Gelesen: Philospohie des Laufens (M.W. Austin / Peter Reichenbach)

von Run Munich Run am 27. Oktober 2015

„Laufen und Philosophie haben, vielleicht für einige überraschend, eine Menge gemeinsam. Beide sind häufig fordernd und häufig bereichernd. Beide erfordern Ausdauer und Geduld. Läufer und Philosophen ernten oft verständnislose Blicke von Nicht-Läufern und Nicht-Philosophen. Warum steigt jemand an einem kalten, dunklen Wintermorgen aus dem Bett, nur um acht Kilometer zu laufen? Und was um alles in der Welt macht man mit einem Abschluss in Philosophie?

Natürlich sind die meisten Läufer keine professionellen Läufer. Und genauso wenig sind die meisten Philosophen professionelle Philosophen. Wir sind alle Philosophen. Wir haben eine Vorstellung davon, was Wirklichkeit, was ein menschliches Wesen ausmacht, welches Leben das beste Leben ist und ob Gott existiert oder nicht, um nur ein paar unserer philosophischen Ideen zu nennen. Und meistens haben wir (hoffentlich gute) Gründe für unsere Überzeugungen.“

Verschiedene internationale Autoren – darunter Philosophen, Journalisten und natürlich Sportler – schreiben von Ihren Gedanken zur Philosophie des Laufens bzw. wie diese beiden Disziplinen zusammenhängen (können). Sie schildern die „sieben Voraussetzungen“ für den Erfolg beim Laufen oder wie man überhaupt zum Läufer wird. Uns wird eine „Predigt in vier Phasen“ zum „Runner´s Delight“ gehalten und auch die Schmerzen, die man als Läufer erträgt, werden nicht verschwiegen.

Wir erhalten außerdem Einblick in die Gedanken von Leistungsportlern oder sind „live“ dabei, wenn eine Autorin ihren ersten 10-Kilometer-Lauf absolviert. Ich selbst konnte mich dabei noch gut an meinen ersten Wettkampf erinnern, weshalb ich besonders bei diesem Kapitel richtig mitgefiebert habe. Auch das Training mit Lauf-Apps und eine „Abhandlung“ zum Marathonlauf werden selbstverständlich besprochen. Die einzelnen Geschichten/Aufsätze sind dabei mal mehr, mal weniger philosophisch angehaucht.

In der sogenannten „Aufwärmphase“ des Buches heißt es dazu: „Umso weiter man kommt, umso härter wird es. Einige Kapitel dieses Buches sind etwas komplexer, so wie die letzten Meilen eines Marathons. Aber so wie der Zieleinlauf beim Marathon ist das Nachdenken über die anspruchsvolleren Fragestellungen in diesen Kapiteln den Extraaufwand definitiv wert. Lesen Sie also ein Kapitel, bevor Sie das nächste Mal laufen gehen. Und wenn Sie dann nicht eines der großen philosophischen Mysterien der menschlichen Existenz lösen können, so haben Sie wenigstens etwas, über das Sie nachdenken können und das Sie von den Schmerzen in den Oberschenkeln ablenkt.“

Ich muss sagen: Das stimmt! Manche Kapitel fand ich wirklich etwas zäh und einige hab ich erstmal auf später vertagt. So, wie man als Anfänger nicht gleich einen langen Lauf startet, sondern sich erstmal über kürzere Distanzen langsam heranwagt.  So, wie man nicht „mal nebenbei“ laufen gehen kann, so ist dieses Buch auch keine seichte Lektüre, das man so zwischen Tür und Angel, beim fernsehschauen liest oder lesen sollte. Zumindest ich musste mich bei einigen Kapiteln richtig konzentrieren. Und die, die mir aktuell zu anstrengend waren, hab ich erstmal geschoben. So, wie ich Intervall- und Stabitraining gerne mal schiebe.

Allen, die sich etwas tiefer mit Laufen UND Philosophie  befassen möchten, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Wer Trainingstipps oder „Läufer-Lach-und-Sachgeschichten“ erwartet, wird jedoch möglicherweise enttäuscht.

Mehr Spaß als über das Laufen zu lesen macht jedoch in jedem Fall das Laufen selbst.

#keeponrunning, eure Isabell


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Marc Oktober 27, 2015 um 13:59

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