Hoka One One Vanquish 2

von Florian Boehme am 6. April 2016

HOKA One One Vanquish 2
VN:F [1.9.15_1155]
Design
Passform / Laufgefühl
Material / atmungsaktiv
Verarbeitung / Haltbarkeit
Preis / Leistung
Rating: 8.3/10 (5 votes cast)

 

Hoka One One Vanquish 2 im run.de Test! 

Okay, ich gebe zu die Firma Hoka kenne ich aus dem Ultralaufsport schon seit Jahren. Die Begeisterung und Überzeugung die teilweise gerade beim Ultralaufvölkchen für diesen Hersteller herrscht konnte ich nie nachvollziehen und ich denke auch nach meiner Testphase weiß ich nicht woher dieser Hype kommt. Ich lasse mich jedoch gerne aufklären.

Hoka selbst an den Füssen hatte ich zum ersten mal im Jahre 2014 am Gardasee als ich bei einem örtlichen Schuhhändler in Arco ein radikal reduziertes Modell für rund 500 Meter durch die Altstadtgassen trug. Mir hatten die 500 Meter vollkommen gereicht für meinen Entschluss diese Schuhe nicht zu erwerben.

Entsprechend demotiviert und fast schon voreingenommen ging ich an den Test und muss dennoch sagen dass ich positiv überrascht wurde; sich jedoch auch einige Vorurteile bestätigt haben.
Aber wie sage ich immer so schön: die Katze ist nicht schuld wenn sie nicht schwimmen kann, sondern der Käufer der besser einen Goldfisch hätte kaufen sollen.

Erst einmal die Zahlen: der Schuh in US Größe 12 (das sind 46 2/3 EU) bringt 342 Gramm auf die Waage. In Größe 42 2/3 sind es noch 280 Gramm. Der Preis liegt bei einer UVP von 159,99€. Er kommt für Neutralfüsser auf den Markt. Die Sprengung liegt bei gerade mal 4,5mm obwohl man bei  der Dicke der Sohlen eigentich deutlich mehr vermuten würde.

Optisch erinnert der Schuh an die 90er als es “in” war in Buffalo bzw. Plateauschuhen um die Häuser zu ziehen. Zugegebenermaßen mein erster Lauf in den Stelzen 2014 fühlte sich in den Gassen auch so an. Enorm viel Sohle. Für die Menge an Schuh zwar wenig Gewicht aber dennoch Klötze an den Beinen und je mehr Dämpfung und je mehr Abstand der Fuss zum Untergrund desto hochkoordinativer das “Laufgefühl”. Soll heißen: schwammig und irre verletzungsanfällig da die Bänder gerade im hohen Geschwindigkeitsbereich und langen Schritten irre viel Stabilität verrichten müssen. Klaro geht das auf die Bänder, später auf die Pace und wenn das Hirn unter der Sonne dahin schmilzt oder man einfach schon stundenlang durch die Gegend irrt, dann steigt damit sicherlich auch das Verletzungsrisiko immens an.

Gut, 2016 ist nicht 2014. Es hat sich etwas getan. Auch wenn man auf den ersten Blick noch immer denkt man hat einen Klotz im Karton sieht dieser getragen an den Füssen schon gar nicht mehr so schlimm aus. Und vom reinen Laufgefühl ist er schon eher gleichzusetzen mit bekannten Schuhmodellen wie z.B. Asics Gel Nimbus oder dem ein oder anderen schweren New Balance Treter. Strammer als ein Saucony Kinvara jedoch nicht so flummihaft wie ein Ultraboost. Eben irgendwo zwischendrin.

Das Obermaterial vom Schuh ist ein großes Stück und besteht nicht wie üblich aus mehreren Teilen die später zusammengenäht wurden. Ich habe mit meinen schmalen Füssen jedoch zu viel Platz im getesteten Modell und musste daher die Schuhe sehr eng schnüren. Der Hoka One One Vanquish 2 ist wohl eher für Personen mit breiten Füssen geeignet. Sie sind daher vergleichbar mit dem Puma Ignite in Sachen Passform des Obermaterials. Im Laufen jedoch nicht ganz so schwammig; jedoch leicht höher als im Puma Schuh.

Der Grip selbst bei Regen ist ordentlich. Klar krallt sich die Sohle nicht auf den Asphalt oder Schotterweg (wobei momentan die Schotterwege teils noch leichtes Moos tragen) aber der Schuh ist laufbar. Asphalt und Schotter geht, aber auf Trails würde ich die Schuhe nicht tragen.

