Der Penang Marathon ist gelaufen – Es kommt immer anders als man denkt!

von Tankred Dankmar am 2. September 2016

Liebe laufende Gemeinde!

Sind wir ehrlich: Wir alle wissen, wie sinnlos Pläne im Leben eigentlich sind. Denn diese Weisheit stimmt bestimmt: Erstens kommt es immer anders – und zweitens als man denkt. Das gilt im Kleinen genauso wie im großen. Das ist mir eigentlich auch schon lange bewusst und deshalb mache ich in meinem Leben so gut wie nie irgendwelche Pläne.

Ich habe noch nie einen Kredit aufgenommen, weil ich nicht weiß, was morgen oder nächste Woche kommt. Ich will kein Haus, das ich abzahlen muss, wenn mal wieder die Wirtschaft auf Talfahrt geht und ich irgendeinen Job verliere, den ich vielleicht sowieso lieber nicht machen würde. Ich buche mir auch kein Hotelzimmer vor, wenn ich vielleicht in zwei Wochen irgendowhin verreisen möchte. Überhaupt besorge ich mir meine Tickets woanders hin immer erst dann, wenn ich meine Sachen schon gepackt habe und auch weiß, wohin die Reise überhaupt gehen soll.

Wenn mich jemand fragt, wo ich in drei Monaten bin, dann sage ich: Das weiß ich jetzt noch nicht. Wenn mich jemand fragt, ob ich nächsten Samstag da und da hin komme, dann sage ich: Das weiß ich jetzt noch nicht – es sei denn, es handelt sich um ein Date mit einer schönen Frau, dann bin ich garantiert da, auch wenn es regnet oder schneit oder die Zombieapokalypse ausgebrochen ist. Wink

Wenn mich jemand fragt, ob ich in vier Jahren Hunger auf Pizza habe, dann sage ich: Wahrscheinlich, mit Sicherheit sagen kann ich das jetzt aber auch nicht.

Lust auf Pizza? Jetzt gerade schon, aber in drei Tagen? Wer weiß das schon?

Bild: Jakob Dettner, Rainer Zenz – CC BY-SA 2.0 DE

Was hat das mit dem Laufen zu tun, fragt Ihr Euch vielleicht jetzt – zu Recht. Ganz einfach. Ich habe auch in Sachen Dauerlauf nie Pläne für mich aufgestellt. Ich bin noch nie einem Trainingsplan gefolgt, sondern bin einfach losgelaufen, wenn mir danach war. Was weiß denn ich, ob ich mich nicht heute abend überfresse und zu viel trinke, obwohl ich morgen laufen sollte. Denn für mich gehört beides zu einem schönen Leben dazu, La Dolce Vita UND der Dauerlauf. Wenn sich eben das süße Leben am Abend zuvor ergibt, dann ist mit Laufen am anderen eben Essig. Dann laufe ich eben einen Tag später.

Mit dieser Taktik bin ich immer gut gefahren beziehungsweise gelaufen. Keine Pläne machen, weil das Leben nun mal unvorhersehbar ist. Und selbst wenn man sich am Riemen reißt und die Einhaltung eines strengen Trainingsplans dem süßen Leben immer vorzieht – wofür ich übrigens vollstes Verständnis habe – dann kann immer noch etwas passieren, was den Plan durchkreuzt und jäh zunichte macht. Nur ein sehr in der analen Phase stecken gebliebener Kontrollfreak wundert sich noch, wenn etwas passiert, was nicht eingeplant war. Aber Hallo! So ist das Leben eben. Smile

Und trotzdem ist es lästig, wenn es passiert. Und dummerweise nun auch mir! Ausgerechnet mir, der ich so gut wie nie Pläne mache. Aber einen Plan hatte ich ja, wie die aufmerksamen, regelmäßigen Leser dieser Kolumne ja bereits wissen: Ich wollte beim Stadtmarathon in Penang im November 2016 im Startblock stehen und unter 4 Stunden bleiben.

