungsprinzip!

Das Belohnungsprinzip funktioniert immer. Man nennt das in der Psychologie auch die ´Konditionierung´. Der russische Nobelpreisträger Iwan Petrowitsch Pawlow hat dieses Prinzip schon vor mehr als 130 Jahren in einer bahnbrechenden Versuchsreihe nachgewiesen und dargestellt, dass es IMMER funktioniert. Es besagt, etwas vereinfacht ausgedrückt, dass man dem Menschen und anderen Säugetieren durch Wiederholungen ein gewünschtes Verhalten antrainieren kann. Dabei sorgt man einfach dafür, dass ein bestimmtes Verhalten IMMER belohnt wird (oder bestraft). Der Körper und das Nervensystem lernen dieses dann und verinnerlichen es.

Mit anderen Worten: wer sich nach seinem Laufpensum IMMER mit etwas feinem belohnt, der bringt sich bei, dass es beim nächsten Mal auch so sein wird. Der Körper und das Unbewusstsein nehmen es dann also schon viel lieber hin, dass man sich 10 km in 45 Minuten über Stock und Stein quält, denn am Ende wartet ja IMMER die Belohnung.

Ob ein frischer Smoothie, ein großes Bier im Biergarten oder ein Besuch im besten Restaurant der Stadt – eine Belohnung machen heißt, sich eine Freude zu bereiten, wenn man gelaufen ist. Damit das Prinzip aber funktioniert und sich langfristig bewahrheitet, muss man sich eben IMMER belohnen. So kann man seinem inneren Schweinehund ganz einfach ein paar Knüppel zwischen die Beine werfen.

Das Belohnungsprinzip mit dem Pawlow´schen Hund – so einfach ist das

Bild: MagentaGreen | CC BY-SA 3.0

4. Einfach besser aussehen!

Ich will hier jetzt nicht für einen Sturm der Entrüstung sorgen – in Neusprech sagt man dazu wohl ´Shitstorm´ – aber trotzdem muss es raus: Läufer sehen einfach besser aus als andere! So, jetzt hab ich´s gesagt. Ich entschuldige mich einfach mal bei denen, die sich jetzt auf den Schlips getreten fühlen. In einer perfekten Welt würden Äußerlichkeiten ja auch bestimmt nicht zählen und die ´Political Correctness´ verbietet es eigentlich, es laut zu sagen, aber sind wir ehrlich: die Gesellschaft legt doch sehr viel Wert auf das Äußere, auf die Körperlichkeit, auf das Aussehen und auf die Haltung.

Ein übergewichtiger Mensch, der sich von den Chipsregalen zur Tiefkühltruhe mit den Fertigpizzas schleppt, hat weniger Verehrer beziehungsweise Verehrerinnen, als ein durchtrainierter Sportler, der einen Kopfsalat liebevoll in den Einkaufswagen legt. Irgendwie traurig, aber doch nur zu wahr. Damit sich die Mädels und Jungs nach einem umdrehen, ohne dass man vorher sein feingeistiges Inneres vor ihnen ausbreiten konnte, um mit Witz, Charme und Bildung anstatt mit gesunder Attraktivität zu punkten, ist der Dauerlauf eines der probatesten Mittel zum Erfolg.

Der gestandene Dauerläufer hat eine Bademodenmodelfigur und scheint vor lauter Vitalität und Fitness von innen heraus zu leuchten. Auch die Körperhaltung des Dauerläufers ist eine gerade, stolze, energetische. Und gebt es ruhig zu: so kommt man schneller ins Gespräch mit Verehrern und Verehrerinnen, die Trefferquote erhöht sich einfach dramatisch. DANN kann man immer noch seinen feinen Geist und seine polyglotte Bildung auspacken. Aber der erste Schritt ist schon mal wesentlich leichter. Grund genug, den inneren Schweinehund zum Schweigen zu bringen.

5. Den eigenen Körper richtig spüren!

In einer Konsumgesellschaft, in der man fast nur noch lethargisch vor irgendeinem Bildschirm herumsitzt, fehlt es einem an Körperbewusstsein. Seid ehrlich, liebe Mit-Läufer: im Alltag ist man sich seines Körpers so gut wie nie bewusst. Man hat ihn mehr dabei als dass man ihn auch benutzt und fördert. Darunter leidet jedoch die Einheit von Körper und Geist, denn diese beiden sind untrennbar miteinander verbunden.

Deshalb ist das Schöne am Laufen: man spürt den Körper! Und wie! Jeder, der schon mal wenigstens ein Halbmarathon gelaufen ist, weiß, dass man, am Ziel angekommen, jede Faser seines Körpers spürt. Gleichzeitig ist der Geist so wach wie nach einem tiefen, erholsamen Schlaf oder einer Prise Kokain. Und auch kurze Strecken noch schnell nach Feierabend gelaufen, geben dem Körper sein Bewusstsein zurück, welches der Bürostuhl aufgesaugt hat. Ein tolles Gefühl und ein Grund mehr, dass der innere Schweinehund mal endlich seine Klappe hält. Denn sich das Körperbewusstsein zurückzuholen ist etwas unendlich bereicherndes!

So, liebe laufende Gemeinde! Haltet den doofen Schweinhund immer schön an der ganz kurzen Leine. Einfach das Weite suchen wird er wahrscheinlich nie, man weiß ja, wie sprichwörtlich treu Hunde sind. Aber man kann sie eben auch ganz leicht erziehen. 😉

In diesem Sinne, eurer Tankred


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