Leistungsdiagnostik – Höher, schneller, weiter – aber wie?

von Run Munich Run am 29. Juni 2015

Hand auf´s Herz: Wer von euch hat irgendwann einmal mit dem Laufen begonnen, „um fitter zu werden“? Und war euch damals klar, was genau „fitter“ für euch bedeutet? Oder seid ihr (so wie ich auch) eher planlos drauflos gelaufen, habt vielleicht irgendwann einmal wieder pausiert, weil sich nichts verbessert hat, seid wieder eingestiegen…?

So geht es vielen Neu-Sportlern. Sie beginnen mit irgendetwas, wissen aber nicht wirklich, wo das Ganze mal hinführen soll. Einige von euch wissen ja möglicherweise, dass ich bei einer großen Fitnessstudio-Kette arbeite. Meist fragen die Interessenten ausschließlich nach dem Preis. Wenn ich dann frage, warum sie überhaupt im Fitnessstudio trainieren möchten, kommt fast immer: „Ich will irgendwie allgemein fitter werden.“ Ja wie? Und wie fit bist du jetzt? Geht´s vielleicht konkreter? Die Zielfindung soll heute jedoch nicht unser Thema sein. Wer sich dafür interessiert, kann jedoch gerne Sandras Beitrag vom Jahresbeginn hier nochmal lesen.

Nehmen wir daher einfach mal an, das Ziel ist definiert. Gut, wir wissen zumindest schonmal, wohin wir wollen. Allerdings wissen wir noch nicht so richtig, wie wir hinkommen. Und so ganz klar ist der Startpunkt auch nicht, oder? Möglicherweise habt ihr es bereits auf unserer Facebook-Seite gesehen, dass ich vor einigen Wochen spontan eine Leistungsdiagnostik gemacht habe.

Hintergrund ist, dass wir einen sogenannten „Aeroscan“ (so nennt man das, wenn man mittels Atemgasanalyse die Leistungsdiagnostik durchführt) unseren Firmenpartnern anbieten wollten und meine Kollegin und ich das Gerät nochmal testen wollten. Dass dabei gleichzeitig meine eigene Leistungsfähigkeit überprüft wurde, war ein netter Nebeneffekt. Ich hatte das Ganze vor drei Jahren vor meinem ersten Halbmarathon mal gemacht und war gespannt, was sich seitdem verändert hat. In diesem Beitrag soll es aber mehr um das Warum und das Wie gehen.

Mittels Spiroergometrie (das ist die Messung der Atemgase) kann man innerhalb von zehn Minuten die individuelle Kohlenhydrat- und Fettverbrennung eines Sportlers ermitteln. Vorteil: Man benötigt weder eine Maske, noch muss Blut zur Überprüfung der Laktatwerte abgezapft werden. Alles, was man tun muss, ist, ab und zu während der Belastung in ein Mundstück zu atmen.

Bei diesem Aeroscan wird deutlich, wie der Körper Energie bereitstellt, um die entsprechende Leistung zu erbringen. Greift er auf Fette oder auf Kohlenhydrate zu? Dazu werden die Atemgase in verschiedenen, aufeinander aufbauenden Stufen (z.B. eine Erhöhung der Geschwindigkeit oder Wattzahl) gemessen.

Da beim Test auch der Puls gemessen wird, kann man hinterher auch bestimmen, in welchen Pulsbereichen man trainieren sollte, um beispielsweise die Grundlagenausdauer zu verbessern. Damit sieht man also nicht nur, wie der aktuelle Trainingszustand ist, sondern auch, wie individuelle Ziele erreicht werden können. Auf dieser Basis können Trainingspläne erstellt werden oder man kann vorgefertigten Trainingsplänen besser folgen.

Wie sonst soll man wissen, was genau „GA1-Training“ heißt?! Es ist übrigens das Training, bei dem man unterhalb der anaeroben Schwelle trainiert und wo somit kein oder zumindest kaum Laktat produziert wird. Im Sportstudium wurde es uns als „Lange langsam laufen ohne zu schnaufen“ immer wieder gepredigt. Der Körper verbraucht hier vor allem Fette zur Energiebereitstellung, man trainiert also den Fettstoffwechsel. Die Herzfrequenz liegt bei ca. 60-70% des Maximalpulses.

Bei mir sah das folgendermaßen aus: Meine Kollegin musste zunächst ein paar Daten (Alter, Größe, Gewicht) in den Computer eingeben, wir haben dann das Mundstück für mich angepasst und zunächst eine Ruheatmung durchgeführt. Danach ging´s los: Ich hatte mich als „leistungsorientierte Sportlerin“ eingeschätzt. Das bedeutete konkret: Startgeschwindigkeit 6km/h, Erhöhung der Stufen jeweils um 2km/h. Man kann aber auch beispielsweise mit 4km/h starten und um jeweils 1km/h steigern. Je nach Leistungsstand.

Nach der Ruhemessung (ich habe also zwei Minuten einfach nur im Stand geatmet) startete ich also mit gemütlichen 6km/h. Nach etwa anderthalb Minuten gab der Computer das Signal, jetzt bei gleicher Geschwindigkeit durch das Mundstück zu atmen. Danach konnte ich das Teil wieder weglegen und wir haben die Geschwindigkeit gesteigert. Gleichzeitig hat meine Kollegin den Puls an meiner Uhr abgelesen (es gibt auch einen Sensor, der den Puls direkt an den Computer übermittelt; ich habe aber eine Garmin-Laufuhr und der Sensor des Geräts hat meinen Puls leider nicht erfassen können) und eingetragen.

Nach weiteren ca. anderthalb Minuten musste ich wieder atmen und natürlich weiterrennen. So ging das fortwährend. Bis 10km/ war alles noch entspannt. Bei 12km/h hab ich langsam geschwitzt und auch eher in das Mundstück geröchelt, statt zu atmen. 14km/h waren dann schon echt anstrengend. Da die Fettverbrennung (oder besser –veratmung) bei dieser Geschwindigkeit auch komplett eingestellt wurde und nur noch auf Kohlenhydrate zurückgegriffen wurde; haben wir den Test beendet. Ich war kurz danach nochmal bei anderen Kollegen als Versuchskaninchen und da habe ich auch die 16km/h noch „runtergerissen“. Dann ging wirklich gar nichts mehr und wir hatten meinen Maximalpuls ermittelt.

Der Vergleich zur ersten Leistungsdiagnostik aus dem Jahr 2012: Ich kann jetzt schneller laufen und kann den Puls noch ein ganzes Stück weiter nach oben treiben. Was Training doch so alles ausmacht. 🙂

Habt ihr schonmal eine Leistungsdiagnostik gemacht? Und trainiert ihr jetzt nach den Ergebnissen? Nach der ersten hab ich zugegebenermaßen nicht danach trainiert und auch jetzt fällt es mir ehrlich gesagt schwer. Damit ich die 4 Stunden in Berlin knacke, sollte ich das möglicherweise lieber doch tun. Was sind eure Erfahrungen, Tipps und Tricks? Findet ihr so etwas sinnvoll oder vergeudete Zeit? Wir freuen uns auf eure Meinungen!

#keeponrunning, eure Isabell (und Laura)


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