Laufblockade & Anekdoten aus dem Leben der Läufer

von Tankred Dankmar am 24. Juni 2016

Liebe laufende Gemeinde! Was soll ich Euch sagen?

Meine Laufunlust hält immer noch an. Ich habe ja schon im vorletzten Artikel ausgiebig davon berichtet. Will ich die totale Krise? Nein, natürlich nicht. Aber sie ist da. Normalerweise kenne ich das eher vom Schreiben. Dafür hat der Schreiberling ja schließlich das schöne Wörtchen Schreibblockade erfunden. Und ich habe´ jetzt halt mal eine Laufblockade. Damit muss ich fertig werden.

Außerdem türmen sich auf meinem virtuellen Schreibtisch gerade die Buchaufträge. Eins nach dem anderen arbeite ich gerade als Ghostwriter weg. Aber dieses Argument, keine Zeit fürs Laufen zu haben, ist natürlich Unsinn. Jeder Läufer weiß, dass immer etwas Zeit dafür da ist. Gerade, wenn es viel zu arbeiten gibt, sollte man sich die Zeit fürs Laufen nehmen. Das macht den Kopf so schön frei und den trägen Körper, der den ganzen Tag am Schreibtisch herumlungert, lockert es auf und gibt ihm die Bewegung, die er nun einmal braucht.

Aber was soll ich Euch damit schon wieder langweilen. Sicher kennen das die meisten von Euch ja selber. Ich warte einfach ab. So wie normalerweise eine Schreibblockade von einem auf den anderen Tag einfach wieder verschwindet, so ist es mit der Laufblockade sicher auch. Für uns gibt es schließlich kein Stehenbleiben, sondern höchstens eine Rast – auch wenn diese mal ein paar Wochen andauert. Einfach aussitzen, das ist meine Devise – im wahrsten Sinne des Wortes. Die einzige sportliche Ergänzung zur Zeit: Pool Billard.

Sportlicher Ehrgeiz ohne viel Bewegung am Pool-Tisch in meiner Stammkneipe The lost Dog. Meine Wenigkeit im karierten Hemd

Im letzten Artikel habe ich Euch ja einige skurrile Laufgeschichten aus dem Netz zusammengetragen und nacherzählt. Und weil´s so schön war und ich noch mehr Material gesichtet hatte, als ich in einem Artikel unterbringen konnte, gibt es hier jetzt und heute den zweiten Teil  ´Anekdoten aus dem Leben der Läufer´. Deren Unterhaltungswert ist sicherlich um einiges höher als das subjektive Befinden rund um meine Laufblockade und darüber, wie ich mir den Arsch plattsitze. Kommen wir also zu etwas Spannenderem.

Hatte Jürgen Ranta jemals eine Laufblockkade?

Jürgen Ranta. Wahrscheinlich hört Ihr diesen Namen auch zum ersten Mal. Jürgen Ranta ist ein Hobbyläufer – aber was für einer. Er hat sage und schreibe 260 Marathons in den Beinen. Das sind genau 10.970,7 Kilometer, die er in 36 verschiedenen Ländern dieser Welt gegen die Stoppuhr gelaufen ist. So exotische Laufziele wie Kuba, der Libanon oder untertage im 700 Meter unter der Erde liegenden Brügman-Schacht im thüringischen Sondershausen waren dabei.

Im Oktober 2015 hat er dann seine offizielle Wettkampfkarriere an den Nagel gehängt – was natürlich nicht bedeutet, dass der nun 75-jährige nicht zweimal die Woche in seine Laufschuhe steigt, aber eben nicht mehr für Wettkämpfe. Begonnen hat er mit dem Laufen erst im Alter von stolzen 48. Als 57-järhiger ist er den Hamburg-Marathon in nur 3 Stunden und 4 Minuten gelaufen. Zwei Jahre später wurde er beim 24-Stunden Lauf über 177 Kilometer dann sogar Zweiter und damit deutscher Vizemeister in seiner Altersklasse. Und ich frage mich: Hatte Jürgen Ranta auch jemals eine Laufblockade? Ich wage es zu bezweifeln.

Adrenalinschübe und garantierter Spaßfaktor

Zombiefilme und Computerspiele, die die wandelnden Untoten meist als Gegenspielers des eigenen Alter Egos in den virtuellen Ring stellen, sind schon seit Jahrzehnten aus der Pop-Kultur nicht mehr wegzudenken. Es gibt eine große Fangemeinde, die im Bann der lebenden Toten lebt und alles gierig aufsaugt, was damit zu tun hat.

