Frühlingserwachen: Wie Gelegenheitsläufer, Schönwetterläufer & Walker die Laufstrecken blockieren!

von Tankred Dankmar am 7. März 2016

Liebe laufende Gemeinde!

Achtung: Der folgende Artikel ist nicht ganz ernst gemeint und stark überzeichnet! Bitte lest den Artikel mit einem Augenzwinkern, es liegt uns fern irgendwelche Leute oder Gruppen zu beleidigen oder zu diffamieren. 

Der Frühling steht vor der Tür! Nun gut, der Winter war ja auch ein bisschen wie Frühling und der ein oder andere, der normalerweise im Winter lieber auf dem Laufband im Fitnessstudio um die Ecke sein Pensum macht, wird sich vielleicht sogar zwischen den Feiertagen an Weihnachten und Sylvester zum Geländelauf nach draußen gewagt haben. Schön und gut.

Wer im Winter auch läuft, und sei es nur auf dem Laufband, der ist Teil unserer Gemeinde, einer der Wenigen, möchte man sagen. Aber zweierlei andere Gestalten kommen mit den sprießenden Krokussen auch wieder ans Tageslicht und dummerweise auch auf die Lauftstrecke: die Gelegenheitsläufer und die Schönwetterläufer.

Der Gelegenheitsläufer ist auf seine Weise ein Gewohnheitstier

Der Gelegenheitsläufer versucht sich krampfhaft an das zu erinnern, was er sich sektschlürfend auf der Sylvesterparty fürs neue Jahr vorgenommen hat. Da war doch was? War es nicht dasselbe wie im letzten Jahr? Ach ja! Mehr Bewegung, na klar. Ein echter Klassiker! Mit steigenden Temperaturen erinnert er sich daran und will sich und denen, die seinem dämlichen Gefasel dummerweise auf der Sylvesterparty zugehört haben, nun auch beweisen, dass er ein Mann der Tat ist. Oder eine Frau, aber das spielt keine Rolle. Männlein wie Weiblein dieser Läufer-Gattung gehen jetzt erstmal shoppen, wie jedes Jahr um diese Zeit, denn das ist doch das Schönste an solch edlen Vorsätzen.

Ein neues Sportdress muss her, mit allem Drum und Dran. Profi-Laufklamotten, die teuersten Schuhe aus dem Regal der Sportabteilung im Kaufhaus und zu Hause wird nach den neuesten Trainings-Apps fürs Handgerät gegoogelt. Ohne kann man doch gar nicht anfangen, 3 km durch den Stadtpark zu wanken, oder?

Mit guten Vorsätzen vom Sektglas in die Traufe – der Gelegenheitsläufer im Frühling

Natürlich nicht! Was folgt, ist eher ein Bild des Grauens denn der guten Vorsätze. Unförmig ob des sogenannten Winterspecks in tolle Stretch-Klamotten der Sportmodeindustrie gequetscht, begibt sich der Gelegenheitsläufer nun in den Stadtpark oder auf die ausgewiesene Laufstrecke im nah gelegenen Waldstück.

Da werden erstmal Dehnübungen gemacht, die nicht nur ein bisschen ungelenk aussehen, sondern eher wie etwas, das jemand macht, der kryonisch schockgefroren wurde und 100 Jahre später wieder aufgetaut wird. Nicht so schön. Nachdem nicht mehr jedes Gelenk knackt und knirscht, läuft er los, mit guten Vorsätzen und mit dem Smartphone in der schweißdichten Hülle am Oberarm bewaffnet.

Er stellt ziemlich bald, wie jedes Jahr um diese Zeit, mal wieder fest, das Laufen anstrengender ist, als es bei anderen aussieht. Aber irgendwie schafft er die 3 km, die er sich ´für den Anfang´ vorgenommen hat, dann doch, schaut happy auf die Daten in seiner App und fährt wieder nach Hause. Ob wir ihn in diesem Jahr noch einmal wiedersehen, diesen Gelegenheitsläufer, steht in den Sternen. Wahrscheinlich nicht. Aber dafür alle Jahre wieder.

