Interview mit den weltweit schnellsten Marathonzwillingen: Anna und Lisa Hahner

von Run Munich Run am 2. April 2015

Kuchen gehört für die beiden zum festen Ritual in ihrem Tagesablauf. Vor Wettkämpfen experimentieren sie auch mal gern und essen belgische Waffeln und mit dem Laufen haben sie erst mit 17 Jahren begonnen. In Deutschlands derzeit schnellsten Marathonläuferinnen stecken so einige Überraschungen.

Beim gestrigen Google Hangout hatten sechs Redakteure die Möglichkeit Anna und Lisa Hahner etwas besser kennenzulernen. Wer die Hahnerzwillinge in den Medien oder während eines Rennens schon einmal beobachtet hat, der weiß, dass die beiden immer strahlen und eine Leichtigkeit versprühen. So viel positive Ausstrahlung steckt an, das haben wir definitiv im Gespräch gemerkt. Anna und Lisa sind sehr aufgeschlossen, lachen viel und plaudern auch gern aus dem Nähkästchen. Im Gespräch mit uns erzählen die Hahnerzwillinge von ihrem Training und Alltag, Werdegang und Hobbys, Wettkämpfe und Events, das Zwillingsimage und geben uns Hobbyläufern Tipps zum schönsten Sport der Welt.

Ein typischer Tag bei den beiden beginnt meist schon früh: es ist selten, dass Anna und Lisa länger als 7 Uhr schlafen. Nach dem Frühstück steht erst einmal Arbeit am Computer, wie Homepagepflege an. Danach folgt eine Trainingseinheit, zum Beispiel auf dem Ergoracer. Nachmittags ist das obligatorische Kuchenessen besonders wichtig, ohne dieses vergeht kein einziger Tag. „Kuchen essen ist für uns ein festes Ritual, eine feste Mahlzeit“, so Anna.

Die Zwillinge essen Kuchen nicht nur gerne, sie haben auch eine Leidenschaft fürs Backen. „Wir haben einen sehr guten Stoffwechsel und brauchen extrem viel Energie. Klar, den restlichen Tag ernähren wir uns total ausgewogen, alles weitere ist dann für die Seele. Leute, die mit uns im Trainingslager waren, können sich gar nicht vorstellen, dass wir so viel essen. Aber wir kommen halt aus einer Großfamilie, da muss man schnell sein, sonst ist alles weg“, erzählt uns Anna. Doch nicht nur Kuchen, auch Schokolade gehört nach dem Abendessen dazu.

Wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann, sind die langen Läufe, also die marathonspezifischen Einheiten, ihre liebste Trainingsform. „Man hat zwar den größten Respekt davor, aber das ist normal“, so Lisa. „Gerade in Äthiopien, wenn wir um 7 Uhr gestartet sind und dann schon um kurz nach 9 Uhr fertig waren, das ist ein super Gefühl. Gerade für das liebe ich die langen Einheiten“, schwärmt Anna. Aber natürlich haben auch Profisportler Trainings, die sie weniger gern absolvieren. Das seien beispielsweise 10 mal 1500 Meter auf der Bahn. „1500 Meter, da ist die Distanz zu kurz, um eine schöne Geschwindigkeit zu haben, da es zu schnell ist. Es ist ok, aber nicht, dass ich in Jubelschreie ausbreche“, sagt Anna.

Einer ihrer Motivationstricks ist, dass sie die erste Runde bewusst einen Tick zu schnell läuft. „Ich kann es überhaupt nicht haben, wenn ich den Zeiten hinterherrenne“. Wenn man sich in der ersten Runde richtig pusht, dann denkt man nur daran, dass man in der nächsten Runde wieder die gleiche Zeit läuft und in der übernächsten auch. „Es ist wichtig, dass man im Kopf gar nicht die Option hat, dass man das nicht oder weniger macht. Man kann es sagen, aber nicht überlegen, ob man es wirklich macht“. Und am besten man freue sich auf das Gefühl danach, wenn die Trainingseinheit geschafft ist.

Komplett sportfreie Tage gibt es normalerweise nicht, aber es gebe eben auch Tage mit Alternativtraining, wie Radfahren. Zusätzlich machen die beiden noch mentales Training. Das bedeutet, negative Gedanken in Positive umzuwandeln. Anna stellt sich beispielsweise die Aura von Top-Läufern vor, die eine super Ausstrahlung haben und saugt quasi diese Energie in sich auf.