The runnnig Dead – die laufenden Toten

Bild: Joel Friesen | CC BY 2.0

Jetzt gibt es auch den sogenannten Zombie-Run. Ähnlich wie in einem Computerspiel, gibt es dabei Jäger und Gejagte, wobei die Teilnehmer sich aussuchen können, auf welcher Seite sie stehen wollen. Die Jäger, das sind die in einem speziellen Kostümstudio vor Ort professionell hergerichteten Zombies. Diese springen aus Verstecken oder kommen den Gejagten, nämlich den Läufern, entgegengerannt und müssen versuchen, dem Läufer eine Fahne zu entreissen, welche dieser an einem Gürtel trägt.

Insgesamt drei Fahnen hat jeder Läufer. Ziel ist es, so viele Fahnen wie möglich bis ins Ziel zu bringen. Verliert ein Läufer alle drei Fahnen an Zombies auf der Strecke, wird er selber zum Zombie, vom Gejagten zum Jäger. Also: Wem beim normalen Wettkampf schon mal langweilig wird und wer auf Zombies und Spielspaß für Erwachsene steht, der hat jetzt was, das er sich auf die Liste schreiben kann.

Der etwas andere Triathlon

Vielleicht hatte der eine oder andere von Euch ja auch schon mal einen Job als Bote beziehungsweise Kurier. Ob Apothekenfahrer, Blumenkurier oder als der ersehnte Mann (oder Frau natürlich), der die Pizza bringt – wie jeder weiß, der schon mal so einen Job hatte, geht es dabei immer um Zeit. Tempo, Tempo, das ist hier das Motto.

Wer mit soviel Zeitdruck eh schon von Berufs wegen gut umgehen kann, der ist genau richtig eingestellt für skurrile Wettbewerbe. Und genau darum geht es bei der offiziellen deutschen Meisterschaft der Boten. Hierfür haben sich 30 Teilnehmer qualifiziert, die auch tatsächlich Boten und Kuriere sind. Und da es sich um einen Triathlon handelt, müssen sie sich auch in drei verschiedenen Disziplinen beweisen.

Der Anfang wird in Frankfurt am Main gemacht. Hier müssen die Kontrahenten in einem Hochhaus nicht weniger als 1.060 Treppenstufen, natürlich aufsteigend, in möglichst kurzer Zeit hinter sich bringen. In Köln stehen ihnen dann 750 Meter schwimmend durch den Rhein bevor. Und zu guter Letzt der gute, altbewährte Langstreckenlauf – in Berlin über 5 Kilometer. Ich finde es nur mehr als sinnvoll, dass sich die Boten und Kuriere der Nation einmal in einem freundschaftlichen Wettkampf messen. Vielleicht müsst Ihr dann das nächste Mal auch nicht so lange auf Eure Pizza warten. 😉

Historische Darstellung eines deutschen Läuferboten aus dem 15. Jahrhundert. Damals wie heute geht es um Schnelligkeit

Nur die Harten kommen in´n Garten!

Einen fieseren und brutaleren Laufwettbewerb als das sogenannte Tough Guy Race (Harter Kerl Rennen) in England dürfte es wahrscheinlich nicht geben. Die Teilnehmer sprechen von totaler Erschöpfung, drohenden Nervenzusammenbrüchen, hysterischen Lachanfällen und Heulkrämpfen. Manch harter Mann hat sich am Streckenrand schon in Embryonalhaltung zusammengerollt und wollte einfach nur noch sterben.

Dabei ist die Distanz von 12 zu bewältigenden Kilometern eigentlich selbst für jeden Hobbyläufer noch recht moderat. Was stellen sich die Weicheier also eigentlich so an? Ganz einfach. Die Strecke ist mit insgesamt 21 Hindernissen gespickt. Und wenn wir hier von Hindernissen sprechen, meinen wir Stacheldraht, unter dem man hindurch kriechen muss wie ein Tier, Tümpel mit eiskalten Wasser, brennende Heuballen und Elektrozäune. Alle paar hundert Meter erwartet die harten Kerle eine neue Schikane, gegen die die Dschungelprüfungen der D- bis Z-Promis auf RTL einfach nur ein Witz sind.

Nur eines der fiesen Hindernisse beim Tough Guy Race. Gemütlich laufen geht anders

Bild: A-Punkt | CC BY-SA 3.0

P.S.: Nur etwa die Hälfte der Teilnehmer kommt bis ins Ziel. Wer dort ankommt, ist wirklich kein Weichei.

Liebe laufende Gemeinde. Ich hoffe doch, dass ich meine Laufblockade bis zur nächsten Woche endlich überwunden habe und Euch wieder Anekdoten aus meinem eigenen Läuferleben berichten kann. Bis dahin wünsche ich Euch schöne Läufe, befriedigende Ergebnisse und gutes Biergartenwetter für den Feierabend nach Arbeit und Training.

#keeponrunning

Bis dahin, Euer Tankred


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