Warum ich manchmal Anders laufe

Dieses Thema im Forum "Laufen Allgemein" wurde erstellt von Hibbelinos, 30 Mai 2017.

  1. Hibbelinos

    Hibbelinos run.de Promi

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    Auf den wunsch von Drino, ein eigener Thread dazu. War mir gar nicht so bewusst das ich das hier nie beschrieben habe, vielleicht mal im "Das bin ich heute gelaufen" am Rande erwähnt... nun aber mal im Ganzen, ganz ausführlich :cool:

    Kommt mit auf eine besondere Reise:


    Im Frühjahr eines jeden Jahres tausche ich einmal die Woche, die wunderschönen High Tec Funktionskleidung, gegen eine dicke Unterpolsterung und Metall.
    Die Laufumfänge werden in dieser Kleidung kürzer, das Tempo wird imens gedrosselt… Bestzeiten läuft man damit absolut nicht! Und das ist auch gar nicht das Ziel. Ziel ist es den Körper u.a. an das Gewicht, die Bewegungseinschränkung und die Wärme zu gewöhnen. Training, langsame Gewöhnung (klein anfangen und dann langsam aufstocken)…um Verletzungen vorzubeugen und die Ausdauer mit dem ganzen Kram zu trainieren.
    Viele von uns gehen so Wandern in ihrer Vorbereitung.. aber das ist mir zu wenig, ich wandere schliesslich am Ende nicht! Das Laufen ist auch in diesen Kreisen ziemlich verrückt :p

    Das sieht im Wald komisch aus, das hört sich komisch an… aber es trainiert für später unglaublich gut!
    Allerdings kann ich das nicht einfach so machen, ich brauche jemanden der mich anzieht, der mich begleitet (Wasser tragen, Notfallbegleitung) und wieder auszieht.


    Training wofür?


    >> Im August rotten sich div. verrückte Menschen (~6500 an der Zahl) auf 100 Hektar Land zusammen, legen ihre normale Kleidung und Ansichten ab und „verwandeln“ sich in Ritter, Orks, Elfen etc. Es wird eine Woche so gelebt wie „früher“. Klar, Orks / Elfen und co gab es im Mittelalter nicht, aber wird halt auch nicht die die historisch korrekt unterwegs sind (solche gibt es aber auch). Es ist halt Fantasy Mittelalter. Alles was man gut darstellen kann, was man überzeugend rüber bringt, wo man mit Herzblut bei ist.. das geht schon irgendwie.. so es denn das Regelbuch hergibt. Eine Woche wird so gelebt, gelagert und damit es nicht langweilig wird (wird’s eh nie) gibt es auch eine Rahmenstory, ein Abenteuer, Aufgaben die gelöst und erspielt werden können. Die Möglichkeiten sind unendlich Vielfältig! Dazu gibt es spezielle Gruppen die von der Spielleitung gesteuert werden, diese sind ebenfalls bunt und facettenreich… so gibt es vielleicht jemanden nettes der dir etwas über diese Welt erzählen kann, aber auch böse Feinde die dir ans Leder wollen.

    Und ich bin einer dieser Feinde! Ich tauche nicht alleine auf, ich tauche in einer Armee auf. Wird sind ~40 Leute die eine militärische Struktur haben, wir treten formiert auf; wir reden nicht, wir kämpfen mit Schwert und Schild. Man ist in unser Land eingedrungen und das werden wir zurück erobern. Es gibt unendlich viele von uns, immer in ~40 „Mann“ Einheiten aufgeteilt. <<
    Das Ganze nennt sich Übergeordnet Live Action Role Playing (https://de.wikipedia.org/wiki/Live_Action_Role_Playing)