Spätstarter

Mit dem Laufen haben die beiden erst spät begonnen, im Alter von 17 Jahren. Die Zwillinge waren die größten Joey Kelly Fans und als sie einen Vortag von ihm angehört hatten, sind die beiden direkt danach laufen gegangen. Dieser Sport hat sie dann nicht mehr losgelassen. „Früher war das allerdings mega peinlich, in unserer Region war das nicht so. Wir haben also die Räder am Dorfrand versteckt und sind losgelaufen“, erzählen sie. Nach drei Kilometer gab es dann die erste Pause, wo Anna und Lisa immer einen Müsliriegel verdrückten.  Vor der Laufkarriere waren die Hahnerzwillinge auch schon Sportskanonen: Von Tischtennis, über Kampfsport, schwimmen und Fußball, die beiden waren schon immer voll motiviert. Lisa kann zum Beispiel sehr gut Skateboardfahren, Anna schneidet lieber Haare oder macht Frisuren, einer der wenigen Unterschiede der Schwestern.

Vor Wettkämpfen essen sie immer vier Stunden davor und das, worauf sie Lust haben. Bei Anna waren das im letzten Jahr vor dem Berlin Marathon Belgische Waffeln. Obwohl sie das noch nie vor einem Rennen gegessen hatte, war ihr das egal. „Wenn der Körper das will, wird er einen Grund dafür haben, deswegen habe ich nicht nur eine gegessen, sondern gleich zwei“, lacht Anna. „Wir essen dann immer so viel, dass wir einen Tick zu satt sind, weil wir ja auch während dem Marathon nichts essen“.

Während dem Wettkämpf berichtet Anna, kriegt sie von der Strecke alles mit. „Wir nutzen das aus, um Eindrücke aufzunehmen und auch Energie daraus zu gewinnen. Laufen ist ja die Kunst aus Spannung und Entspannung: Man ist fokussiert und guckt aber gleichzeitig, was rechts und links auf der Strecke los ist.“ Dass das Laufen bei den Zwillingen immer locker und leicht wirkt, liegt daran, dass es ihre absolute Leidenschaft ist. „Im Wettkampf kann man dann auf den Punkt zeigen, wofür man so viel trainiert hat und demonstrieren, was in einem steckt. Und wenn es leicht aussieht, dann läuft man automatisch entspannter und leichter.“ Dass die beiden meist getrennt bei Marathons an den Start gehen, liegt daran, dass der Fokus dann entweder auf Anna oder auf Lisa liegt am jeweiligen Wettkampfwochenende. „Das macht einen irgendwie freier“, so Anna. Außerdem können die Schwestern gleichzeitig zwei Marathonveranstaltungen kennenlernen.

Sachertorten als Fanpost

Das Training auf jeden Marathon sei anders, so auch für Anna das Programm für den bevorstehenden Wien Marathon. „Das Training ist nicht vergleichbar, sondern immer anders. Ich kann also nicht nachschauen und kann keine Vergleiche ziehen“, erklärt Anna. Der Unterschied in diesem Jahr ist, dass sie drei lange Läufe, statt – wie im letzten Jahr – zwei absolviert hat. Ihr Tipp: Immer das eigene Rennen laufen, da es nichts bringt auf andere zu schauen. Seit ihrem letztjährigen Sieg beim Wien Marathon bekommt Anna übrigens Sachertorten von Fans zugeschickt, vier oder fünf davon habe sie immer noch. Beim Wings for Life World Run steht für Anna, so kurz nach Wien, nicht der Wettkampfcharakter im Vordergrund, sondern eher der Spaß und die lockere Atmosphäre.

Die beiden lieben ihr Zwillingsimage. Bei der Nachfrage, ob das Doppelpackbild nicht doch irgendwann nervt oder eine Belastung ist, verneinen die beiden ganz klar. Sie stellen die Vorteile in den Vordergrund, also beispielsweise das gemeinsame Training, in dem sie sich gegenseitig duellieren und jeder das Beste aus sich herausholen kann.

Und für die Sportmuffel nannten die Zwillinge schließlich noch überzeugende Gründe, warum man mit dem Laufen beginnen sollte:

  1. Es ist eine Sportart, die man überall und zu jeder Zeit machen kann.
  2. Man kann sich selbst mit sich selbst duellieren und man sieht schnell eine Verbesserung.
  3. Man kann die Natur super erleben und lernt den Umkreis, wo man lebt bestens kennen.
  4. Man merkt, wenn man Läufern begegnet, dass man zu 99,9 Prozent auf einer Wellenlänge ist.
  5. Es gibt nicht viele Sportarten, bei denen man mit den großen Läufern und Olympiasiegern an einer Startlinie stehen und gemeinsam die gleiche Strecke laufen kann.
  6. Wenn man läuft, dann kann man so viel essen, wie viel man will.

Wenn ihr Lust habt, dann könnt ihr euch das ganze Gespräch mit den beiden auf Youtube anschauen und euch selbst von den witzigen Läuferinnen inspirieren lassen:

#keeponrunning eure Laura


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