Low Carb – low fun? Oder wie?

von Run Munich Run am 18. Juni 2015

Als Laura mich Ende 2014 fragte, ob ich lieber vegan oder „low carb“ ausprobieren möchte, klang das für mich ungefähr so: Pest oder Cholera? FC Bayern oder Lüdenscheid Nord (ihr könnt jetzt raten, für welchen Fußballclub mein Herz schlägt), Asics oder Nike (ich bin bekennender Streifen-Träger und werde oft gefragt, ob mich adidas sponsert – haha, nein, es ist eher umgekehrt!).

Tja, dann hieß es abwägen: Gegen eine vegane Ernährung spricht einfach, dass ich Fleisch wirklich, wirklich gerne esse, aber auch Fisch, Quark oder Käse. Andererseits muss man als Läufer doch ganz viele Kohlenhydrate in Form von Nudeln essen. Oder nicht? Da sich mein Nudelkonsum aber in der Vergangenheit nahezu ins Unendliche gesteigert hatte (geht einfach so schnell und schmeckt auch immer) und ich neben Nudeln auch Unmengen an Kuchen, Brezn (geht auch schnell und kann man in München an jeder Ecke kaufen) und Schokolade verdrücken kann (aber nicht sollte!), hab ich mich entschieden, es mal mit einer Reduzierung der Kohlenhydrate zu probieren.

Geplant war ursprünglich, das ganze im Februar zu testen (kürzester Monat des Jahres, ihr versteht mich?!), aber nach den ganzen Naschereien im Dezember beschloss ich, bereits in der zweiten Januar-Woche anzufangen. Zumal ich mir ja beim München Marathon im Ziel geschworen habe, bis zum nächsten fünf Kilo abzunehmen. Und low carb soll da ja gut helfen (gut, am Ende kommt´s auf die Kalorienbilanz an, aber aller Anfang ist schwer). Außerdem fasste ich den Plan, auszuprobieren, ob das eine Ernährungsform ist, mit der ich dauerhaft klarkomme. Deshalb auch die Ausweitung auf unbestimmte Zeit. Und jetzt könnt ihr mal ein (Zwischen-)Fazit lesen.

Ich habe das Ganze etwas freestyle-mäßig betrieben und mir deshalb nicht alles verboten. Und „low carb“ heißt ja nicht „no carb“. Meine Ernährung sah dann zunächst folgendermaßen aus: Morgens sind Kohlenhydrate generell erlaubt (ich esse immer Quark mit ein paar Haferflocken), denn der Körper braucht sie einfach als Energiequelle. Mittags habe ich sie dann bereits reduziert beziehungsweise sie aus Gemüse geholt. Statt der üblichen (bis zu) 100g Nudeln/Reis/Dinkel/Quinoa/Hirse/Bulgur/Couscous… gab es maximal 25 Gramm, aber eben mit viel Gemüse (auch Mais, Erbsen oder Bohnen). Die Nudeln und den Reis gab es natürlich nur in der Vollkorn-Variante. Abends gab es nur noch „gemüsige“ Kohlenhydrate und ich habe auch Obst gegessen. Ja, sogar Bananen! Wollen ja nicht päpstlicher sein als der Papst. 😉 Aber eben kein Brot mehr, keine Nudeln, kein Reis… Stattdessen viel Käse, Eier, Quark, auch Fleisch oder Fisch. Hat mich super-satt gemacht, aber nie so satt, dass ich mich unwohl gefühlt hätte. An Nudeln hab ich mich früher ja doch das ein oder andere Mal überfressen.

Verboten war außerdem alles, was es beim Bäcker gab. Ich glaube auch, dass diese permamente Verfügbarkeit von Zucker (und was anderes ist Weißmehl einfach nicht) sowieso das Schlimmste für meine bisherige Ernährung war. Denn wenn ich abends nach Hause fuhr und Hunger hatte, gab´s halt mal schnell noch was. Hat kurz den Magen besänftigt, aber nie lange satt gemacht. Und daheim gab´s dann trotzdem ne große Portion…äh…Nudeln.

Am Anfang hat´s kurz weh getan (war ja quasi auf Zucker-Entzug), aber nach ein paar Tagen war es überhaupt nicht mehr schlimm. Die Lust auf Süßes ließ schnell nach, vor allem nach dem Essen hatte ich nicht mehr das Gefühl, unbedingt noch Schokolade zu essen. Also alles gar nicht so schlecht. Genascht habe ich trotzdem manchmal, dann aber meist Sachen, die ich selbst gemacht hatte. Haferflocken-Kekse oder vegane Schokolade zum Beispiel. Und ich hab mir auch mal ne Tafel Milka reingehauen oder eine Packung Rocher.

