Kein Dauerlauf im Urlaub auf Koh Lanta!

von Tankred Dankmar am 6. November 2017

Liebe laufende Gemeinde! Ihr habt ja jetzt schon etwas länger nichts von mir gehört. Das lag aber nur bedingt an mir. Ihr habt ja Herbstferien gehabt, sprich: es wurde auch von Seiten des Administrators weniger getan. Ein wohlverdienter Urlaub stand an. Ich konnte mich derweil voll und ganz auf einige Buch-Projekte konzentrieren und erfolgreich abschließen. Aber jetzt geht’s wieder los – Business as usual.

Apropos Arbeit: ich bin ja der Letzte, der sich über seine „Arbeit“ beschweren will. Ich habe den besten Job der Welt. Als freischaffender Schreiber kann ich arbeiten wo ich und wann ich will und kann mir meine „Arbeit“ sogar aussuchen. Wirklich, das ist mit Abstand die beste Art um Geld zu verdienen, die ich mir vorstellen kann. Nur Lotto-Gewinner oder Rennwagenfahrer kommen mir da spontan in den Sinn. Das wäre auch nicht schlecht.

Dummerweise hat die Schreibarbeit aber einen kleinen Nachteil: ich sitze einfach zu viel am Schreibtisch herum. Und das kann für den Körper etwas schädlich sein. Ich spreche gar nicht davon, dass man sich dann mehr bewegen muss, mehr Sport in seiner Freizeit erledigen sollte, um diese frohschaffende Trägheit wieder zu kompensieren – das ist sowieso klar. Ich meine die mittel- und langfristigen Folgen, die einen Mann Anfang 40 dann unter Umständen ereilen können. Und genau das ist mir jetzt passiert. Es hat sich gerächt, dass ich so einen geilen Job habe. Ich habe eine Thrombose! Vielmehr eine tiefe Venen-Thrombose im rechten Bein.

Für die, die nicht wissen, was das ist, will ich das mal ganz kurz erklären: Bei einer Thrombose wird eine tiefliegende Vene – meistens in den Beinen – verstopft. Es bildet sich ein Pfropf – ein sogenannter Thrombus – und verschließt die Vene zu einem guten Teil. Das heißt natürlich, dass die selbe Menge Blut nur noch einen Bruchteil des Platzes hat, um wieder Richtung Herz zu strömen.

„Und so sieht ein Venen-Thrombus auf dem Ultraschallbild aus. Gut zu erkennen, ist der Klumpen, der die fast vollständig verstopft. Da kommt nur noch seitlich etwas Blut durch, der Rest staut sich“.

Bild: © Nevit Dilmen | CC BY-SA 3.0

Das Problem ist, dass dieser Thrombus normalerweise immer größer wird, wenn man nichts unternimmt. Außerdem tut es höllisch weh, es ist ein Gefühl, als wenn man sich das Bein selber sehr stark abbindet. Es entsteht ein tiefer, dumpfer, heftiger Schmerz, der nur etwas nachlässt, wenn man liegt und das Bein am besten etwas hoch lagert. Wirklich gefährlich ist eine Thrombose aber, weil sich der Thrombus, dieser Klumpen, der da rumhängt und die Vene verstopft, spontan lösen kann. Dann wandert er die Venen hoch und schießt letztendlich in die Lunge. Hier kommt es dann zu einer sogenannten Embolie, oder mit anderen Worten: die Lunge kollabiert und man stirbt wahrscheinlich.

Einer Thrombose förderlich ist ein etwas unsteter Lebenswandel, das heißt, wenn man sich nicht immer gesund ernährt, raucht, trinkt und so weiter. Das trifft schon mal alles auf mich zu. Und wenn man dann noch viel sitzt, kommt eins zum anderen, denn beim Sitzen ist der Blutfluss vom Bein hin nach oben ja etwas eingeschränkt. Und wenn man das eben dauernd oder zu lange am Stück tut, dann schafft man für einen Thrombus die idealen Voraussetzungen, um sich da anzusiedeln.

Nun bewege ich mich ja eigentlich zwischendurch auch genug. Nicht nur, dass ich regelmäßig Laufen gehe und auch ansonsten meine täglichen Wege meistens gehend hinter mich bringe, sondern auch wenn ich ein paar Stunden am Schreibtisch sitze und arbeite, stehe ich mindestens ein Mal die Stunde auf und laufe ein wenig herum, um genau das zu vermeiden: dass die Blutzirkulation in meinen Beinen nicht mehr richtig läuft.

„Wenn die Blutzirkulation wegen des Thrombus dann gestaut wird, haben die Venen natürlich zu leiden und blähen sich auf wie ein Luftballon. Hier auf dem Bild ist das ziemlich gut zu sehen. Und genau das verursacht die starken Schmerzen – ganz abgesehen davon, dass die sich die Venenklappen entzünden und irreparable Schäden daran entstehen“.

Bild: Hellerhoff – CC BY-SA 3.0

Spontan ausgelöst wird eine Thrombose dann meistens dadurch, dass man zu lange still und relativ unbeweglich irgendwo eingequetscht herum sitzen MUSS. Genau davor wird ja beispielsweise auf Langstreckenflügen, die länger als 8 oder 10 Stunden dauern, gewarnt. Man sollte entweder vorher ein blutverdünnendes Mittel einnehmen oder auch im Flugzeug von Zeit zu Zeit mal aufstehen und ein paar Minuten den Gang auf und ab laufen. Und ich rate Euch an dieser Stelle auch, diese Warnungen ernst zu nehmen. 

Nun bin ich vor kurzem zwar nicht eine lange Strecke geflogen, aber eine relativ kurze mit dem Bus gereist. Ich bin knapp 700 km von Penang in Malaysia nach Koh Lanta in Thailand gefahren. Das Problem ist, dass man hierzulande meistens in einem Minivan unterwegs ist. Das sind diese VW-Bus ähnlichen Kleinbusse, die zwischen 12 und 14 Sitze haben – zumindest hier in Asien. Aber ganz ehrlich, und ich will hier auch nicht falsch verstanden werden: die Dinger sind einfach nicht für relativ große, robuste Europäer mit meiner Statur gebaut, sondern anscheinend für kleine, zierliche Asiaten.

Von letzteren haben wirklich 14 Stück in so einem Kleinbus Platz. Ich dagegen kann hier einfach nicht bequem sitzen, sondern bin wie eine Ölsardine eingequetscht. Es sind ja nicht nur die Leute, die den Bus bevölkern, sondern auch Taschen, Einkäufe, Musikinstrumente und so weiter. Jeder Quadratzentimeter ist hier mit irgendwas vollgepackt. Die Minivans fahren auch erst am Busbahnhof los, wenn sie so richtig schön voll sind, damit sich die Fahrt auch für den Betreiber lohnt.

„DAS ist das innere eines Minivans und da passen irgendwie 14 Asiaten rein, die auch noch gefühlt die Hälfte ihrer Habseligkeiten mitbringen. Es hat was von dem klassischen Mini-Cooper, in den acht Clowns passen“

Bild: CEFICEFI – CC BY-SA3.0

Lange Rede, kurzer Sinn: in so einem Minivan war ich also für knapp 12 Stunden „eingesperrt“. Dagegen ist die Holzklasse in einem Flugzeug echt der reinste Spielplatz. Und ich habe das ja nicht zum ersten Mal gemacht, sondern bewege mich seit über sechs Jahren so fort, wenn ich in Asien lange Strecken zurücklegen muss. Nur dieses Mal hat mir diese unbequeme, ungesunde Art zu reisen eben eine Thrombose beschert. Und darüber will ich mich noch nicht einmal beschweren, denn ich wusste ja vorher, dass so etwas passieren kann. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, schließlich bin ich auch keine 20 mehr.

Wie dem auch sei, ich werde das Busreisegeschäft in Südostasien bestimmt nicht revolutionieren können, sondern meinen Reisestil ändern müssen. Aber auf jeden Fall musste ich mit der Thrombose natürlich auch in ein Krankenhaus. Ich weiß zwar selber, welche Medikamente ich benötige und wie ich die einzunehmen habe, aber selbst in Thailand ist nicht alles in der Apotheke frei verkäuflich, sondern man braucht für manches ein Rezept. Das Problem war nur, dass ich auf Koh Lanta war. Und Koh Lanta ist eine relativ kleine Insel im Südwesten. Und hier gibt es zwar ein Krankenhaus, aber das ist für so etwas „Kompliziertes“ einfach nicht ausgelegt. 

Dort wurde mir gesagt, dass man mir nicht helfen könne und ich deshalb aufs Festland in die nächste größere Stadt muss. Und jetzt kommt der Witz: um eine Krankheit behandeln zu lassen, die durch eine lange Busfahrt entstanden ist und wegen der man deshalb unter keinen Umständen eine längere Busfahrt unternehmen sollte, muss man mit einem Kleinbus mehrere Stunden in die nächste größere Stadt fahren. Geil oder? 

Na ja, es blieb mir ja nichts anderes übrig. Also habe ich mir ein paar starke Schmerzmittel besorgt, denn die kriegt man hier in jeder Apotheke einfach nachgeschmissen. Bei uns werden die im Giftschrank weggeschlossen. Und dann habe ich die Zähne zusammen gebissen, habe mich auf die stundenlange Fahrt begeben und dabei gehofft, dass sich der Thrombus nicht löst und mir in die Lunge schießt. Dann war ich ein paar Tage im Krankenhaus, weil dort die Medikamente erst einmal unter ärztlicher Beobachtung eingestellt werden mussten. Und jetzt bin ich wieder zu Hause in George Town, Penang, Malaysia.

So viel zu meinem „Urlaub“, den ich eigentlich in Thailand auf Koh Lanta verbringen wollte. Ich hoffe, dass Ihr wesentlich mehr von Euren Herbstferien gehabt habt. Ich werde jetzt wohl ein paar Wochen keinen Dauerlauf machen können, aber ich werde Euch trotzdem jede Woche wieder schreiben. Es gibt ja genügend andere spannende Laufsport-Themen als immer nur meine eigenen Erfahrungen. 

Also: Immer schön in Bewegung bleiben, wenn Ihr bei der Arbeit viel sitzen müsst. Und vor langen Fahrten oder Flügen vorsorgen! So eine Thrombose kann nämlich echt keiner gebrauchen. Am allerwenigsten die Freunde des Laufsports!

#keeponrunning

Euer Tankred


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