Wer es gewohnt ist über Monate Leichtgewichtschuhe zu tragen wird spätestens nach fünf zackig gelaufenen Kilometern darüber nachdenken ob er einmal Gehpausen einbaut damit er überhaupt beim ersten Mal über 10km schafft. 3:50 ist das neue 3:30 sag ich mir nach den ersten Einheiten. Also vom Gefühl musst Du mehr Kraft investieren dass Du das auf das gleiche Tempo kommst wie mit “normalen” also leichteren Modellen.

Gut, Aufgabe von Hoka mag es sicher nicht sein Läufer zu begeistern die 32 min auf 10km anvisieren oder den Marathon unter 2,5 Stunden schaffen wollen. 😉

Sie möchten sicher eher den Genussläufer ansprechen der seinen Rucksack schnürt und nach Route läuft und für den die Pace egal ist und einfach nur unterwegs sein will. Den Läufer den der Laufstil sekundär ist und einfach nur geniessen will und seine Runden drehen will. Hügel rauf, Hügel runter; mit eventueller Einkehr auf einer kleinen Hütte und im Sommer oberkörperfrei den Blick von einer Bank aufs Tal geniesst und die Sommerluft einatmet. Weder der der in der Stadt über Zebrastreifen “flüchtet” und von Fahrbahn auf Bordstein hin und her springt, begleitet von stetigen Blicken auf den Pulser. Durchschnittspace? Aktuelle Pace? Distanz? Wie lange noch? Puls okay?

Genuss und Stille

Für jemand der sich hier klar als “Geniesser” wieder erkennt für den dürfte dieser Schuh etwas sein! Das Tragegefühl ist sehr angenehm, auch wenn jede Einheit erst einmal an “Beinkrafttraining” erinnert. Wer jedoch schwere Modelle gewohnt ist wird hiermit keine Probleme haben und sich bereits zu Beginn wohl fühlen. Ebenso derjenige mit “Trippelschritt” bzw. kurzer Schrittlänge wird gefallen an diesem Modell finden.

Die Haltbarkeit konnte ich derzeit nur begrenzt testen. Die Abnutzung zeigt die Schuhe nach ca. 75km. Also für einen Ultraläufer gerade einmal “angekratzt”. Dennoch sieht man bereits im Fersenbereich deutliche Abnutzungen und man kann vermuten dass der Schuh wohl nach spätestens 200 Kilometern auch hier auf der weissen Dämpfung gelaufen wird. Beim Preis von knapp 160€ und mit dem Gefühl der Schuh sei für Läufer entwickelt die gern sehr sehr viele Kilometer damit laufen ist das wiedermals ein absolutes No-go und sie sind meiner Meinung nach in der Haltbarkeit wie damals der Puma Ignite durchgefallen.

Ein kleiner Nachsatz zu anderen Modellen die ich vorher mal testen durfte und nun noch mehr Kilometer auf den Sohlen haben:

Die Puma Ignite und der Under Armour Speedform Fortis haben beide rund 200km drauf. Beide habe ich am Anfang der Woche zur Schuhgabe gegeben und diese werden wohl demnächst in Togo/Afrika auf den Laufbahnen getragen. Hier war ich schon deutlich auf der Dämpfung und die Sohle war übermässig abgelaufen. Mit sämtlichen adizero Modellen habe ich heute noch meine Freude daran nach über 400km. Und gerade diesen Modellen habe ich am wenigsten Haltbarkeit zugetraut zu Beginn. Sie sind daher meine absoluten Haltbarkeitssieger.
Den Ultraboost trage ich nur noch in der Freizeit. Die Haltbarkeit ist viel zu gering und wer hohes Tempo läuft ruinert sich mit der zu flummiartigen Dämpfung evtl. die Knie.
Dieser Schuh wäre schon längst ein Fall für Togo gewesen. 😉
Die Wave Rider von Mizuno erweisen auch weiterhin lange Freude durch die Haltbarkeit.

Getestet werden übrigens alle Schuhe immer auf Asphalt was natürlich den Abrieb der Sohle begünstigt. Ein Ignite oder Hoka gelaufen über Sand und Waldboden/Kies hält natürlich auch wieder etwas länger.

Fazit:

Zurück zum Hoka: wer gern schnell läuft und wer schwere Schuhe nicht schätzt, der sollte diese Modelle meiden. Wer nicht unbedingt nur Asphalt läuft und wer es schätzt beim Laufen ein gutes Tragefühl zu haben, der macht mit dem Vanquish 2  sicherlich nichts falsch. Die gelaufene Zeit sollte dann jedoch Nebensache sein. Der Schuh ist eher was für Genußläufer.

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