Zwischendurch habe ich zusätzlich (um die Geschmacksnerven mal zu “reseten”) gemeinsam mit Laura eine Woche “ge-detoxt”: Keine tierischen Produkte, kein Salz, kein Zucker – kein Spaß! Ein Trauerspiel, ich sag´s euch! Ich war nur am Nörgeln und Rumjammern, dass mir Essen keinen Spaß mehr macht. Aber es hat mir gezeigt, wie stark ich mich an Salz, Zucker und andere Geschmacksverstärker gewöhnt habe.

Ich möchte auch weiterhin so gut es geht auf Industriezucker und Weißmehl verzichten und schaue jetzt noch genauer auf Inhaltsangaben. Nur bei Riegeln, Gels etc. zum Laufen ist es mir egal. Da ist mir nur wichtig, dass ich schnell und lange mit Energie versorgt werde. Wichtig ist eigentlich nur eins: Vorbereitung! Wenn man genug gutes Essen dabei hat, dann braucht man auch nix vom Bäcker. Also lieber ein bisschen länger in der Küche stehen, als heißhungergeplagt irgendwelchen Mist in sich reinstopfen. Und danach nochmal “richtig” essen. Ist eigentlich gar nicht so schwer.

Ach ja. Fast alles, was ihr bisher gelesen habt, ist gelogen. Beziehungsweise stimmt nicht mehr so richtig. Ja, zu Beginn war es gar nicht schwer, auf so viele Dinge zu verzichten, die ich gerne mag. Ich hab an Geburtstagen “nein” zu Nudelsalaten, Schokolade, Chips, Flips, Salzstangen etc gesagt und es nicht bereut. Ich habe zuckerhaltige Speisen nahezu komplett weggelassen. Für einen kurzen Zeitraum.

Es gab Tage, da habe ich morgens vegane, zuckerfreie, mehlfreie Brownies aus Kichererbsen und Kidneybohnen (die wirklich seeehr lecker sind!) gebacken und mir nachmittags auf dem Heimweg vom Laufen tellergroße Brownies gekauft. Oder Tage, da hatte ich nach einem anstrengenden Krafttraining unglaublichen Heißhunger auf Butterbrezen. Dabei mag ich gar keine Butter! Irgendwann hab ich dann auch mal wieder was beim Bäcker gekauft. Und nochmal. Und abends Nudeln gegessen, weil ich darauf Lust hatte. Von den Osternaschereien ganz zu schweigen. Von den Osternaschereiein, vielen, vielen Eiskugeln, Pizzen, Crossaints, Schokoladenkuchen und Keksen im Italien-Urlaub ganz zu schweigen. Mein “Carboloading” vor Wettkämpfen sah auch gerne mal so aus, dass ich ´ne Tafel Schokolade, eine Packung Kekse oder anderen Süßkram vernichtet habe…

Aber wisst ihr was? Es ist mir völlig egal! Man lebt nur einmal und da ich (wie vermutlich die meisten hier auf run.de) nicht um den nächsten Weltrekord laufe, sondern diesen Sport aus purem Spaß an der Freude betreibe, ist es doch gar nicht so wichtig, ob man vielleicht ein Kilo mehr oder weniger wiegt. Man muss sich einfach nur wohlfühlen. Und mit Schokolade fühle ich mich einfach wohler als ohne. Mal davon abgesehen, dass ich meine Leistung dennoch kontinuierlich verbessere. Liegt aber wohl eher an deutlich verbessertem Training. Sowas wie Intervalle oder Tempoläufe hab ich vergangenes Jahr nicht gemacht. Nicht einen einzigen! Trotzdem hab ich den Marathon in meinem anvisierten Zeitziel geschafft. Und das packe ich dieses Jahr auch (ich muss halt irgendwie 18 Minuten schneller werden, aber bis September ist noch Zeit).

Fünf Kilo hin oder her, das Wichtigste ist doch der Spaß an der Sache. Macht euch also nicht verrückt, wenn ihr zwar die gleichen Ernährungsgewohnheiten wie die Hahner-Twins (ihr wisst schon, einmal täglich Kuchen) habt, aber leider nicht deren Figuren. 🙂

Wie ist das bei euch? Könnt ihr essen, soviel ihr wollt oder müsst (bzw. solltet ihr darauf achten)? Habt ihr schon irgendwelche verrückten Diäten ausprobiert, weil ihr euch dadurch bessere Leistungen erhofft habt? Her mit den Infos!

Alles Liebe und #keeponrunning, eure Isabell


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