Die eigenen Läufe reflektieren und in Zukunft bessser machen!

von Tankred Dankmar am 4. Januar 2016

FROHES NEUES JAHR, liebe laufende Gemeinde!

Na, habt ihr Euch über die Feiertage auch nur einen Kilometer weit bewegt? Oder seid ihr brav daheim geblieben, wie es eure nichtlaufende Sippe von Euch verlangt hat? Gehört ihr zu denen, die mit jedem Zimtgebäck und bei jedem Halt am Glühweinstand ein schlechteres Gewissen Euch und eurer Top-Form gegenüber bekommen haben? Wollt ihr jetzt so etwas hören wie Ratschläge, wie man die Weihnachtslethargie moralisch und physisch wieder möglichst schnell abschüttelt? Oder seid ihr sowieso durch die Gegend gerannt und habt die freie Zeit eher dafür genutzt, noch mehr durch den Wald zu laufen wie ein junger Hund?

So oder so – ich möchte hier nämlich jetzt nicht die obligatorische Liste runterbeten, was wir uns als Läufer alles für das neue Jahr vornehmen sollten, um den Weihnachtsspeck loszuwerden oder um noch besser, schneller und weiter zu laufen als je zuvor. Denn das wissen wir doch wohl alle längst selber und solche Listen stehen in jdem Fitnessmagazin. Nein, ich möchte, dass wir unser Läufe jetzt einmal reflektieren und darüber nachdenken, was wir eventuell daran ändern könnten

1. Keine Angst vor neuen Strecken

Es gibt sie, diese Läufer, die sich im wahrste Sinne des Wortes immer nur im Kreise drehen. Sie laufen seit Jahren immer nur die selbe Strecke durch den nahe gelegenen Stadtpark – meistens irgendwas um die 3 bis 6 km. Diese Strecke wird schon seit Jahren auf Zeit gelaufen, aber wirkliche Verbesserungen sind schon lange keine mehr Sicht. Ausserdem kennt man jeden Stock und Stein und jeden noch so doofen Hund, der einem über den Weg läuft. Jetzt gilt es, auch mal woanders hinzulaufen. Und auch weiter.

Nur keine Angst – wer 6 km laufen kann ohne stehen zu bleiben, schafft ganz locker auch 10. Und wer seit Jahren die selbe 10 km Strecke läuft, schafft auch 15 wonaders hin. Ihr werdet schon sehen.

Vorsatz Nr. 1 fürs neue Jahr: Für die, die es sich in der Monotonie von Strecke und Distanz allzu gemütlich gemacht haben, gilt es, diese Routinen jetzt mal zu ändern. Lauft weiter und vor allem mal woanders hin.

2. Es gibt keine Ausreden, nicht zu laufen

Auch unter den aktiven Läufern finden sich durchaus noch einige, die sich zwar bei jeder Gelegenheit stolz als Läufer bezeichnen, die aber trotzdem jeden Vorwand nutzen, um nicht laufen zu gehen. Die tollsten Laufschuhe werden nicht geschnürt, weil es gerade zufällig ein bisschen regnet, der Winter früher kam als erwartet oder weil im Sommer aus unrefindlichen Gründen die Sonne ein bisschen unangenehm warm wird. Andere Ausreden-Klassiker sind: der Arbeitstag war schon so lang. Oder: Ne, heute mach ich aber mal einen Tag frei. Oder: Ich muss auch mal was mit meiner Familie unternehmen.

Vorsatz Nr. 2 fürs neue Jahr: auf lahme Ausreden wird jetzt mal samt und sonders verzichtet. Wer sich Dauerläufer nennt, der lässt sich auch nicht von der Sonne in der Sahara oder dem Monsun in Sumatra und schon gar nicht von seiner nörgelnden Familie vom Laufen abhalten.

