Laufen ist schön, aber wir sollten die Bäume im Wald lassen!

von Sandra Mastropietro am 22. Oktober 2014

Laufen ist schön, ABER wir sollten die Bäume im Wald lassen

Oder auch

Vom vergessenen Geheimrezept des WOHLFÜHLENS!

Bitte versteht mich nicht falsch; ich liebe das Laufen! Auch für mich ist es weitaus mehr als ein Sport. Entspannung, Emotionen, Herausforderung, Bestätigung… kurz gesagt ein Lifestyle.

Was einst kleine Parkrunden im hellgrauen Baumwolljogginganzug waren sind nun farblich perfekt aufeinander abgestimmte Laufoutfits auf offiziell vermessenen Strecken. Der Blick in den Spiegel darf vor Verlassen des Hauses nicht fehlen.

Running 1994 vs. 2014 - Quelle: unbekannt

Kaum auf der Strecke auch schon wieder am pau- bzw. posieren – Selfie-Time. Facebookstatus – Update  -> Alle Daheimgebliebenen bitte einmal schlecht fühlen.

Zurück vom Laufshooting, ab in die Küche – ernährt wird sich nur noch Paleo 360 oder vegan; vegetarisch ist bereits grenzwertig, denn Kuhmilch und Weizen stehen auf  der Läuferblacklist.

„Wenn Du Deine Ernährung nicht umstellst, wirst Du nie schneller werden.“ Entnehme ich immer wieder Konversationen um mich herum. Und auch wenn ich mich selbst vegan ernähre und inzwischen (zumindest meist) abgestimmte Outfits trage, möchte ich mich doch so oft einmischen und fragen:

„WARUM? Warum muss jeder schneller werden wollen? Warum meinen alle, dass ihre Ernährung und Lebensweise die einzig Richtige ist?“

Abende auf der Couch sind inzwischen genauso verpönt wie Nachos mit Käse. Ist ja auch beides nicht gesund, oder?

Wenn schon ein Abend daheim, dann bitte in aufrechter Haltung (sonst folgen Rückenprobleme) am Schreibtisch – Zeit um sich informieren! Zeit, um in unzähligen Fitnessblog positive Laufberichte alá „Von Null auf 42,195“ oder von neuen Bestzeiten, die in Null Komma Nichts erreicht wurden, zu lesen.

An dieser Stelle möchte ich die Frage einwerfen, ob der Druck den wir in uns und anderen aufbauen, noch gesund ist?! Jeder Körper is(s)t und reagiert anders. Natürlich gibt es Dinge, deren positive oder negative Wirkung nachgewiesen sind; aber…

Come on Leute, leben und leben lassen! Nicht jeder muss bei offiziellen Rennen an den Start gehen, nicht jeder will auf den Schweinsbraten im Biergarten verzichten.

Bewusst machen, motivieren und unterstützen ist gut, aufzwingen und unter Druck setzen geht gar nicht!

Einen großen Applaus an jeden, der bewusst lebt und sich dabei 100% wohlfühlt – Ihr macht es richtig; so soll es sein!

Der neu-aufgelegte Fitness- und Gesundheitswahn, der meiner Meinung nach in dieser Extremität auf Dauer weder fit noch gesund macht, bringt nämlich eine ganz akute Mangelerscheinung mit sich: DAS WOHLFÜHLEN!

Mein Fazit: Laufen und fit sein sollen Spaß machen! Bewusst leben ist sehr gut; aber bitte nicht nur um zu gefallen und/oder einem  Trend nachzugehen. Tut es für Euch, tut es zusammen mit anderen, habt Freude am gesunden Lebensstil; vergesst das Genießen nicht!

Auch ich habe Abende, an denen ich Chips mit Käsesoße auf der Couch futtere, ein Bier trinke. Davon geht die Welt nicht unter; nein ganz und gar nicht, denn genau diese Abende sind es, die das Wohlfühllevel weit nach oben treiben und auf ihre Art und Weise fit für den nächsten Tag machen. 🙂

Allen „Neuankömmlingen“ in der Laufszene wünsche ich an dieser Stelle von Herzen viel Spaß – ich kann mir gut vorstellen, dass der jetzige „Einstieg“, wo doch alle schon so schnell und vor allem so diszipliniert sind, schwer fällt.

Doch glaubt mir, von Null auf 42,195 sind absolute Ausnahmefälle und viele militante Veganer vermissen sicherlich auch manchmal heimlich, still und leise die guten, alten Haribos. 😉

#keeponrunning und habt Spaß dabei

Eure Sandra


{ 4 Kommentare… lies sie unten oder füge einen hinzu }

Jenny Oktober 22, 2014 um 16:17

DANKE, Sandra!!!! Genau dieses Thema beschäftigt mich jetzt auch schon ein paar Wochen. Ständig hört man im Internet von „lauf eine neue Bestzeit“, „lauf weiter als bisher“, „gib alles“ … Klar ist das alles toll und erstrebenswert, aber gleichzeitig baut es unheimlich viel Druck auf und erhöht das Risiko für Verletzungen. Und noch dazu macht es doch keinen Spaß, STÄNDIG auf der Jagd nach einer neuen Bestzeit zu sein. Und Spaß ist, wie du schon sagst, das Wichtigste 🙂

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Sandra Oktober 23, 2014 um 16:10

Liebe Jenny,
vielen Dank für das positive Feedback zu meinem Artikel 🙂

GLG Sandra

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Kirsten Oktober 24, 2014 um 09:25

Du sprichst mir aus der Seele! Manchmal habe ich das Gefühl, als „Spaßläuferin“ etwas falsch zu machen. Aber es gibt noch mehr im Leben als Laufkilometer 😉

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stiebi71 November 4, 2014 um 12:24

Super Artikel (y) Ich laufe auch viel und gerne, auch mal einen Marathon. Mein Motto lautet: “ Ich laufe weil ich wirklich gerne esse“ 🙂 Das streben nach Bestzeit und immer schneller werden liegt mir dabei aber wirklich völlig fern. Für mich soll Laufen auch Spaß machen. Ich finde es allerdings schade wenn Läufer dann meinen man muss einen Marathon oder Halbmarathon, oder was für eine Strecke auch immer, in einer gewissen Zeit absolvieren, sonst wäre man kein richtiger Läufer.

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