Dafür habe ich mich bereits vor zwei Monaten angemeldet und habe zum ersten Mal in meinem Läuferleben einen Trainingsplan eingehalten – halbwegs zumindest. Es hätte auch geklappt, mein wunderbarer Plan wäre aufgegangen, ich war auf dem allerbesten Wege. Aber….

Hätte, wollte, würde! Mein Plan ist seit letzter Woche am Arsch (sorry) Frown, weil ich dank einer Verletzung jetzt mindestens vier Wochen nicht laufen kann. Und dabei handelt es sich nicht einmal um eine Sportverletzung, nichts heroisches wie ein Kreuzbandriss oder ein Miniskusproblem, nein, viel, viel dämlicher. Ich habe einen Jochbeinbruch! Was das Jochbein ist? Das ist der Knochen unter der Augenhöhle, der knapp bis zum Haaransatz führt. Wie man sich den brechen kann? Nun, ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, aber sagen wir mal so: Mir war da plötzlich eine sehr große, sehr starke Faust im Weg. Und Bämm!!! Schluss mit Trainingsplan. Und meine Pläne für den Penang-Marathon im Novmeber kann ich jetzt auch beerdigen.

Das Jochbein ist die Nummer 7. Tut echt weh, wenn´s gebrochen ist. - Bild: gemeinfrei

So ist das mit den Plänen, die man sich im Leben macht. Für mich ist das mal wieder genau eine dieser Lektionen. Da mache ich einmal einen Plan, der weiter reicht als ein paar Tage und schwuppsdiwupps – ein dummer Spruch, eine große Faust und bye bye Startblock!

Wenn´s nicht so weh tun würde, würde ich dem Leben ja jetzt mit vollem Elan ins Gesicht lachen. Aber ich krieg den Mund kaum auf und ernähre mich jetzt von Suppe und Brei und trinke Saft durch einen Strohhalm. Und das Startgeld ist auch noch pfutsch.

Naja, so geht es eben, das Leben. Schwamm drüber. Wie sagte mein indischer Yoga-Lehrer immer so schön und mit einem recht süffisanten Grinsen: It´s just funny how the universe works! Ja, wirklich sehr witzig! Aber Shiva sei Dank ist der Penang-Marathon ja nicht der einzige, der dieses Jahr noch stattfindet.

Ich wollte eh bald in die Berge im Norden von Thailand ziehen. Da gibt Ende Dezember den Marathon im schönen, altehrwürdigen Chiang Mai. Und genau den habe ich mir jetzt ausgeguckt. Denn DIESER PLAN bleibt bestehen: Ich werde dieses Jahr einen Marathon unter vier Stunden laufen, komme, was da wolle. Nur hoffentlich ist mir nicht wieder eine große Faust im Weg.

Auch eine schöne Kulisse für einen Marathon – Chiang Mai als Panorama.

Bild: gemeinfrei

Nun, liebe laufende Gemeinde. Ich wünsche mir für Euch, dass Eure Pläne aufgehen, sowohl die Trainingspläne, als auch die, die das Leben drum herum betreffen. Aber wenn dem mal nicht so ist, wenn etwas Unvohergesehenes passiert, dann wundert Euch nicht. Es ist nur das Universum, welches Euch dabei zuschaut, wie Ihr Euch vielleicht wundert, ein bisschen strauchelt und vielleicht sogar hinfallt. Wenn Ihr ganz still seid, dann könnt Ihr es sogar lachen hören. Dann gilt es, unbeirrt weiterzumachen, aufzustehen und wieder aufzusteigen. Smile

Bleibt geschmeidig, was Eure Pläne angeht und lasst Euch nicht aus dem Gesamtkonzept bringen. Aber hütet Euch vor großen, starken Fäusten. Die tun nämlich echt verdammt weh. 😉

In diesem Sinne,

#keeponrunning

Euer Tankred


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