Kolumnen-Special: Verletzungen Teil 1 – Der freundliche Mann in weiß

von Sandra Mastropietro am 7. April 2014

>>Läuferleben<<

Kolumnen-Special zum Thema Verletzungen

Teil 1 – Der freundliche Mann in weiß

Angespannt sitze ich im überfüllten Wartebereich der Sportorthopädie und betrachte die imposanten Finisher T-Shirts meiner Leidensgenossen. Zwischen den schmerzverzerrten IRONMAN Hawaii und  stöhnenden 100Kilometern-von-Biel Helden zweifle ich gerade meine Daseins-Berechtigung in den heiligen Hallen der Sportmedizin an, als ich aufgerufen werde.

Ohne Finisher T-Shirt, dafür aber mit beschleunigtem Puls, folge ich einer jungen Dame in das Behandlungszimmer. Die Hüfte tut nicht mehr weh, das Schienbein natürlich auch nicht.

Ein großer, schlanker Arzt betritt den Raum Unter seinem weißen Kittel blitzt ein Ultra-Race-Shirt hervor.

Was mir denn fehle, erkundigt er sich. Seine Frage ignorierend platz aus mir heraus, dass ich mich gerade im Marathontraining befinde und auf gar keinen Fall eine Laufpause einlegen kann.

Er  schmunzelt, dass höre er täglich. Skeptisch berichte ich Ihm dann von meinen Wehwehchen.

„Wussten Sie, dass sich jedes Jahr im Durchschnitt 65 Prozent aller Läufer verletzen? Ja, sogar alle hundert Laufstunden kommt es zu einer Verletzung, aufgrund derer die Sportler im Schnitt um etwa zehn Prozent ihres Trainings verpassen.“ fragt er mich.

„Was? Ähm, nein…das wusste ich nicht. Was hat das…also ich meine; warum erzählen Sie mir das?“

„..weil ein großer Teil, sogar zwei Drittel dieser Verletzungen daraus resultieren, dass Läufer bei sogenannten ersten Anzeichen weder das Training unterbrechen oder zumindest reduzieren, geschweige denn zum Arzt gehen. Wir trainieren eben so lange weiter, bis es wirklich nicht mehr geht.“

Stumm nicke ich, während meine Hüfte unter seinen Dreh- und Dehnbewegungen laut knackt. Ich fühle mich ertappt. 😉

Er tastet mich ab, gibt mir Ratschläge und zeigt mit Übungen. Neben gezieltem Dehnen empfiehlt er regelmäßiges Kühlen, Quarkwickel und Wobenzym. Eine Woche reduzierter Trainingsumfang und ich sollte wieder hergestellt sein.

Mit einem großen Lächeln bedanke ich mich herzlich und verlasse gut gelaunt die Praxis. Zuhause befolge ich seine Ratschläge und bin tatsächlich schon nach wenigen Tagen wieder komplett schmerzfrei.

Die Info, dass zwei Drittel aller ernsthaften Sportverletzungen vermieden werden könnten, wenn man sie frühzeitig abklären ließe, gibt mir zu denken. Klar, wer geht schon gerne zum Arzt – aber ganz besonders bei starken Trainingsbelastungen, also dann wenn es am Schwersten fällt 😉 , sollten wir  sehr „hellhörig“ bei Schmerzen sein und unserem Körper die Ehre erweisen diese abklären zu lassen.

Übrigens ist diese Kolumne der Erste von drei Teilen. Das Heute war quasi „Die Ermahnung“ ; nächste Woche geht es um Prävention von Verletzungen und übernächste um den Umgang mit solchen.

Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Berthold Brecht, dass mich ironischer Weise doch tatsächlich zum Schmunzeln gebracht hat: „Der große Sport fängt da an, wo er längst aufgehört hat gesund zu sein.“ 😉

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine wunderschöne, lauf-intensive und natürlich verletzungsfreie Woche, bis nächsten Montag 🙂

#keeponrunning

Eure Sandra

PS: Diese Blog-Reihe ist Björn, Cathrin,  Daniela und Steffi gewidmet 🙂


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