Laufbericht Berlinumrundung (5. Etappe)

Dieses Thema im Forum "Laufevents & Laufveranstaltungen" wurde erstellt von Göran, 26 Oktober 2015.

  1. Göran

    Göran Distanz ist, was der Kopf draus macht.

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    Am Samstag, den 24.10.2015 fand die 5. Etappe der Berlinumrundung statt. Sie führte von Luckenwalde über Treuenbritzen bis nach Bad Belzig. Die Berlinumrundung ist ein privater Lauf von Interessierten in 9 Etappen von jeweils 42 – 50 km pro Etappe. Via facebook hatten die bisherigen beiden Dauerteilnehmer unseres Lauftreffs eingeladen dabei zu sein. Ich bin mittlerweile auf dem Level, dass ich den mitlaufen kann, obwohl ich letztes Wochenende erst den Magdeburg-Marathon gefinisht hatte. Ich stehe quasi im Training. Von daher sagte ich nach dem letzten Testlauf am Dienstag verbindlich zu.

    Der Organisator holte mich am Samstag von zu Hause ab und wir fuhren gemeinsam mit der S-Bahn zum Bahnhof Gesundbrunnen, wo wir auf unseren dritten Mann warteten. Gemeinsam ging es dann mit dem Regio nach Luckenwalde. Die Fahrt war kurzweilig, es gibt schließlich immer was zu erzählen. Der ein oder andere Fahrgast sah uns schon etwas komisch an. Ein Läufer mit seinem martialisch wirkenden, aber hocheffektiven Gepäck, der andere in Laufklamotten, als ob er mal eben schnell zum Bäcker läuft und ich in kurzen Hosen und das bei den zugegebenermaßen frischen Morgentemperaturen. Da die beiden die ersten Etappen bereits gemeinsam absolviert haben, waren sie sicherlich mehr und entspannter im Plaudern als ich. Ich wusste noch nicht, auf was ich mich eingelassen habe. Einiges war jedoch von vornerein klar. Ein Aussteigen zwischendurch ist nahezu unmöglich, weil die Strecke eben doch etwas weiter außerhalb gelegen war. Und beide sicherten zu, dass die Pace zu vernachlässigen sei, notfalls eben gegangen wird. Ziel war es eben Bad Belzig zu erreichen. Nun dann konnte ich nichts mehr schief gehen. Obwohl, doch und das bereits im Zug nach Luckenwalde. Meine Trinkblase tropfte und das nun zum wiederholten Male. Was ein Ärger. Nach genauerem Hinschauen war jedoch kein Loch zu erkennen. Möglich, dass er zu voll war und durch den Druck im oberen Bereich den kostbaren Tee auslaufen ließ. Also abtrinken war angesagt und das bereits vor dem Lauf, nicht wirklich dass, was ich mir vorgestellt hatte.

    In Luckenwalde angekommen richteten wir die letzten Ungereimtheiten. Rucksäcke wurden gestrafft, die Schuhe nochmals verschnürt und nach dem Startfoto ging es dann pünktlich, 10.00 Uhr los. Zunächst ging es auf Fußwegen an den Ortsrand von Luckenwalde. In Gesprächen vertieft erreichten wir so das Ende des Bürgersteiges und mussten nun, notgedrungen, entgegengesetzt zur Fahrbahn laufen. Zum Samstagvormittag fahren dort zwar nur spartanisch Fahrzeuge entlang, aber eine gewisse Unsicherheit bleibt immer irgendwie dabei. Wir verabredeten bis zum Verlassen der Straße zu laufen und dann eine kleine Pause einzulegen. Um Kilometer 10-11 war es geplant in einen Waldweg einzumünden und dann ab dort weitestgehend nur noch in der Natur zu laufen. So passierten wir Orte wie Pechüle, Frankenförde oder Felgentreu, Orte die unsereins sonst niemals anfahren würde, geschweige denn kennen würde. Hier und da gab es Interessantes zu sehen, mal ältere Denkmäler, mal modern restaurierte Fachwerkhäuser und immer wieder hohe Toreinfahrten zu Gehöften, wie man sie aus diversen Filmen des Mittelalters kennt. So erreichten wir unseren Abzweig und absolvierten unsere erste kleinere Pause. Etwas trinken, etwas kleines Essen, kurz die Füsse vertreten und weiter ging es. Und dieser Abschnitt hatte es dann auch in sich. Zunächst befanden wir uns noch auf einem aufgewühlten Waldweg, matschig und verpfützt. Wir mussten durchaus aufpassen, um nicht wegzurutschen. Mit weiterem Weg wurde es enger und dichter. Nasse Brennnesseln sind genial, also wenn man kurze Laufhosen trägt. Da ist das dann schon fast wieder wohltuend, dass die Gräser feucht und nass sind. Weiter ging es nunmehr über die Schwarze Bach (ein kleines Flüsschen) , rein ins Naturschutzgebiet Zarth. Und das hatte es in sich. Es wurde nämlich dichter und dichter. Um es genau zu nehmen, war an laufen nicht mehr zu denken. Ein Weg war mit Mühe noch zu erkennen und so schlugen wir uns durch das Naturschutzgrün. Da war er wieder, unser Weg. Drei Radfahrer kamen uns entgegen, ein Vater mit zwei Kindern, die scheinbar eine gemütliche Samstagmorgenrunde drehen wollten, aber nicht mit den Widrigkeiten im NSG Zarth gerechnet haben. Mehrere dicke Bäume versperrten uns allen plötzlich den Weg und so wurde kurz gefachsimpelt, was nun das Beste sei. Wir konnten nicht zurück, mussten ja irgendwie weiterkommen, rechts an den umgefallenen Bäumen vorbei wollten wir uns den Weg genauer anschauen. Hier versperrte uns jedoch ein doch etwas breiterer Bach den Weg. Leider lagen auch keine Bäume so günstig, dass man über den Bach klettern konnte. So blieb uns nur die Möglichkeit, all die umgestürzten Bäume zu überklettern und damit zu Fuss zu bezwingen. Die Radfahrer hatten sich indes auf den Rückweg gemacht. Ein Weiterkommen war an dieser Stelle mehr oder weniger unmöglich. Und so durchdschungelten wir meterhohes Holz, immer in der Hoffnung, dass nichts nachrutscht. Nachdem wir dieses Hindernis erfolgreich hinter uns gelassen haben, konnte es endlich wieder auf normalen Waldwegen weitergehen. Und damit war unser Halbzeitziel, ein NETTO-Discounter am Rande von Treuenbritzen nicht mehr fern. Bis dahin konnten wir unspektakulär weiterlaufen und dann den hiesigen Bäcker belagern. Ein Stück Kuchen, Kaffee und heiße Schokolade gönnten wir uns. Getränke wurden nachgefüllt und Weintrauben eingepackt. Weiter ging es, auch jetzt unspektakulär bis Nichel, einem kleinen Ort. Mehr und mehr merkte ich, dass meine Kräfte schwanden. Und das jetzt schon. Wir hatten doch noch ein bisschen zu laufen. Also Zähne zusammenbeißen und lieber langsamer laufen, als zu schnell. Toll, dass es für die anderen beiden selbstverständlich war, dem Tribut zu zollen und eben auch einen Gang zurückzuschalten. So war es dann hin und wieder möglich den Blick gen Natur zu schwenken. Einer schwärmte von endlosen Pilzkulturen, ganze Lichtungen verhallimaschte Pilze, und der andere labte sich an vermeintlichen oder echten Bergahorn (oder war das Spitzahorn? ). Ich, als botanischer Legastheniker, habe da kräftigst Nachholbedarf.

    Und irgendwann fing plötzlich der Organisator an zu gehen. Ungewohnt, also zumindest für mich. Ich kenne ihn eigentlich eher laufend. Er hatte scheinbar Schwierigkeiten in der linken Kniekehle. Mir kam das Gehen in der Tat sehr gelegen. Und so sind wir dann immer wieder abwechselnd gegangen und gelaufen. Schließlich mussten wir das Ziel erreichen. Wir wussten, dass jeweils zur vollen Stunde ein Regio von Bad Belzig nach Berlin fährt und so konnten wir die restlichen 6 km dann doch gehend/laufend den Umständen entsprechend sehr entspannt zurücklegen. In Bad Belzig angekommen gab es die obligatorischen Siegerfotos und da stand dann gar ein Regio bereits da. Nach 46,16 km und 5:52:02h hatten wir es dann geschafft. Wir erreichten den Zug gerade noch kurz vor der Abfahrt. Was für ein Timing. So konnte die Rückreise ohne Komplikationen von statten gehen. Der Organisator erklärte noch, dass er selbstredend die Urkunden für die Teilnehmer zusammenbastelt und uns diese zukommen lässt. Zudem hatte er noch ein Bonbon parat. Für die komplette Berlinumrundung, also dem nachweislichen Ablaufen aller Etappen, lässt er dann neben einem Berlinumrundungszertifikat gar noch ein Anhängsel in Form einer Medaille springen. Zudem teilte er mit, dass ab sofort jeder Teilnehmer seine separate Startnummer von ihm erhält und somit jeder mit Startnummer laufen kann. Kleine Freuden, die doch so große Gesten sind. Wow, ein Ansporn mehr, weiter dabei zu sein. Der nächste Lauf wir höchstwahrscheinlich im Januar stattfinden, dann von Bad Belzig nach Brandenburg/Havel. Der genaue Termin wird via facebook mitgeteilt. So die Zeit nichts dagegen spricht, werde ich wieder dabei sein. Zudem muss ich mir noch Gedanken machen, wie ich die fehlenden ersten vier Etappen nachhole. Vielleicht hat ja der ein oder andere Interesse, Zeit, Lust und Laune dies mit mir zu absolvieren. Denn die Medaille möchte ich nun auch haben.

    Fazit: Ein tolles Erlebnis mit unterschiedlichsten Gegebenheiten und der Erkenntnis, dass ich an meiner Ausrüstung etwas verändern muss und werde.

    Vielen Dank für einen tollen Samstaglauf meinen beiden Laufpartnern.

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  2. André

    André Administrator Mitarbeiter

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    Schöner Bericht und coole Bilder. Danke! Klingt wirklich spannend.
    Auch nett, wenn man spontann mal einfach 46 km laufen kann. (y)
     
    sunshine79w und Göran gefällt das.
  3. sunshine79w

    sunshine79w run.de Promi

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    Toller Bericht , ich liebe solche Läufe (allerdings bitte noch ein bisschen kürzer ). Berlin ist allerdings ein bisschen weit.

    Wir haben das Glück (hoffe zumindest das es nächstes Jahr wieder stattfindet ) das wir alle 2 Jahre den Lauf 100 km Rund um Dortmund in 5 Etappen a ca 20 km haben , von den Lauftreffs organisiert immer Sonntags. Da triff man sich am Ziel und fährt gegen einen kleinen Umkostenbeitrag mit einem Bus zum Start. Am Ende steht dann immer eine kleine Verpflegung und nach der letzten Etappe wird etwas gefeiert und man bekommt auch eine Urkunde. Letztes Jahr musste dort wegen den diversen Stürmen auch einiges an Umwegen gelaufen werden.