Der Schönwetterläufer ist die Geißel der laufenden Menschheit

Für richtige Lauf-Cracks eigentlich unvorstellbar, aber es gibt auch sie – die Läufer, die nur bei gutem Wetter aus ihren Höhlen gekrochen kommen – Schönwetterläufer. Ihnen geht es nicht um gute Vorsätze, sondern um das schöne Wetter. Weiß der Geier, welche Sportart sie den Rest des Jahres so betreiben, irgendwas scheinen sie aber zu machen. Sie wirken nicht unsportlich, aber man sieht ihnen auch an, dass sie sich nur des guten Wetters wegen auf der Lauftstrecke versammeln. Und man kann hier wirklich von Versammlungen sprechen. Erstens gibt es verdammt viele Schönwetterläufer und zweitens tauchen sie grundsätzlich in Rudeln auf. Ob die sich vorher bei Facebook verabreden? Ob die alle einen sechsten Sinn dafür haben, wann die anderen ihrer Art nach draußen gehen? Man weiß es nicht.

Fest steht nur eins: sie blockieren unsere Laufstrecken, liebe laufende Gemeinde! Mit einer Hartnäckigkeit nehmen sie sich das Recht, uns keinen Platz zu machen, welche an Unverschämtheit grenzt. Und warum tun sie das? Weil das Wetter so schön ist! Da kann man doch nur noch mit dem Kopf schütteln. Warum kaufen die sich kein Cabrio und genießen damit die Schönwetterfront und ihr Frühlingserwachen? Mal ehrlich, muss das sein, dass diese Leute auch laufen!

Warum bei schönem Wetter nicht lieber Cabrio fahren anstatt die Laufstrecken zu besetzen?

Bild: Stefan Bauer – CC BY-SA 2.5

Dasselbe gilt für den größten Feind im Territorium des richtigen Läufers – die Walker! Bei dem Wort alleine schüttelt es einen schon. Wie Zombies mit bekloppten Gehstöcken trifft man sie mit beginnendem Frühling überall auf den Laufstrecken der Republik. Warum bekommen die eigentlich nicht ihre eigenen Strecken? Sie sind für einen Läufer wie Verkehrsinseln für einen Raser in der 30er Zone – nervtötend.

Und auch diese Unterart der Schönwetterläufer scheint sich zu versammeln, bevor es losgeht. Aber damit noch lange nicht genug. Walker haben die Unart, nicht nur in einem borg-ähnlichen Kollektiv zu walken, sondern das auch noch am liebsten nebeneinander anstatt vernünftigerweise am Rand der Laufstrecke hintereinander. Das sind dieselben Leute, die auf der Überholspur auf der Autobahn konstant 80 fahren. Nicht selten flüstert man ihnen dann auch Flüche zu, wenn man sich als Läufer durch so einen Pulk drängeln muss. Aber die hören sie ja gar nicht, weil sie sich auch noch wie beim Kaffeekränzchen beim Walken unterhalten. Meine Fresse, geht doch einfach ins Straßen-Café, wenn der Frühling kommt! Aber draußen nur Kännchen!

Dem ganzen Stress entgehen

Staus auf der Laufstrecke. Phänomene des Frühlings. Wenn die Gelegenheitsläufer schon Mitte April wieder verschwunden sind und es den Schönwetterläufern im Sommer schon wieder zu heiß wird, dann haben wir unsere Strecken ja meistens auch schon, mehr oder weniger, wieder für uns, liebe laufende Gemeinde. Atmen wir also einmal tief ein und wieder aus, wenn es Frühling wird, und lassen diese Laien und Kaspars einfach mal ein bisschen mitlaufen. Das ist wie in der Kindheit auf dem Fussballplatz – ab und zu dürfen auch die unbeliebten Kinder, die immer nur mit der Picke schießen, mal mitmachen. Schließlich sind wir keine Unmenschen, nicht wahr!

Vielleicht sollte man im Frühling auch einfach mal in den Urlaub fahren und zwar dorthin, wo grundsätzlich keiner läuft. Ein bisschen Urlaub hat auch noch keinem Läufer geschadet. Und man entgeht gleichzeitig dem ganzen Stress auf den heimischen Laufstrecken beim Frühlingserwachen.

Dort wo keiner läuft ist es im Frühling schön ruhig 😉

Also, ab in den Urlaub! 😉

Euer Tankred


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