Tankred´s Kolumne: Immer auf Seite der Damen?

von Tankred Dankmar am 1. Juni 2017

Liebe laufende Gemeinde!

Was mich ja beim Laufen schon immer begeistert hat, ist, dass hier die Geschlechterfrage keine Rolle spielt – oder nur für ein paar echte Vollpfosten. Denn ja, ich bin nicht nur ein Liebhaber der Frauen, sondern auch ganz großer Feminist. Das sage ich hier nicht, um dem weiblichen Publikum zu gefallen oder weil es politisch korrekt ist, sondern weil ich das ernst meine!

Ich habe es nie verstanden, wie jemand denken kann, dass Männer mehr wert sind als Frauen. Wie kommt man auf so etwas?

Ich selbst bin einfach so erzogen worden, dass es da gar keine Frage gibt. Sowohl mein Vater als auch meine Mutter haben mir von Anfang an klar gemacht, dass es zwar Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen gibt – und welcher normal denkende Mensch könnte dem widersprechen – aber dass die Geschlechter natürlich auf Augenhöhe sind.

Er wurde oft für einen Macho gehalten – Marlon Brando, hier in ganz jungen Jahren. Bild: Public Domain.

 

Ich bin Macho genug, Frauen die Tür aufzuhalten und Ihnen im Restaurant die Jacke abzunehmen. Und zahlen tue ich auch, wenn mich die Dame lässt. Und ich würde mich auch ohne mit der Wimper zu zucken für die Ehre der Frau prügeln, selbst wenn es nicht die meine ist. Aber deshalb denke ich ja nicht, dass ich mehr wert bin. Im Gegenteil: dadurch versuche ich die Dame zu ehren und nicht, sie klein zu halten.

Aber nun zum Sport. Hier mache ich mich mit meiner Meinung vielleicht ein wenig unbeliebt bei manchen Damen, während die meisten Herren mir wahrscheinlich gleich Beifall klatschen, wenn auch nur im Stillen. Ich will auch keiner Dame zu nahe treten und rümpfe über ihre sportlichen Leistungen auch ganz sicher nicht die Nase, aber es tut mir leid: ich finde Frauenfußball doof.

Das ist mir einfach nicht schnell genug. Ich gucke mir ja auch keine Kreisligaspiele der Männer an. Die interessieren mich nämlich mindestens genauso wenig. Ein Champions-League- oder Weltmeisterschaftsfinale dagegen, dort, wo die besten Ihrer Zunft aufeinander treffen, da ist es mir eine Freude, dabei zuzusehen, obwohl ich meistens für keine der beiden Mannschaften bin.

Was das Sport-angucken angeht, bin ich eher ein Muffel. Ich stoße eher mal aus Versehen auf einen Fernseher, wo gerade etwas interessantes läuft. Aber wenn mich Fußball mal interessiert, dann leider kein Damenfußball. Das gleiche gilt übrigens auch für Tennis. Das schaue ich auch schon mal ganz gerne, wenn es um große Wettkämpfe geht und am besten Roger Federer auf dem Platz steht. Und auch wenn ich es durchaus erkennen kann, dass die Damen im Tennis technisch mindestens genauso hervorragend sind wie die Herren der Schöpfung – es ist einfach bedeutend langsamer und nimmt mich deshalb nicht so richtig mit.

Noch was – Frauenboxen geht gar nicht. Ich war auch ein paar Mal in Thailand bei Thai-Box-Wettkämpfen live dabei, wo auch Frauen geboxt haben. Tut mir leid, das ist mir zu langweilig. Nicht, dass Frauen sich nicht auch mal auf die Schnauze hauen dürfen – das ist mir herzlich egal, auch wenn ich dabei nicht gerade in Ekstase gerate. Aber so sehr sich die Damen auch anstrengen, so richtig feste, dass eine auch umfällt, hauen die nicht zu. Aber darum geht es doch beim Boxen.