    Wenn unsere Figur stirbt, verschwinden wir kurz und tauchen wieder auf .. nur so können wir „mehr“ darstellen als wir eigentlich in natura sind. Wir haben in Schichten Dienst (2 Stunden Dienst, 2 Stunden Bereitschaft, 2 Stunden Pause… auch Nachts!). Im August ist es heiss, wir marschieren im Gleischritt, wir Rennen im Gleichschritt, wir Kämpfen in der prallen August-Mittags-Sonne… immer in voller Ausrüstung.. .wir legen am Tag unmengen an Kilometern zurück, denn wir sind immer da wo die Spielleitung uns braucht und 100 Hektar sind gross! Wenn wir kurz verschwinden, um dann später wieder aufzutauchen können wir uns kurz verpflegen (Wasser, Isodrinks, Snacks), kurz Luftholen um dann gleich wieder loszulegen. Extremsport der besonderen Art! Manchmal schläft man auch in seiner Rüstung, am Strohlballen gelehnt, vor Erschöpfung ein.. nur um dann, wenn man geweckt wird, gleich wieder voll da zu sein. Man muss es lieben, extrem verrückt sein, um das als Urlaub zu verstehen J

    In meinen Dienstfreien Zeiten organisiere ich (in einem sehr guten Team!) im Background unsere ~40Mann Truppe und stehe als Sanitäter zur Verfügung. Ich muss immer geistig voll da sein und auch körperlich kann ich mir nicht viel Erholung gönnen.


    Meine Ausrüstung wiegt am Ende ~25kg und sieht wir folgt aus:
    Ein dickes Gambeson unter der Rüstung - bedeckt den Torso, die Hälfte der Oberschenkel, Langarm, Halskragen, mit 100% Baumwolle dick gefüttert und gesteppt
    Brust und Rückenpanzer aus Metall
    Plattenkrangen und Schultern (Metall)
    Armschienen (Metall)
    Rüstgürtel (Metall)
    Wadenwickel aus Fleece um die Schienbeine zu polstern
    Beinschienen (vom Knöchel bis übers Knie - Metall)
    Einsatzstiefel (Leder)
    div Stofflagen (Kampfrock, Wappen, etc.pp.)

    Auf den Turban inkl. Mundschutz verzichte ich grundsätzlich beim Lauftraining vorab… so verrückt bin ich dann doch nicht *lach*


    [​IMG]

    Die erste Laufeinheit letzten Sonntag, start der Trainingssaison 2017.. das sah dagegen doch locker flockig leicht aus:

    [​IMG]

    Meine Laufumfängeliegen bei max. 5km, das Tempo ist nebensächlich.
    Die Ausrüstung wird langsam gesteigert. Entscheident ist ein gutes Gefühl um nicht total ausgepowert am Ende anzukommen. Geh-Einheiten sind durchaus erlaubt.
    Am Ende muss man bei sowas ja noch das Schwert sicher schwingen und das Schild halten können.
    Trainiert wird idealweise, so ich eine Begleitung habe, 1mal die Woche.

    Pfingsten fällt das spezielle Lauftraining aus... da geht es zum grossen Organisations, Planungs und Basteltreffen.
     
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  2. Reha

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  3. Göran

    Göran Distanz ist, was der Kopf draus macht.

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    Boah, 25 kg Ausrüstung ist schon heftig. Zudem dürftest Du angesichts der Bekleidung unbeweglicher sein, also ein zusätzliches Handicap ... und das bei sommerlichen Temperaturen. :notworthy: Und wenn ich sehe, aus was die Ausrüstung besteht, dann ist ein 5 km-Lauf ja in der Tat schon Hochleistungssport. Respekt. (y)
     
    Zuletzt bearbeitet: 30 Mai 2017
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  4. Reha

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    Habe in meinem Leben viele Ritterfilme gesehen. Die stolzen Ritter in ihren Rüstungen auf ihren Pferden wurden vom Fußvolk begleitet.

    Verkehrte Welt hier.[​IMG] [​IMG]

    Wie verrück kann man sein sowas zu veranstalten[​IMG]
     
  5. Hibbelinos

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    Ich bin um einiges unbeweglicher. Ich kann mich zwar an der Nase kratzen, aber meine gegenüberliegende Schulter kann ich nicht mehr berühren.
    Zudem ist es halt beim laufen auch laut. Der Torso stabilisiert die Wirbelsäule wie ein Korsett (was gut für die Bandscheiben ist.. ein Grund wieso ich kein Kettenhemd mehr drunter trage), aber bei jedem auftreten "haut" die Rüstung auf die Schulter... dabei scheppert es direkt am Ohr.. bringt einen aber auch gut in einen regelmässigen Lauftrott.. ein abweichen hört man sofort ;-)