 3. Ein bisschen weniger Eitelkeit stünde uns ganz gut

Ihr wisst es und ich weiss es – als ehrliche Läufer fühlen wir uns immer ein bisschen besser als alle anderen. Sehen wir Menschen mit Gehstöcken beim Walking, sehen wir Rollerblader (gibts die eigentlich noch?) oder einfach nur die breite Masse, die NICHT läuft – ein bisschen blicken wir immer auf alle anderen hinab. Denn wir sind schliesslich die Elite, wir sind die Freimaurer-Bruder- und Schwesternschaft unter den Freizeit-Sportlern. Wir sind die Besten der Besten.

Aber selbst, wenn das natürlich absolut richtig ist – müssen wir das denn ständig so arushängen lassen und das jedem Couch-Potato gnadenlos vorhalten? Müssen wir wirklich immer wie Graf Rotz durch den Stadtpark rennen und „Weg da“ rufen, nur weil WIR kommen? Können wir nicht einfach mal die Klappe halten und einfach nur laufen, anstatt uns zu präsentieren? – Doch, liebe laufende Gemeinde. Das können wir. Und wisst ihr was? Dadurch sehen wir letztendlich nur noch besser und edler aus.

Vorsatz Nr. 3 fürs neue Jahr: die Nase nicht mehr ganz so hoch tragen, wenn wir laufen gehen. Lasst uns die anderen nicht versuchen, mit unserem Glanz und unserer sportlichen Allmacht einzuschüchtern, sondern lasst uns stattdessen versuchen nett zu sein und die anderen – die Lahmen, die Schwachen und die Siechen – einzuladen, hinter uns her zu laufen.

4. Der Stadtpark ist kein Laufsteg

Als ambitionierter Sportler gibt man halt gerne auch etwas für sein Hobby aus. Das ist mit anderen Hobbys schliesslich auch so, vom Modellbau bis zum Münzen sammeln. Wer Tennis oder Golf spielt hat diesbezüglich ziemlich grosses Glück, da kann man Asche zum Fenster rauswerfen, dass es die reinste Freude ist. Als Dauerläufer hat man sich aber dummerweise ein Hobby angelacht, wo die Grenzen des sinnlosen Geldausgebens recht eng bemessen sind. Wer ein paar gute Laufschuhe hat, braucht nicht oft neue. Und wer ein gemütliches Dress gefunden hat, hat damit eigentlich jahrelang genug – eins für den Sommer, eins für den Winter.

Und trotzdem gibt es diese Fraktion, die sich einmal im Monat neu einkleidet, um auf die Piste zu gehen. Dazu kommt noch alle drei Monate ein neuer Pulsmesser, iPod und eine atmungsaktive UV-Sonnenbrille mit Raketenbeschichtung. Aber sind wir ehrlich – muss das sein? Machen wir uns nicht total zum Honk, wenn wir so overdressed durch den Stadtpark hetzen? Ist dieses Gebaren nicht eher einem zwanghaften Konsumverhalten denn einem vernünftigen Umgang mit den von uns Läufern benötigten Sportgeräten und Utensilien geschuldet? Ist diesbezüglich weniger nicht manchmal einfach mehr? Schliesslich wollen wir doch zum Sport und nicht auf den Laufsteg, oder?

Vorsatz Nr. 4 fürs neue Jahr: einfach mal versuchen an der Sportabteilung im Kaufhaus vorbeizugehen, ohne sich kopfüber in die neuste Kollektion mit Läufermode zu werfen. Wem die olle Bux schon um die Knie schloddert, der braucht natürlich eine neue und wer merkt, dass seine Laufschuhe in den wohlverdienten Ruhestand geschickt werden möchten, der möge natürlich für adäquaten Ersatz sorgen – aber vielleicht kann man sich das eine oder andere Accessoire echt mal sparen und das Geld lieber in einen schönen Läufer-Urlaub stecken! Vielleicht ja hier bei mir in den Tropen.

Und viel Klamotten braucht ihr hier weiss Gott nicht, liebe laufende Gemeinde. 😉

In diesem Sinne – euer Tankred


Hinterlasse einen Kommentar

Vorheriger Beitrag:

Nächster Beitrag: