Manchmal gibt es eben Wichtigeres als das Laufpensum!

von Tankred Dankmar am 9. Mai 2016

So, endlich zurück auf einer kleinen Insel voller malerischer Tropenidylle, Entschleunigung und vielen kleinen und großen Wegen kreuz und quer über dieses schöne Eiland, Wege, die leer sind, wo die Luft frisch und im Dschungel alles so schön grün ist. Hier macht das Laufen unendlich viel Spaß – trotz der unmenschlichen Hitze zur Zeit.

Vielleicht hat es der eine oder andere von Euch ja mitbekommen, aber Südostasien leidet gerade an der größten Dürreperiode und heftigsten Hitze seit Beginn der Aufzeichnungen hier zu Lande. Nicht die besten Voraussetzungen für ein ordentliches Lauftraining, aber eben auch kein Grund, es deshalb sein zu lassen, nicht wahr.

Hier soll es aber nicht um die Hitze in tropischen Breiten gehen. Dazu wurde schon genug gesagt und ich möchte nicht zu denen gehören, die auf einer tropischen Insel leben und sich dann permanent über´s Wetter beschweren. Das ist ja lächerlich.

Aufmerksame Leser dieser Kolumne wissen aus einigen vorherigen Texten, dass ich die letzten 6 Monate in George Town, Penang, verbracht habe. Das ist genauso tropisch, aber noch heißer, weil es eine große Stadt ist. Da steht die Luft in den Betonschluchten, vermischt sich mit Abgasen eines 24-Stunden durchgängigen Verkehrs und selbst nachts wird es kein bißchen kühler, weil die ganzen Bauwerke und Straßen die Hitze dann abgeben, welche sie über den Tag in der Sonne gespeichert haben.

Tja, dagegen ist es hier auf Koh Lanta echt erträglich. Da mein Häuschen direkt am Meer steht, an der Straße von Malakka um genau zu sein, weht hier wenigstens auch mal ein frisches Lüftchen von der See aus. Wenn man den Ventilator direkt neben die Hängematte stellt, lässt es sich durchaus gut aushalten. Und nachts gehen die Temperaturen auf beschauliche 28 Grad zurück. Da braucht man fast schon ein Deckchen! Die Inseln im Süden von Thailand sind halt einfach perfekt. Kein Wunder, dass hier in der Saison so viele Touristen hinkommen. Hier lässt es sich wirklich gut leben.

Wunderbares Inselleben – willkommen auf Koh Lanta.

Bild: dronepicr | CC BY 2.0

Und gut trainieren! Denn eins ist gewiss: ich habe noch viel Training nötig, bis ich im November beim Stadtmarathon in Penang an den Start gehen kann – wenn ich dann auch erfolgreich (also unter 4 Stunden) ins Ziel kommen will zumindest. Deshalb habe ich mir jetzt auch ein strenges Training verordnet. Wenigstens schon mal in Gedanken. In meinem eigenen Kopfkino renne ich schon fröhlich über dieses Eiland, im echten Leben allerdings bin ich gerade noch weit davon entfernt.

Denn erstmal muss ich ja noch die neuen Laufschuh etwas einlaufen. Und außerdem muss ich ja noch die Insel kennenlernen, damit ich weiß, wo es sich am besten Laufen lässt. Wo sind die besten Trainingsstrecken? Wie viele Kilometer haben sie? Und so weiter. Was man halt so macht, wenn man sich vor dem Training drücken will. Laughing

Wenn man neu auf einer kleinen Insel ist, dann gibt es auch viel, dass es zu entdecken gibt. Ein Dutzend neuer Strände, eine Handvoll Straßen, wenn man sie so nennen will, und vor allem eine ganze Menge Bars. Denn, ich muss zugeben: ich liebe Beach-Bars über alles! Das war mit einer der Gründe, warum ich vor Jahren in diese Gefilde gezogen bin: die fulminante Beach-Bar-Kultur.

