Grazathlon – finished! Sandra´s Erfahrungen bei Österreichs härtester Sightseeing Tour!

von Sandra Mastropietro am 18. Juni 2013

Du weißt, dass Du gerade den Grazathlon, die härteste Sightseeing Tour Österreichs, gemeistert hast, wenn…

Du am Ende Deiner Kräfte bist und trotzdem die ganze Welt umarmen möchtest!

Du den angetrockneten Schlamm an Dir mit Stolz trägst

Du Dich über „nur“ ein paar Blutergüsse an Knien und Ellenbogen freust – es hätte durchaus schlimmer kommen können 😉

Hallo liebe Leser,

atemberaubend, kräftezehrend, schmutzig und emotional sind nur ein kleiner Teil der vielen Worte, die in Verbindung mit dem Grazathlon, einem Hindernislauf durch die wunderschöne Grazer Innenstadt, aus mir heraussprudeln.

Nachdem ich 10 Wochen lang auf den Grazathlon, meinen 1. Hindernislauf, hin trainiert habe, konnte ich den Startschuss am Samstag, 15.06.2013 um 18:00 Uhr im Augarten, kaum erwarten.

Den ganzen Tag über habe ich mit meiner Familie die Stadt Graz erkundet und bin voller Ehrfurcht an den Hindernissen, die ich später mit meinem Schweiß tränken werde, vorbeigelaufen… ein mulmiges Gefühl, gemischt mit Vorfreude und einer unbeschreiblichen Nervosität.

Oh bitte lass es endlich um 6 Uhr abends sein…

16:30 Uhr Mit Manfred, meinem österreichischer Freund und heutigem „Kampfpartner“, mache ich mich langsam auf dem Weg vom Hotel zum Augarten, dem Startpunkt des Grazathlons. Entlang am Stadtstrand der Mur schlendern wir andächtig und überlegen, wie wir welches Hindernis am besten angehen.

(Dass die Theorie auch bei Hindernisläufen nicht der Praxis entspricht, wird sich später zeigen 😉 )

17:00 Uhr Im Augarten angekommen. Die Luft scheint vor Anspannung zu brennen. Hindernisse überall. Wo man hinsieht, werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Heißt: Schuhe an den Füßen fixieren und  fest-tapen, um sie auch bloß nicht im Matschcontainer zu verlieren, Knieschützer anziehen, ausreichend trinken und sich Mut zusprechen.

Augartenpavillon

18:00 Uhr Der 1. Startschuss fällt unter lautem Jubel, Freudenschreien und anhaltendem Applaus, der die heiße Luft durchschneidet. In Gruppen von ca. 100 Leuten starten wir im 60 Sekunden Takt. Dieses versetzte Starten ist wichtig, um Staus bei den Hindernissen zu vermeiden oder zumindest zu minimieren.

18:06 Uhr Manfred und mein Startschuss: High Five – los geht’s! Nach ca. 250 Metern liegt ein großer Baumstamm im Weg – ein „ungeplantes“ Hindernis, das mit Freude begrüßt und Leichtigkeit überwunden wird. Ein toller Auftakt.

Nach ca. 600 Metern „der Wildwechsel“. Hier schwingen wir uns über das Geländer zwischen Radweg und der ca. 2,5 Meter tieferliegenden Straße. Es gibt eine Vorrichtung zum Abseilen; doch nach einem kurzen Blickwechsel sind wir uns einig: Wir springen.

Monkeyland

Der asphaltierte Weg führt uns den Grieskai entlang zurück in den Augarten, wo uns das nächste Hindernis erwartet …und eine Ansammlung von Teilnehmern, die darauf warten, „Monkeyland“ absolvieren zu können. Ok; ein erster kleiner Stau. Manfred und ich verschnaufen und da wir sowieso kurz warten müssen, erzähle ich Euch, was es mit dem „Monkeyland“ so auf sich hat 😉

Hierbei handelt es sich um eine 3 Meter hohe Stahlkonstruktion, an der man sich affengleich 12 Meter von einem zum anderen Ende hangeln muss. In der Mitte des Hindernisses sorgt eine 2 Meter hohe Holzwand  dafür, dass Leute, die hinunterfallen, nicht einfach durchrennen können.

Ha, es geht weiter. Nach einer 5 Minütigen Pause dürfen Manfred und ich hangeln. Mh, nun ja, was soll ich sagen? …Fallobst, wäre eine passende Assoziation 😉 …Die Wand in der Mitte meistern wir dafür aber umso gelassener 😉

Rutschpartie

Keine Zeit zum Nachdenken, oder sich gar von dem kleinen Fauxpas entmutigen zu lassen, dass nächste Hindernis wartet.

Die Rutschpartie“ ist eine durchgängig bewässerte, lange Plane, auf die man sich drauf setzt und hinunter in den Schlamm saust. Ein Heidenspaß. 🙂

Hupf in den Gatsch

Weiter zum wahrscheinlich meist diskutierten Hindernis: „Hupf in den Gatsch“. Uns erwarten drei aneinandergereihte Muldencontainer, die hüfthoch mit Schlamm gefüllt sind. Das Durchwaden und besonders das Hinüberklettern in den nächsten Container sind zäh, aber machen Spaß und gute Laune – wann hat man schon mal die Gelegenheit, in ein Schlammbad zu nehmen 😉

Matschcontainer

Wir folgen der Matschspur an der Mur entlang in Richtung Innenstadt, wo uns in der Kalchberggasse jubelnde Zuschauer empfangen. Ich bin mir sicher, wir geben ein witziges Bild ab, so in Matsch getränkt, bereits jetzt schon vollkommen außer Atem (Laufen in vollgesogenen Schuhen ist wirklich anstrengend 🙁 ).

Laufmasche

Als wir auf den Hauptplatz einbiegen, ragt das nächste Hindernis schon unübersehbar empor. „Die Laufmasche“, eine sogenannte „Festung aus Netzen“ ist 5 Meter hoch, 6 Meter breit und 10 Meter lang. Das schnelle Hinauf- und Hinabklettern fordert Konzentration, denn die Maschen sind breit und schwingen mit den Leuten, die versuchen, das Hindernis zu erklimmen, mit. Beim Abstieg wage ich wieder einen Sprung von etwa halber Höhe.

High Five mit Manfred und hinein ins Betonrohr. „Volles Rohr“ sind 8 Meter aneinander gereihte Betonröhren mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern. Schnell krabbeln wir hindurch und ich denke: Ein Hoch auf meine Knieschützer! 🙂

Die Strecke, immer noch gekennzeichnet von matschigen Fußabdrücken, führt uns einen weiteren Kilometer durch die idyllische Altstadt von Graz, geradewegs zu dem Hindernis, auf das ich wohl am gezieltesten hintrainiert habe. Hinter dem Hindernisnamen „Vorsicht Stufen“ verbergen sich die 260 Treppenstufen über etwa 100 Meter Höhenunterschied, vom Schloßbergplatz hinauf zum Uhrturm (dem Wahrzeichen der Stadt)

260 Stufen alleine sind ja schon schweißtreibend, aber 260 Stufen bei 28 Grad, in  nassen Schuhen, nach 6 Hindernissen und 4 Kilometern – puhhhhhhhhhhhhhhhhhhh. Die Oberschenkel brennen, die Hände klammern sich mit aller Kraft ans Geländer. „Gruppen-Treppensteig-Dynamik“ entwickelt sich. Gleich haben wir es geschafft, gleich gleich gleich! Gemeinsames Schnaufen, gemeinsames Keuchen, gemeinsames Schwitzen.

Im Schweiße, nein im Schlamme, unseres Angesichts erreichen wir den Uhrenturm. High Five!

Die Serpentinen, die wir im kühlen Schatten der Bäume hinunterrennen, stellen eine Art Erholung nach dem harten Anstieg dar. Leider hält diese nicht lange an.

Am Karmeliterplatz wartet „die Strohwitwe“ auf uns. Hier ist wieder Kraft und Teamgeist gefragt. Das 6 Meter breite und 3,5 Meter hohe Hindernis aus Stroh erweist sich als tückisch, da man beim Hinaufklettern kaum Halt an dem Stroh hat. Auf die erste „Etappe“ robbe ich wie eine Raupe, bei der Zweiten muss Manfred nachhelfen. Oben angekommen reiche ich Ihm meine Hand. Gemeinsam sind wir stark 🙂

Tutti Paletti

Im Sauseschritt geht es den Berg hinunter zum Freiheitsplatz; zum „Tutti Paletti“, einem Hindernis aus rund 400 Paletten, die zu 4 unterschiedlich großen Türmen aufgebaut sind. Das größte hat beinahe 3 Meter Höhe. Zwischen den 4 Palettenstapeln ist jeweils ca. 1 Meter Platz.  Mein geistiges Auge zeigt mir auf, wie es aussehen könnte, wenn ich mich hier bei einem Sprung von Palettenturm zu Palettenturm überschätze… Nicht der Sprung von ca. einem Meter stellt die Schwierigkeit dar, sondern der Höhenunterschied von Stapel zu Stapel.

