Eine Karrikatur von 7 unterschiedlichen Läufer-Typen!

von Tankred Dankmar am 29. Februar 2016

Laufen kennt keine Schichten, kein Millieu und keine Stände. Laufen ist für alle da, Laufen kann jeder, unanbhängig von Rang und der Tiefe des Geldbeutels. Beim Laufen sind alle gleich.

Beim Laufen sind alle gleich? – Mitnichten, liebe laufende Gemeinde! Denn es gibt sie, die verschiedenen Läufer-Typen. Und das ist nicht im Sinne von Bestzeit, Motivation oder Laufpensum gemeint, sondern rein äußerlich betrachtet.

Schaut Euch mal um! Guckt an Euch selber runter, wenn ihr lauft! Wir Läufer sind schon sehr, sehr verschieden, wenn man ehrlich ist. Das Einzige, was uns wirklich verbindet, ist die Strecke. Ansonsten kommen bei diesem Sport Menschen zusammen, die ansonsten nichts gemeinsam zu haben scheinen und nicht gerade eine Wohngemeinschaft gründen würden oder zusammen in den Urlaub fahren möchten. Schauen wir uns die Typen doch mal an!

1. Der Terminator

Ist ähnlich ausgerüstet wie sein Vorbild aus der berühmten Science Fiction Filmreihe. Pulsmesser, Schrittzähler, Smartphone in der schweißdichten Schutzhülle am Oberarm befestigt. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Tippt dauernd an der neuesten App herum, die er sich gestern abend noch runtergeladen hat, aber noch nicht beherrscht. Stellt bei Kilometer 5 enttäuscht fest, dass die App völlig falsch läuft und gibt beleidigt auf.

Die ganzen Wasserfläschchen und Powerriegel aus dem Überlebenshüftgürtel hat er noch gar nicht angefasst. Kann er aber beim nächsten Versuch mit der nächsten App ja nochmal gebrauchen. Wenn man ihn mit dieser komischen orange getönten Läuferbrille an einem schwer bewölkten Tag durch den Stadtpark rennen sieht, fragt man sich, ob in diesem Visier ähnlich wie bei seinem Vorbild aus dem Film gewisse Daten über Umgebung und Mitlaufende auftauchen.

Für manche ein echtes Vorbild?

Bild: MsSaraKelly | CC BY 2.0

2. Der Hippie

Neben dem Yoga hat dieser Menschenschlag jetzt auch das Laufen für sich entdeckt. Will ein bisschen Anti sein und in seinem Freundeskreis damit angeben, als einziger nicht in totaler Lethargie und Agonie um die Haschbong herum zu versinken, sondern den chronischen Bewegungsmangel nun mit Dauerlauf ausgleichen zu wollen. Läuft in den alten Adidas ´Samba´, die irgendwer mal in der WG vergessen hat. Bestzeiten ausgeschlossen, auch wegen des betont gemächlichen Schrittes. Schließlich läuft der Hippie außerhalb von Konkurenzdruck oder einem eisernen Willen, sich zu verbessern. Beides hat die Haschbong schon vor Jahren vernichtet. Die langen verschwitzten Haare im Gesicht und im Nacken stören ihn nicht weiter. Haare sind schließlich zum Wachsen da. Für ihn ´ist der Weg das Ziel´. Beneidenswert, wirklich.

3. Der Purist

Thermounterwäsche, Lauf-Apps, Wasserflasche oder Sportsocken – was ist das? Für den Puristen reicht die alte Hose, die er zum Schulsportunterricht in den 80er getragen hat und die immer noch sitzt wie eine Eins. Je nach Wetterlage kombiniert er diese mit einem völlig verblassten und ausgeleierten Kapuzen-Pullover oder mit einem alten, etwas knapp sitzenden T-Shirt, ebenfalls ein Relikt der 80er, als man noch jung war. ´Atomkraft? Nein danke!´

Vor Jahren hat er mal ein paar gute Laufschuhe für wenig Geld auf E-bay erstanden. Die sehen zwar aus, als habe er mit ihnen längst die Welt umrundet, aber auch die sind immer noch gut. Reicht! Alles andere empfindet der Purist als totalen Quatsch und versteht auch nicht, wie man das anders sehen könnte. Und irgendwie hat er auf bezaubernd süße Weise ja auch ein bisschen Recht. Er lebt in einer herrlich unkomplizierten Welt.