Was gibt es Schöneres als bei einem leckeren Cocktail in einer aus Bambus und Treibholz zusammengenagelten Bar mit Palmblätterdach zu sitzen, auf´s Meer zu schauen und dabei den Sound einer hiesigen Reggae-Band live zu hören? Genau! Das denke ich auch! Da gibt´s nicht viel, was besser wäre. Finde ich auch.

Das beste Ambiente für drei bis acht gemütliche Cocktails zum Sonnenuntergang.

Bild: dronepicr | CC BY 3.0

Das Problem: wenn man erstmal anfängt, die ganzen Bars zu inspizieren, kommt man nicht zum Training. Wenn es dann mal später geworden ist und das ein oder andere letzte Bier schlecht war, wie man so schön sagt, dann hat sich das mit dem Training für den nächsten Tag nämlich leider erledigt.

Verkartert einen Intervall-Lauf zu machen, ist, als würde man durch den Fleischwolf gedreht werden. Da verschiebt man das Training dann schon mal auf den nächsten Tag. Was verkartert aber sehr gut funktionniert, ist, einen trinken zu gehen und die nächste Beach-Bar einer ausführlichen Inspektion zu unterziehen. Dilemma, Dilemma, denn das Training fällt am nächsten Tag schon wieder aus. Satz mit X halt.

Aber, wie gesagt, das ist ja das Schöne am Reisen. Man kommt immer wieder an neue, aufregende Orte und es gibt so viel zu entdecken. Und bis zum Penang-Marathon im November bleibt schließlich noch viel Zeit für Training. Aber wer weiß schon, wie lange die geile Beach-Bar, die ich gestern entdeckt habe, noch steht? Es geht nicht, dass ich ihr keinen Besuch abstatte. Das gebietet ja alleine schon die Höflichkeit, wenn man neu auf einer Insel ist.

Dann werden die Trainingseinheiten halt verschoben, dafür dann aber brachial und schmerzlos durchgezogen – wenn ich mal ein paar Tage frei habe neben meinen Inspektionszügen durch die Beach-Bars von Koh Lanta.

Manchmal gibt es eben Wichtigeres als das Laufpensum, finde ich. Laufen ist zwar super und bereichert auch mein Leben ungemein, aber Laufen alleine macht auch nicht glücklich. Gut, zugegeben, in Beach-Bars rumzulungern, die Cocktialkarte auswendig zu lernen (Learning by Doing) und wie ein Idiot entrückt auf Meer hinauszublicken, ist auch fern der Glückseligkeit. Aber: die richtige Mischung macht es doch!

Und diese perfekte Mischung verlangt von mir halt gerade eben, dass ich den Lauf-Gott mal einen guten Mann sein lasse und mich ganz der Nachbarschaftpflege hier in meinem neuen inseltropischen Habitat hingebe.

Was es hier nicht alles zu entdecken gibt – zum Beispiel die Inselhauptstadt Saladan.

Bild: neitram | CC BY-SA 3.0

Also: auf die Frage, wie es läuft, kann ich gerade nur eine treffende Antwort geben: ich laufe gar nicht, dafür läuft´s bei mir aber hervorragend.  Was kann ich mehr wollen?

Und mein Endziel habe ich ja deshalb nicht aus den Augen verloren: den Penang-Marathon im November unter 4 Stunden zu schaffen und das Finisher-Shirt abzukassieren! Wie ich das letztendlich hinbekomme, ist nur Makulatur.

Ich verspreche an dieser Stelle aber der lieben laufenden Gemeinde hoch und heilig, dass ich bald wieder mit dem Training anfange! Sobald ich alle Beach-Bars hier samt der Cocktailpreise kenne. So viel Bars kann es auf einer kleinen tropischen Insel doch wohl nicht geben! Oder vielleicht doch?

Wir werden sehen. Ein Prost auf Euch, liebe laufende Gemeinde!

Euer Tankred

#keeponrunning


Hinterlasse einen Kommentar

Vorheriger Beitrag:

Nächster Beitrag: