Ein Hoch auf den Pärchen-Dauerlauf und ein Frühstück für Sieger!

von Tankred Dankmar am 5. Juli 2016

Liebe laufende Gemeinde!

Froh darf ich Euch zunächst einmal verkünden, dass sich meine Laufblockade neuerdings in Luft aufgelöst hat. Die regelmässigen Leser dieser Kolumne wissen ja, dass ich für einige Wochen unter einer extremen Form der Lauffaulheit gelitten habe. Diese ist nun anscheinend überwunden. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich etwas unerwartete Hilfe von außen dabei bekommen habe.

Wenn man als alleinstehender Mann in der fernen Heimat eine nette junge Frau kennenlernt, die auch noch Interesse am Laufen zeigt, blüht man auf. Das geht ganz automatisch und ist so simpel wie effektiv. Im Gespräch mit dieser speziellen jungen Dame kam eben irgendwann auch mal mein liebstes Hobby – der Dauerlauf – zu Sprache und ich klagte auch kurz darüber, dass ich gerade eben nicht laufen würde, sondern mir voller diesbezüglicher Unlust den Arsch am Schreibtisch platt sitze.

Der Ort des Zusammentreffens: Das Antarabangsa in George Town, Malaysia

Besagte Dame sah mich nur kurz an, nahm auch so überhaupt keinen Anteil an dem Dilemma, welches mein Innerstes zu zerreissen drohte, und sagte nur: Jetzt reiß´ Dich mal zusammen, aye! Mitgefühl kannte diese Lady also nicht, aber warum auch? Schließlich ist das ja wirklich nichts anderes als Jammern auf allerhöchstem Niveau, wenn ich mich darüber beklage, dass ich gerade nicht laufen WILL. Andere können nicht laufen. Viele Kinder weltweit haben noch nicht mal Schuhe, in denen sie laufen könnten. Und ich heule also hier rum, weil ich gerade zu faul bin zum Laufen. Das geht eigentlich gar nicht.

Gut und schön also, die Dame hatte einfach Recht. Das fiel mir wie Schuppen von den Augen, just in dem Moment, als Sie es laut aussprach. In ihrem Satz Jetzt reiß´ Dich mal zusammen, aye! war alles drin, was ich mir selbst insgeheim schon seit Beginn meiner Laufkrise gedacht hatte: Ich bin ein dämliches Weichei und Warmduscher und verdiene es eigentlich gar nicht, mich einen Läufer zu nennen. Für einen kurzen Moment schämte ich mich sogar etwas.

Ich senkte kurz schweigend mein Haupt, blickte peinlich berührt auf meine Füße, nestelte ein bisschen an meiner Jeans herum und atmete einmal tief ein und wieder aus. Als ich ihr wieder ins Gesicht blickte, war meine Laufblockade auf einmal überwunden, von einem Moment auf den anderen. Und ich wollte augenblicklich sofort in die Sportschuhe schlüpfen und loslaufen und sprang schon auf, weil ich Schübe spürte, wie sie so typisch für Läufer sind.

Da sagte sie: Jetzt mach´ Dich erstmal locker! Recht hatte sie natürlich auch damit, denn wir saßen zusammen beim fünften Bier in meinem liebsten Biergarten in George Town und es ging bereits auf Mitternacht zu. Wo wollte ich Depp denn jetzt eigentlich hinlaufen? 😉

Trotzdem war das Thema Laufen für uns beide an diesem bierseligen Abend noch nicht (Achtung: Wortwitz!) gelaufen. Denn die Dame war zwar noch nicht in die Faszination Laufsport eingeweiht und eingeführt worden, aber sie sagte, dass sie sowieso schon lange vorhätte, das Abenteuer Dauerlauf einmal selbst zu wagen. Gut, werden jetzt viele von Euch sagen, DAS hört man noch recht oft, dass jemand auch mal laufen gehen will. Das ist nun wirklich nichts neues, dass man dauernd Menschen mit guten Absichten, aber mit recht wenig Tatkraft trifft. DAS sagte ich ihr auch.

