Grüße aus Indien – Sandra 2 Tage vor dem Mumbai-Marathon

von Sandra Mastropietro am 17. Januar 2014

Namsté liebe Leser,

ich sende Euch warme und herzliche Grüße aus Bombay, bekannt als Mumbai!

Die „Maximum City“ des Landes, welche im Spagat zwischen 19. und 21. Jahrhundert steht, droht die Balance zu verlieren. In der 100 Klassen- bzw. Kastengesellschaft lässt sich ein Teil der Bevölkerung in klimatisierten Oberklassenautos durch konfusen Verkehr chauffieren, das Handy am Ohr, während der andere Teil nicht mal ein Festnetzanschluss oder überhaupt ein Auto besitzt. Wieder andere haben nicht mal ein stabiles Stromnetz oder gar Zugang zu fließend Wasser, geschweige denn ein Haus oder eine Wohnung.

Schockiert und gleichzeitig fasziniert stelle ich fest, dass sich ich in meiner 4-jährigen „Indien-Abwesenheit“ nahezu nichts verändert hat…aber warum und wie sollte man auch ein irgendwie funktionierendes System aus 19 Millionen Menschen, die auf engsten Raum mehr oder minder friedlich zusammenleben, ändern wollen?

…genug philosophiert 😉

Wie verliefen die letzten Wochen Training in Deutschland?

Das Jahr 2013 endete für mich, wie es begonnen hat; nämlich mit einem Lauf 🙂

Allerdings habe ich bei dem als schnell geplanten 10 Kilometer Silvesterlauf „den Fehler“ gemacht, mich ganz hinten einzureihen. Heißt: Das erste Drittel der Strecke glich einem Hindernislauf. Nahezu 20 Minuten dauerte es, bis ich mich an all den dicht beieinander laufenden Grüppchen in dicken Baumwollhoodies und weiten Couchhosen vorbei, bis hin zur Individuallaufenden ClimaCool und DryFit  Fraktion, geschlängelt habe…

Moment; was habe ich da gerade gedacht?! Habe ich wirklich das Laufverhalten anhand der Kleidung festgemacht? Erschrocken von meinen eigenen Gedanken frage ich mich, ob ich unter all dem „Marathonstress“ zu einem dieser verbissenen Runner mutiert bin, die nur noch Ihre Leistung sehen und keine Freude mehr am Sport ausstrahlen?! :-O

(*Strafhausaufgabe für mich: Der nächste Lauf findet ohne Uhr und in Couchhose statt!!! 😉 )

Das Resultat: Die ersten 5 Kilometer bin ich in 25:40 Minuten gelaufen, die zweite, bergigere Hälfte in 23:09 Minuten und im Zielsprint wurde ich von einen Baumwoll-Kaputzenpulliträger überholt 😉

Resümee im Vergleich zum Silvesterlauf 2012: Durch konstantes Training 8 Minuten schneller als im Vorjahr 🙂

Die 15 Kilometer der Winterlaufserie am 04. Januar

Juhu – hier ist er: Der letzte offizielle Lauf vor dem Mumbai Marathon. Meine Zielzeit beträgt 1 Stunde 16 Minuten; was Petrus mit Schneeregung und starken Böen zu verhindern versucht.

Trotz des schlechten Wetters entdecke ich Annika, meine Freundin und Trainerin, am Rand. Sie reckt Ihren Daumen nach oben. Heißt wohl weiter so! 🙂

Auf Kilometer 14 erwartet sich mich wieder; schreit Los geht’s ! und pushed mich somit den letzten Kilometer bergauf nach 1:14:41 über die Ziellinie.

„Du bist noch viel zu aufrecht gelaufen, da wäre also mehr gegangen! Sehr gut! Perfekt für den letzten großen Lauf“ sagt Sie zufrieden und klopft mir auf die Schulter!

Danke Annika, tausend Dank für alles – Du bist die Beste!!! 🙂

Ich bin erleichtert, fühle mich unglaublich gut…der Vorbereitungsstress der letzten Wochen fällt spürbar von mir ab. Das Training ist beendet, ab jetzt stehen nur noch lockere Läufe an! 🙂

…Meine Erleichterung äußerst sich noch am selben Abend in Form von Halsweh! 🙁

Schmerzen beim Essen, Schmerzen beim Trinken, Kraftlosigkeit. Betrübt schleppe ich mich zum Arzt und hoffe, dass ich mir alles nur einbilde! Pustekuchen! Diagnose: Rachenentzündung. „So können sich sicher nicht laufen! Mit Halsweh rennen ist das Ticket zur Herzmuskelentzündung. Wenn Sie kein Antibiotika wollen, kann ich Ihnen eigentlich nur empfehlen auf Hausmittel zurückzugreifen…und das kann etwas dauern. “

Dicke Tränen laufen meine Wangen hinab. Der Traum vom Mumbai Marathon ist aus. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so niedergeschlagen war.

Ok, getreu dem längst überholten Motto „Viel hilft viel“ versuche ich also alles an Hausmitteln, ständig und quer Beet. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt, richtig? Marathonies geben schließlich nicht so einfach auf!

Puren Ingwer kauen (ayyyyyayyyaaayyy wie scharf!), literweise Thymian-Salbei stützen, stündlich Salzwasser gurgeln sowie die permanente Einnahme von alkoholischen, homöopathischen Tropfen und die großartige Pflege meines Mannes inklusive hausgemachter Hühnersuppe haben schließlich dazu geführt, dass ich kurz vor Abflug wieder fit wurde! 🙂

Danke an dieser Stelle an Alle, die mich mit wertvollen Hausmitteltipps versorgt haben 🙂

Indien

Inzwischen bin ich in Indien angekommen und konnte sogar schon zwei ganz lockere Läufe mit meiner Freundin Kranti, bei der ich auch wohnen darf, absolvieren.

Die Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit und der Smog machen mir, wie erwartet, ziemlich zu schaffen aber ich bin dennoch durchweg optimistisch und zähle gemeinsam mit Kranti die Tage bis zum „D-Day“.

Der Startschuss wird deutscher Zeit um 1 Uhr nachts von Samstag auf Sonntag fallen. Wer da noch wach sein sollte, darf gerne Daumendrücken 😉

Bis dahin heißt es jetzt eigentlich nur noch magenfit bleiben und den Jetleg wegrelaxen, sodass ich in 2 Tagen topfit an der Startlinie stehen kann 🙂

Gateway of India

Ganz ganz liebe Grüße und Phir Milenge (Hindi: Bis Bald)

Sandra


{ 3 Kommentare… lies sie unten oder füge einen hinzu }

André Januar 17, 2014 um 08:46

Hallo Sandra,

nochmal vielen Dank für die vielen tollen Artikel und dass Du uns an Deinen tollen Projekten teilhaben lässt. Das ist wirklich sehr inspirierend und motivierend zugleich.

Jesse Owens (Goldmedaillengewinner 1936) sagte mal: „Wir haben alle Träume. Doch bevor die Träume Realität werden, gibt es eine ganze Menge Entschlossenheit, Hingabe, Selbstdisziplin und Anstrengung.“

Die Hausaufgaben hast Du längst mit Bravour erledigt, jetzt hol Dir Deinen Traum!

Ich wünsche Dir für Sonntag ganz viel Spaß, genieße den Marathon, bleib gesund und komme gut durch!

LG,

André

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Birki Januar 17, 2014 um 10:04

Ich drücke die Daumen und werde wach sein wenn Dein Startschuss fällt.
Ich bin zutiefst beeindruckt von Dir,
das Du Dir ausgerechnet diesen Marathon ausgesucht hast, in dieser smokigen Stadt, bei der hohen Luftfeuchtigkeit.
Pass gut auf Dich auf und ich drücke wie gesagt die Daumen.
Hab ein gutes genussvoles Finsih!
Namastè!
Birki, die auch läuft

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Thomas Neumann Januar 17, 2014 um 21:25

Sandra 🙂 Ich wünsche Dir ganz ganz viel Erfolg!!!!! Mach uns stolz 😀 LG. Tommy

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