Für mich, für dich, für alle? – Wie uns das Internet zu mehr Sport und schönerem Essen verhelfen kann

von Run Munich Run am 5. Februar 2015

Squat-Challenge, Plank-Challenge, 1000-Burpees-in-30-Tagen-Challenge (WAS ZUR HÖLLE???), Nimm-die Treppe-Challenge, Jeden-Tag-einen-grünen-Smoothie-Challenge (Iiiiiih!), WhatsApp-Motivationsgruppen…  Auf Facebook und Instagram schießen die virtuellen Motivationshilfen gerade wie Pilze aus dem Boden. Und ja, was sollen wir sagen – wir sind auch infiziert und machen fast überall mit (wir hassen beide Burpees aus vollem Herzen und grüne Smoothies bekommt keine von uns runter; das lassen wir also sein).

Warum das funktioniert? Nun, geteiltes Leid ist eben weiterhin halbes Leid. Gemeinsam tut´s einfach nicht so weh. Und wenn man erst einmal zugesagt und alle Freunde es gesehen (und vor allem gelikt!) sowie ihre Teilnahme ebenfalls bestätigt haben, gibt´s auch keinen Rückzieher mehr. Denn seien wir doch mal ehrlich: Wer macht denn bitte freiwillig 250 Squats oder plankt 270 Sekunden AM STÜCK? Also wir nicht!

Obwohl wir natürlich wissen, dass dies sehr gute Stabi-Übungen sind, die Läufer so dringend machen sollten, sind wir aber oft zu faul dazu. Aber wer es tatsächlich durchzieht, vielleicht ein tolles Foto davon in Action postet und dafür durch Likes Bestätigung – die tut schließlich unheimlich gut – bekommt, der bleibt eben auch leichter dran und gewinnt den Kampf gegen den Schweinehund tendenziell öfter (unsere Erfahrung). Wir sind mittlerweile auch so verrückt und überlegen uns, wann, wo und welche Challenge wir am besten in Szene setzen können.

Klar, das ist abgefahren und ein bisschen gestört. Aber das sind wir Läufer doch eh. Wir rennen Strecken (zu Fuß!!!), die manchen Leuten im Auto schon lange vorkommen; wir quetschen unsere Beine freiwillig in furchtbar enge Kompressionssocken, während diejenigen mit einem Venenleiden manchmal jammern, dass sie diese Strümpfe tragen MÜSSEN, wir ernähren uns von Gels, die die Konsistenz und den Geschmack von Zahnpasta haben und freuen uns auf ein ALKOHOLFREIES Weizen im Ziel nach einem anstrengenden Lauf. Verstehen Nicht-Läufer auch nicht.

Warum dann nicht auch Stabis, Ernährungs- oder Alltagstipps in Szene setzen? Seitdem wir unser Training und unser Essen regelmäßig posten, geben wir uns viel mehr Mühe, dass alles hübsch aussieht. Und ganz ehrlich: Sowohl das Training als auch das Essen machen damit gleich noch viel mehr Spaß. Und das motiviert uns gleichzeitig, dran zu bleiben, eine Routine zu entwickeln, mehr auf uns, unseren Körper und unsere Ernährung zu achten.

Nachdem Sandra Mastropietro mit ihrem „Abschieds-Post“ euch und damit auch uns zu mehr „real life“ animiert hat, sind wir nochmal in uns gegangen (dieser Artikel war da schon fast fertig). Und kurzzeitig waren wir bezüglich unseres Geltungsdrangs auch tatsächlich ein kleines bisschen beschämt. Und ja, auf unserem Instagram-Account ist einiges „geschönt“ – wir posten auch nur die hübschen Sachen, „hässliches Essen“ kriegt da keiner zu Gesicht. (Wobei ich diese Woche schon virtuell für mein Frühstück ausgelacht wurde, weil Maracuja einfach nicht sooo toll aussieht, aber umso besser schmeckt.)

Was echt ist (und bleibt), sind unsere roten Köpfe nach einer Trainingseinheit. Die kriegen wir so schnell nicht geschönt und auch ein Filter hilft da selten, uns etwas besser aussehen zu lassen. Und dass wir neulich nach einem wirklich harten Krafttraining etwa 20 Selfies geschossen haben, lag auch nur daran, dass unsere Arme so gezittert haben und jedes der 19 vorherigen Fotos verwackelt war. Ehrlich! 😉

Aaaaber: Wir machen das nicht (nur), um euch zu beeindrucken. Sondern auch, um uns selbst zu beeindrucken. Und ja, wir holen uns diesbezüglich Anregungen bei anderen Accounts und wir finden es auch nicht schlimm. Isabell wird zum Beispiel definitiv keine vegane Challenge machen. Warum? Weil sie Fleisch total gerne mag und einfach nicht darauf verzichten WILL. Das würde sich auch für uns nicht richtig anfühlen.

So viel Sport hingegen machen wir für uns. Euch wollen wir „nur“ davon erzählen. Und es gefällt uns, wenn es euch gefällt. Ja, wir bekennen uns: Eure Zuneigung ist unsere Motivation und dafür sind wir euch sehr dankbar und möchten umgekehrt Motivation an euch abgeben.

Social Media sind also Dank Likes und Kommentaren von anderen Usern so etwas wie der Trainingspartner 2.0. Also nicht per se etwas Schlimmes. Aber hey, vergesst bloß nicht, solche Momente auch mit „richtigen Menschen“ im richtigen Leben zu teilen. Man muss ja nicht nur in der WhatsApp-Gruppe über die Plank-Challenge diskutieren, sondern man könnte sich auch treffen, um sich gegenseitig anzufeuern, so lange zu halten, wie man kann – denn in Gesellschaft geht IMMER noch ein bisschen mehr als daheim im stillen Kämmerlein.

Und dass Social Media nicht schlecht sind, sieht man doch an uns: Wir haben uns schließlich über eine Facebook-Gruppe kennengelernt. Und dort noch viele andere tolle und laufverrückte Mädels. Mit denen wir heute übrigens wieder ganz real laufen, schwitzen und schnaufen werden. (Repräsentative) Fotos folgen! 🙂

Liebe Grüße, Isabell und Laura


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