Liebe Damen! Es gibt noch nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag zum Thema Frauenboxen. Vielleicht holt das mal eine von Euch nach – wegen der Gleichstellung und so. Bild: gemeinfrei

 

Ich habe mich schon auf einen Shit-Storm vorbereitet, also nur zu, liebe Damen, echauffiert Euch ruhig. Wahrscheinlich auch völlig zu Recht und ich sage ja auch nicht, dass ich Recht habe. Ich persönlich empfinde das halt nur so. Männer sehen auf dem Schwebebalken auch nicht gerade gut aus. 

Und ich sage auch nicht, dass es nur DIE Männersportarten gibt und DIE Frauensportarten. In meiner Welt gibt es diesbezüglich kein Schwarz/Weiß-Denken, sondern ziemlich viel Grauzone.

Badminton zum Beispiel ist ein durch und durch geschlechtsneutraler Sport, finde ich. Da gibt es keine Unterschiede und wenn man die Spieler verschleiern würde, könnte ich nicht erkennen, ob da gerade einen Frau spielt oder ein Mann. Dasselbe gilt für Tischtennis. Aber eben nicht fürs Boxen oder Fußball finde ich.

Es ist mir auch herzlich egal, wer welchen Sport betreibt. Von mir aus können die Damen auch gerne Rugby oder American Football spielen – gleiches Recht für alle ist bei mir ganz selbstverständlich. Aber ich MUSS ja nicht dabei zusehen und auch noch Beifall klatschen beziehungsweise muss ich mir auch nicht dämlich oder wie ein Misogyn vorkommen, wenn ich das eben nicht tue.

Aber egal. DENN – und darauf wollte ich eigentlich hinaus, bevor ich mich hier unbeliebt gemacht habe – unser schöner Laufsport, der macht zwischen den Geschlechtern nun wirklich keinen Unterschied, denke ich zumindest. Beide – Männlein wie Weiblein – sehen beim Laufen gleichermaßen elegant aus oder eben nicht. Auch um die Wette laufen können beide zusammen.

Laufen können wir auch alle zusammen – die Jungs UND die Mädels – wie hier beim „Bristol Hall Marathon“, einem reinen Fun-Lauf.

Bild: Steve Gregory – CC BY-SA 2.5

Ich zumindest messe mich auf der Strecke mit beiden Geschlechtern. Egal wer da versucht mich zu überholen – ich versuche das zu verhindern und lasse den Damen auch nicht automatisch aus Ritterlichkeit den Vortritt. Alles, was in meinem Windschatten auftaucht, ist mein erklärter Feind und muss hinter mir gelassen werden, sofern die Möglichkeit besteht. Aber ich fühle mich auch nicht mehr gedemütigt, wenn mich eine Frau überholt, als wenn es ein Mann tun würde. Das tut genauso weh, wie wenn es ein Geschlechtsgenosse ist. 

So, liebe laufende Gemeinde und vor allem die Damen unter Euch. Bevor ich mich hier weiter um Kopf und Kragen rede, bleibe ich mal besser stumm. Ich hoffe aber, ich habe nicht für zu viel Entrüstung gesorgt und Ihr habt ein Nachsehen mit mir. Vielleicht bin ich schon ein wenig altmodisch geworden, vielleicht bin ich aber auch einfach nur ein Depp.

EIGENTLICH wollte ich nur charmant sein und allen sagen: Auf der Laufstrecke mache ich keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Warum auch? Schnell und elegant sind die einen, langsam und grob die anderen – unabhängig vom Geschlecht. Vielleicht ist der Schuss aber auch nach hinten losgegangen. Wahrscheinlich sogar.

Aber Ihr könnt all meine Ex-Freundinnen fragen – wenn ich eins nicht bin, dann ein Chauvinist oder Misogyn. Ganz im Gegenteil – ich liebe Frauen und achte sie zutiefst. Vielleicht liebe ich sie nicht so sehr beim Boxen oder auf dem Fußballplatz – dafür auf der Laufstrecke aber umso mehr.

Verzeiht mir nur bitte, wenn ich hier Unsinn erzählt habe. Ich habe es tatsächlich nur gut gemeint. Und ich bin immer auf Eurer Seite, liebe Damen.

Liebe laufende Gemeinde, Jungs und Mädels! Gehabet Euch wohl und achtet einander!

#keeponrunning

Euer Tankred


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