Da wurde sie ein bisschen stinkig, aber süß, so auf die liebevolle Weise und machte genau das, was alle Möchtegernläufer machen, wenn man sie ein bisschen piesackt: Sie forderte mich noch am selben Abend heraus! Ja genau! Sie wollte mit mir zusammen laufen gehen – und zwar um die Wette. Sie ging gleich mal in die Vollen und forderte die klassische 10 Kilometer Distanz ein. Ich beruhigte sie wieder ein bisschen und handelte sie – natürlich nur in ihrem eigenen Interesse als blutige Anfängerin – auf 5 Kilometer runter. Sie sagte: Morgen früh dann! Ich sagte: Nein, übermorgen dann! weil ich mir schon dachte, dass der Abend ja noch nicht vorbei sein würde und ich also mit einem veritablen Kater am nächsten Morgen rechnete. Und verkartert zu laufen – das habe ich zwar schon ein paar Mal gemacht, aber schön geht anders.

Sie war zufrieden, ich war zufrieden. Sie hatte endlich einen Grund, um mit dem Laufen anzufangen und ich hatte endlich einen Grund, WIEDER damit anzufangen. Denn was könnte es für einen besseren Grund geben, endlich wieder loszulaufen, als daraus ein Pärchenevent mit einer netten, schönen Frau zu machen? Genau! Mir fällt tatsächlich auch kein besserer ein. Und nachdem wir den nächsten Tag mit Sightseeing in Penang mit anschließendem fantastischen Dinner in Little India verbracht hatten, war es dann am Morgen danach so weit.

Im Dauerlauf durch Little India in Penang – und das auch noch früh morgens!

Sie bestand darauf, um acht Uhr in der Früh zu starten. Das macht in den Tropen durchaus Sinn, dann ist es nämlich noch nicht ganz so heiß. Ich grummelte zwar ein bisschen, weil ich ein Morgenmuffel bin und normalerweise auch erst deutlich später aufstehe, aber was tut man nicht alles, um das Herz einer Lady für sich zu gewinnen? Und wie alle blutigen Anfänger lief sie auch direkt erstmal ziemlich flott los und ich bekam ihren Spott ab, weil ich mich natürlich zuerst einmal auf dem ersten Kilometer langsam einlief. Ich schmunzelte und grummelte, halb halb, und sie lief recht dynamisch vorne weg.

Bei Kilometer 3 war sie auch schon nicht mehr ganz so flott und auch ihr Gesichtsausdruck hatte sich von fröhlich lachend und spöttelnd in angestrengt und leicht leidend verwandelt. Mittlerweile lief sie auch nicht mehr vorne weg, sondern wir waren auf gleicher Höhe. Als Gentleman blieb ich von da ab natürlich in einem angenehmen Tempo, welches sie gut mithalten konnte. Und so liefen wir nachher bei Kilometer 5 zusammen in unser Tagesziel ein. Harmonie pur.

Ja, das war schön. Und so habe ich endlich meine faulen Laufgeister wieder geweckt. Und nachdem wir zusammen geduscht hatten, lud ich sie zu einem oppulenten Frühstück im besten Cafe der Stadt ein.  Das gehört sich so, wenn man früh morgens ein schönes Ründchen läuft, finde ich. Als Läufer hat man ja so seine Rituale. Und genau das sollte sie auch von Anfang an lernen. Wer schön läuft, darf es sich anschließend auch gut gehen lassen – mit einem Frühstück für Sieger!

Also, liebe laufende Gemeinde! Mein Mittel gegen eine anhaltende Laufblockade ist die Gesellschaft einer netten, schönen Frau, die einfach mitläuft. Kann ich Euch nur empfehlen. Für die Damen darf es dann natürlich gerne ein junger Adonis sein. 😉

Ein Hoch auf den Pärchen-Dauerlauf!

Euer Tankred


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