Ein Blickwechsel, ein Schulterklopfer von Manfred, Konzentration und Sprung. Geschafft 🙂

Und nochmal; geschafft. Jetzt wird es wieder niedriger … hops. Juhu, geschafft. High Five und auf zum nächsten Hindernis 😉

Hinein in den  Stadtpark zum 10. Hindernis. Also fast schon Endspurt 🙂 Manfred und ich geben auf dem schattigen Parkweg Gas und lassen unserer Läufernatur quasi freien Lauf 😉

Chippendales 😉

Wir überholen eine Gruppe junger Männer, die mit freien Oberkörpern rennen, die Stadtnummer auf das Sixpack geschrieben. Assoziationen mit den Chippendales bleiben nicht aus; Begeisterung und Jubelrufe von weiblichen Zuschauern am Streckenrand.

Up and ...

Up and Down“ und wieder eine Reihe von Menschen, die es bestreiten wollen, heißen uns willkommen. Ein Stau von ca. 8 Minuten gibt unserem Körper kurz Zeit sich etwas zu regenerieren.

Die Stimmung in der „Warteschlange“ ist super. Es werden Eindrücke ausgetauscht, Wunden gezeigt und Freundschaften geschlossen.

... down

Endlich sind wir an der Reihe. „Up and down“ nennt sich ein Hindernis aus Holzstämmen in unterschiedlichen Höhen und Konstellationen. 30 Meter lang und 5 Meter breit klingt ja schon schlimm…aber die Höhe von nur ca. 40 Zentimetern ist es, die mir wirklich zu schaffen macht. Vor mir Füße, neben mit Ellenbogen, über mir schwere Holzstämme. Ein leichter Anflug von Panik. Tief durchatmen Sandra, denk an was Schönes…

Mein Herz hämmert in meiner Brust, schlägt bis zum Hals. Ich habe das Gefühl, bei einem Quäntchen mehr Belastung spucke ich es auf den Asphalt.

Doch auch dieses Hindernis geht irgendwann vorbei und schon während ich die letzten Meter über den Boden unter den Stämmen hindurchrobbe, sehe ich Manfreds helfende Hand, die mir aufhilft.

Weiter geht’s! Nur noch 5 Hindernisse.

Kriechenland“ stellt nach dem letzten Hindernis nun wirklich kaum noch eine Schwierigkeit dar. Hier sind auf einer Länge von 15 Meter Baugitter über Strohballen gelegt, es gilt, schnellstmöglich darunter durch zu robben.

Nur noch 4 Hindernisse.

4 gewinnt“ sind 4 in Laufrichtung stehende, wacklig ausschauende Holzwände, über die man irgendwie drüber muss. Irgendwie. Ich verzweifle schon beim Ersten, dem Niedrigsten der 4. L Räuberleiter! 1. Wand geschafft. Die 2. ist noch höher – ohweh. Wieder Räuberleiter, diesmal mit Hilfe von Manfred und noch einem jungen Herren, der mich straucheln sieht und sofort Hilfe anbietet. Die Hindernisse sind nicht allein zu bewältigen; und genau das macht den Grazathlon und den einzigartigen Spirit bei Hindernisläufen generell aus: gegenseitiges Helfen und Spaß an der Sache. Das Miteinander.

Wir laufen wieder an der Mur entlang zurück zum Augarten. Der Matsch ist inzwischen angetrocknet, die Schuhe nur noch feucht. Noch 3 Hindernisse, dann haben wir es geschafft.

Die 1,5 Kilometer, die wir am Stück laufen, sind trotz der schweren Beine pure Erholung. Manfred und ich scherzen und genießen die kühle Brise an der Mur entlang.