Je knapper, desto besser. Sporthosen der alten Schule

Bild: shortszene | CC BY-SA 3.0

4. Der Hipster

Der Hipster ist der neueste Neuzugang in der laufenden Gemeinde, weil er als gesellschaftliches Mitglied ein relativ neues Phänomen ist. Auch wenn er sich stark versucht an der Beat Generation der 50er Jahre zu orientieren und auch Untergrund-Poetry Slams besucht, gelingt ihm diese Annäherung nur rein äußerlich. Er ist gesellschaftlich viel zu angepasst, versucht aber durch seine hippe Kleidung und sein Vintage-Brillengestell mit Fensterglas aufzufallen. So auch auf der Laufstrecke. Die schwere Brille rutscht ihm zwar dauernd von der Nase und die Vinatge-Sportbekleidung ist auch echt hipp, aber leider auch irgendwie unpraktisch.

Der Purist hat seine alten Klamotten über Jahrzehnte eingetragen. Aber der Hipster hat dieselben Klamotten neuwertig in einem Hipsterladen teuer erstanden und muss da erstmal reinwachsen. Auch der doofe Zauselbart hilft nicht gerade, den Luftwiderstand beim Laufen zu verringern. Kleiner Witz am Rande: ´Ich hab ´nem Hipster auf der Laufstrecke ins Bein geschossen. Jetzt hopst´er.´

5. Das Modeopfer

Wichtigstes Accessoire des Modeopfers auf der Laufstrecke ist die Radlerhose. Irgendwo lag die noch in den Untiefen des Kleiderschranks herum und ähnlich wie der Purist sieht es das Modeopfer nicht ein, warum sich Geschmäcker mit den Jahren verändern sollten. Außerdem war die schwarz glänzende Radlerhose aus schweißtreibendem Stretch-Polyester mal ziemlich hipp. Und auch das Elo-Muskelshirt in Neon-Orange sieht immer noch ziemlich schick aus. Er glaubt, sowas tragen junge Leute doch heute auch wieder. Nur die Laufschuhe, die musste er sich neu kaufen – in einem passenden Grün-Blau in Neonfarben natürlich. Bei Nachtläufen trägt das Modeopfer auch gerne mal eine Stirnlampe auf dem Kopf. Ist doch ganz praktisch! Scheiss doch drauf, dass man damit aussieht wie ein polnischer Grubenarbeiter bei der Fashion Week 1989.

6. Die coole Rampensau

Hat ähnlich wie der Purist nur eine Sporthose, die er einfach zu allem tragen kann. Meistens in Form einer knapp knielangen Fussballtrikothose. Die ist so cool, dass sie fürs Sportsudio, zum wöchentlichen Kicken mit den anderen coolen Kumpels im Stadtpark und eben auch zum Laufen gereicht. Dazu trägt die coole Sau gerne alte T-Shirts mit den Namen total kultiger Bands wie ´Metallica´, ´the Clash´ oder ´the Smiths´.

Die Laufschuhe wurden auch eher nach Farbe denn nach Tragekomfort ausgewählt – am besten so schwarz wie möglich, wegen des Understatements. Was die coole Rampensau auf der Strecke ausmacht, ist die Haltung: lässig, aber doch breitbeinig und mit Stolz geschwellter Brust. Außerdem versucht er immer so auszusehen, als sei das Laufen kein bisschen anstregend und er selber, gelinde gesagt, leicht gelangweilt. Unmittelbar nach Ende des Laufs wird erstmal eine geraucht und ein Bier getrunken, um den Elektrolythe-Haushalt wieder auf Vordermann zu bringen. 

Erstmal ein Bierchen!

Bild: Hafenbar| CC BY-SA 3.0

7. Der Sportliche

Will alles richtig machen. In dem Fall heißt das: nicht zu viel und nicht zu wenig. Hat immer genau die richtigen Laufklamotten an, nämlich das Profi-Besteck. Farblich auch eher unauffällig in Grautönen, vielleicht hier und da mit einem bunten Streifen durchbrochen. Ganz wichtig: die eingenähten Reflektoren an den passenden Stellen.

Ist technisch nicht so gut bestückt wie der Terminator, sondern trägt nur einen Laufcomputer in Form einer entsprechenden Armbanduhr. Ihm ist es scheissegal wie die Schuhe aussehen, die sollen seine Leistung verbessern und sonst gar nichts. Schließlich ist man hier nicht auf dem Laufsteg sondern beim Training für den nächsten Marathon. Eine Wasserflasche wird eventuell nur bei einem Traininglauf von über 20 km mitgenommen. Auffallend ist der ferdernde, fast tänzelnde Laufschritt. Bei diesem Lauftyp sieht es wirklich so aus, als würde Laufen doch Spaß machen.

Na, hat sich der ein oder andere hier und da wiedererkannt? Egal: Hauptsache, Laufen macht einem Freude, gell? Smile

In diesem Sinne

#keeponrunning

Euer Tankred


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