    Jetzt am Sonntag bin ich immer ~ 800 Meter gelaufen und dann ein Stück gegangen. So kam ich am Ende auf die 5,59km. Um mal ne Schneckenzeit zu nennen: ich hab dafür 43min gebraucht.
    28 Grad im Schatten, in der Sonne gefühlte 40.. bei jeder Gehpause gab es Wasser, sowohl getrunken als auch vorne und hinten etwas in das Gambeson geschüttet.
    Vor dem Laufen 1 Liter "gewässert", während des Laufens 750ml, danach nochmal 1 Liter.
     
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  6. Catwoman

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    Mein Bruder und seine Frau sind auch absolute Mittelalterfans und gehen auch immer in Mittelalterkleidung allerdings nicht in einer Ritterrüstung.
    Für mich wäre das aber nix.
     
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  7. Drino

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    Boh... verrückt

    .... aber verrückt muss ja nicht schlecht sein.


    Hast du meine Bedenken wegen Rücken?
     
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  8. Hibbelinos

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    Nein. Man hat ja schon mit sehr vielen wehwechen zu tun, aber Rücken sind meist wirklich nur Verspannungen.
    Ich habe 2 versteifte Wirbel und 4 Bandscheibenvorfälle (diese Erkrankungen haben nichts mit diesem Hobby zu tun.. die sind unfällen verschuldet). Der Metalltorso versteift die Wirbelsäule wirklich sehr gut. Allerdings ist hier ein sehr guter sitz der Rüstung entscheidend, ich habe mir vor Jahren diese auf meinen Körper anfertigen lassen. Und ich achte darauf eine gute Rückenmuskulatur zu haben.
    Ein Kettenhemd hat diese versteifende Eigenschaft nicht, selbst mit Lumbalstützorthese für mich leider nicht tragbar.

    Belastender ist es für die Knie und die Hüfte. Da beide Knie bei mir sehr in mittleidenschaft gezogen sind, wird ab einer gewissen "Gewichtsklasse" ausschliesslich mit Bandagierten (stabilität) und gepolsterten (stürze) Knien gelaufen.
     
  9. Drino

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    Trainierst du speziell auf diese Belastung hin?
     
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  10. Hibbelinos

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    Selbstverständlich trainiere ich auf diese Belastung hin.. nicht nur, aber auch. Gerade das Krafttraining richtet sich darauf aus.

    Ich mach das jetzt schon seit 10 Jahren. Man sammelt Erfahrungen, lernt von Anderen und von sich selbst. Optimiert Trainingspläne und Ausrüstung.
     
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  11. Drino

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    Wie machst du das Krafttraining und Lauftraining ohne Rüstung, speziell für diese Belastung?


    Ich finde das total interessant und erhoffe neue Trainingsreize, ohne Rüstung aber um so fit zu werden, dass ich mit Rüstung laufen könnte
     
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  12. Reha

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    https://www.lt1.at/programm/25-03-2017/episode/training-in-ritterruestung[​IMG]


    Laufen mit Ritterrüstung braucht man gar nicht trainieren. Einfach nur Quatsch.

    Außer man macht ein Ritterrüstungsrennen.
     
  13. Drino

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    Ist für dich ok, wenn du das für Quatsch hälst.

    Ich sehe das anders.
     
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  14. Reha

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    Warum sollte ich etwas trainieren was ich nicht brauche??

    Als Ritter rennt man nicht mit Ritterrüstung durch die Gegend.
    Ein Ritter reitet.....das Fußvolk geht neben her.

    Was ein Ritter benötigt ist im Video klar und deutlich beschrieben.

    Allgemeine Fitness erreicht man durchs Laufen.
    Darüber hinaus wird man in dieser Sportart ( Laufen ) auch Leistungsstärker.

    Technik üben, Muskulatur die benötigt wird stählern usw.

    Artgerecht trainieren.

    Wie oben schon erwähnt ..... Macht es nur Sinn wenn es um ein Wettrennen unter Ritter ist.
    Ist aber nicht so.
     