Hindernis 13: „Die Murnockerl XXL“ 9 große Steine, die uns im Weg liegen 😉 1,5 Meter hoch. Mit meiner verbleibenden Kraft drücke ich mich zwischen 2 Steinen hoch und springe dann von einem zum anderen. Manfred ist dicht hinter mir.

Hindernis 14: „Full House“ Hier müssen wir durch den 2 Meter hohen Augartenpavillon. Am Pavillon gibt es einen kleinen Absatz, der beim Hinaufziehen an den Latten sehr hilfreich ist. Auf der anderen Seite springen wir hinunter. Die Beine schmerzen aber das ist egal.

Nur noch 1 Hindernis!

Gib Gummi!

Das 15. Hindernis: „Gib Gummi“ saugt die letzten Kräfte. 1000 Autoreifen die über 15 Meter aufgehäuft sind. Wir sprinten auf das letzte Hindernis zu und versuchen schnellstmöglich und mit allerletzter Kraft den Reifenberg zu erklimmen. Die Reifen geben nach, doch irgendwie schaffen wir es nach oben und unter vollem Körpereinsatz nach unten. Jetzt noch 100Meter ins Ziel…50 Meter.. JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!! Wir haben es geschafft!

Zieleinlauf Grazathlon

Manfred und ich laufen Hand in Hand unter dem orangenen Zielbogen durch und fallen uns danach in die Arme. Juhu.

Im Ziel erwarten uns unsere Familien. Marina, meine Tochter, findet es toll,  dass die Mami so schmutzig ist und lacht und klatscht.

Freudestrahlend und adrenalindurchströmt umarme ich Mann und Kind, Manfred seine Frau. Wir sind völlig erschöpf und doch so unendlich glücklich und stolz, unseren 1. Hindernislauf erfolgreich absolviert zu haben, ein Teil des großen Ganzen gewesen zu sein.

Alle 1276 Mitläufer sind neu gewonnene Freunde, denn wir teilen ein einzigartiges Erlebnis.

Zeit für 8,3Kilometer und 15 Hindernisse: 1:10 Minuten.

Davon Wartezeit: 13 Minuten

Wir sind sehr zufrieden.

Nach einem Red Bull (man ist ja schließlich in Österreich 😉 ) und einem kalten Indi Coco kehren langsam die geschwundenen Kräfte zumindest ansatzweise zurück.

Nach einer ausgiebigen Dusche und in saubere Klamotten gehüllt, lassen wir den ereignisreichen Tag gemütlich in einem typisch steirischem Restaurant ausklingen. Noch sind meine Erlebnisse zu frisch, um meiner Familie zu berichten was und wie ich es erlebt hatte.

Inzwischen sind wir wieder zurück in der Heimat. Der Familienausflug ins wunderschöne Graz war mehr als gelungen, der Lauf ein voller Erfolg. Gerne nächstes Jahr wieder!

Ich freue mich jetzt schon darauf. 🙂

Outfit nach dem Grazathlon

Danke für Euer Interesse an meinem Blog, Ihr seid spitze 🙂 Ich bin immer wieder gerührt, wenn ich Eure likes und Kommentare sehe, vielen vielen Dank!

Außerdem ein ganz dickes Danke an meinen Mann, der mich bedingungslos in all meinen verrückten Vorhaben unterstützt und danke an Annika, die sich mir auch dieses Mal wieder angenommen hat und mich im Training, als nichts mehr zu gehen schien, doch zu noch mehr motiviert hat.

Vielen lieben Dank auch an Orthomol Sport & Indi Coco, die mich während der Trainingsphase so toll unterstützt haben. Ich schwöre inzwischen auf beide Produkte!

Vielen Dank auch an Sportograf.com, von denen einige der hier veröffentlichten Bilder stammen.

Last but not least: Manfred! Manfred, Du warst wirklich der beste Running Partner, den man sich für den ersten Hindernislauf vorstellen konnte. Vielen lieben Dank für Deine Unterstützung. Du bist mein Grazathlon Held! 🙂 Es lebe die Deutsch-Österreichische Freundschaft 😉


{ 1 Kommentar… lies ihn unten oder füge einen hinzu }

Leitner Siegfried Juni 29, 2013 um 01:30

Hallo. Wir sind aus Tirol, und waren ebenfalls in Graz dabei. Super geschrieben, tolle Aufmachung. Danke für deinen Blog. Lg: Sigi und Astrid

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