  15. Drino

    Drino run.de Promi

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    Der TE läuft mit Rüstung rum
    Und warum sollte man sich nicht trainieren, dass man das auch könnte?
     
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  16. Reha

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    Ich könnte mir auch einen Rucksack vollpacken mit allerlei nützlichen Sachen die man üblicherweise an den Verpflegungsstationen nicht unbedingt bekommt. Das wäre dann ein Zusatzgewicht. Das würde ich im Training auch Trainieren. Weil ich es muss. Immerhin sollte sich der Körper daran gewöhnen damit der Ultralauf ( Beispiel ) auch so verläuft wie er verlaufen soll.
    Natürlich werden da nicht 25kg um die Trinkblase verteilt. Immerhin nur soviel wie man u n b d i n g t braucht.

    Laufen mit Gewichten sollte unbedingt vermieden werden.Der Gesundheit zu liebe.

    Niemand muß hier mit 25 Kg Zusatzgewicht durch die Gegend laufen.

    Ganzkörpertraining im Studio und das erlernen der Rittertechnik ( Video ) reichen da völlig aus.

    http://www.runnersworld.de/training/laufen-mit-gewichten.49603.htm
     
    Zuletzt bearbeitet: 2 Juni 2017
  17. Drino

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    Ok Reha

    Dein Standpunkt ist deutlich geworden.

    Jetzt lass doch hier in dem Thema nicht pro und contra, Sinn oder Unsinn diskutieren sondern über Training, Trainingsformen für die die es interessiert.
     
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  18. Catwoman

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    Mein Gott Reha, wenn es ihr Spass macht. Ich finde es toll. Jeder muss doch selber wissen was er tut.
     
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  19. Reha

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    Wie ihr Training verläuft hat sie doch klar und deutlich aufgeführt.
    Nicht gelesen?
     
  20. Hibbelinos

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    Ich habe noch nie trainingstips gegeben und werd damit, in dem umfang den es bei der Frage benötigen würde, auch nicht geben.
    Zudem ist meine Sichtweise/Einstellung allg. zum Sport sicherlich auch eine Andere als von den meisten hier. Ich bin ehemaliger Leistungssportler, bin nach einem erfolgreichen langen Hoch, durch ein extreme Tief und grade wieder "auf dem Aufsteigenden Ast"... allerdings ohne Wettkampfambitionen... ich kämpfe tag täglich gegen den "Rückfall"

    Ich kann dir guten gewissens empfehlen Abwechslungsreich den ganzen Körper zu trainieren und dabei Spaß zu haben. Von easy going, bishin zur max. Belastungsgrenze.. aber eben immer mit dem Blick auf deinen Körper. Und regelmässig! Pack die Ausreden zur Seite und mach... Krankheit/Verletzung soll und muss einen zur Pause zwingen, ansonsten gibts nichts was eine Ausrede rechtfertigt. Das ist das A und O.
    Und zeit.. du brauchst viel Zeit. Es wird hochs und tiefs geben, zieh dich auch an kleinen erfolgen hoch. Nimm ein Tief nicht als niederlage sondern als basis der überlegung "woran lag es, was ist schief gelaufen, was kann ich daraus lernen und wie kann ich das zukünftig verhindern/minimieren"

    Zahlen, Statistiken, Schematisierte Trainingspläne die für alle Menschen der Welt gleich gelten sollen: Schrott aus der Hobbyszene! Nimm es vielleicht als minimalen Richtwert wenn du es wirklich brauchst, individuelle flexible Pläne bringen viel mehr. Machen, reflektieren und anpassen. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, kriegt man das durchaus hin. Heutzutage wird viel zu wenig auf den eigenen Körper gehört.. hör dem zu! Nimm ihn ernst!

    Ich hoffe das ist nicht zuviel bla und du kannst damit was anfangen... für echte trainingsempfehlungen such dir einen guten trainer. Dieser sollte erst mit dir reden (was machst du, was willst du, wie gehts dir dabei etc), der dich dann beim training anschaut und dann erst urteilt, dir tips gibt und ggf. auch wieder anpasst.
     
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