Marathon mit Ü80 – Der miese Renn-Opa

von Tankred Dankmar am 29. Juni 2017

Liefe laufende Gemeinde!

Kürzlich habe ich gelesen, dass ein 80-jähriger Herr beim Berlin-Marathon die 42 Komma Irgendwas Kilometer in 4:30 gelaufen ist. Sensationell, finde ich, frage mich aber auch, wie das überhaupt möglich ist? Dass jemand in jungen Jahren den Marathon in knapp zwei Stunden RENNT kann ich ja noch nachvollziehen. Was soll die Jugend schließlich aufhalten, wenn nicht ein Beinbruch? Aber ein 80-jähriger – Entschuldigung – Opa in 4:30? Kommt schon! Das ist doch nicht ganz normal, ja, eigentlich kaum vorstellbar.

4:30 – das ist eine Zeit, die man von einem halbwegs trainierten 40-jährigen oder einem 50-jährigen, der noch wirklich gut in Schuss ist und noch nie geraucht und nie in seinem Leben eine ganze Flasche Tequila getrunken hat, erwarten kann. Aber 80? Da ist doch was faul. Ich merke mit knapp 40 ja schon, wie die Knochen knirschen, die Muskeln weniger Saft haben und ich nach immer neuen Wehwehchen quasi schon selber suche.

Wie hat dieser ältere Herr das also gemacht? Hat der seinen inneren Schweinehund einfach herzlos ermordet? Und wieso klappt der nicht wie ein Klappspaten nach der Hälfte der Strecke zusammen? Wie kann ein Herz/Kreislauf-System, das schon seit 80 Jahren seinen 24/7-Dienst tut, so etwas aushalten?

Hier! DAS sollte man in hohem Alter machen: gemütlich auf einer Parkbank herumsitzen und lässig lächelnd auf den Tod warten – NICHT MARATHON RENNEN!

Bild: Candida Performa | CC BY 2.0

Gut, wir werden Dank besserer medizinischer Versorgung und allgegenwärtiger Wohlstandsgesellschaft immer älter. 100 ist ja angeblich das neue 80. Stichwort: Fit im Alter. Aber so fit kann doch wirklich kein Opa mehr sein, oder? 80 ist schließlich echt alt, verdammt. Ich kann ja verstehen, dass man mit 60 noch fit wie ein getragener Turnschuh ist und das Alter ausblenden kann. ABER 80!!! EINEN GANZEN STADT-MARATHON!!! IN 4:30!!! Ne ne, da stimmt etwas nicht.

Hat irgendwer den Opa nachher eigentlich mal auf Dopingmittel untersucht? Vielleicht hatte der noch Reste von Hitlers Aufputschmittel „Pervitin“ zuhause gebunkert? Das Zeug ist ja damals in rauen Mengen an die Soldaten verteilt worden, damit sie mitten im Krieg auch bloß nicht wegpennen. Aber Spaß beiseite. Das passt ja schon rein zeitlich nicht, der gute Mann war bei Ende des Krieges erst acht Jahre alt. Unwahrscheinlich also, dass man ihn mit Pervitin eingedeckt hat. Aber man kann auch nie wissen.

Pervitin aus dem 2. Weltkrieg ist ein Methamphetamin, sprich: Speed, Crystal Meth. Wurde damals an Soldaten der Wehrmacht verteilt wie Zuckerwatte auf der Kirmes an Kinder. Irgendwo muss der Renn-Opa noch ein Döschen gefunden haben.

Bild: Jan Wellen – CC BY-SA3.0

Ich scherze natürlich etwas. Im Grunde versuche ich mich hinter meinem Zynismus nur zu verstecken. Ich finde zwar nicht, dass Alter generell ein Verdienst ist, aber 4:30 mit 80, das ist schon was, wovor ich den Hut ziehe. Gleichzeitig macht mich diese Info natürlich auch etwas unsicher. Ich gehe nämlich davon aus, dass ich mir in dem Alter auch nicht mal mehr selber die Laufschuhe zubinden kann, wenn ich bis dahin nicht sowieso schon kümmerlich verreckt bin. GESCHWEIGE DENN, DASS ICH NOCH IRGENDWO HINRENNE. UND SCHON GAR NICHT SO LANGE SO VERFLUCHT SCHNELL!!! 

Vielleicht ist der Herr auch einen Pakt mit dem Teufel eingegangen. „Faust“, „der Freischütz“, so was in der Art eben. Er hat den Herrn der Finsternis heraufbeschworen, hat ihm seine unsterbliche Seele verkauft, um es noch einmal allen so richtig zu zeigen, allen anderen Läufern den Stinkefinger unter die Nase zu halten und eine Duftmarke zu hinterlassen, die so schnell keiner toppen kann. Was für einen miesen Charakter dieser Opa doch hat. Pah! 

Der Deal mit dem Beelzebub würde als Erklärung eventuell etwas taugen, wenn ich an einen Teufel und an eine unsterbliche Seele glauben würde. Tue ich aber nicht! Also doch Pervitin? Vielleicht bei den Nazi-Orden seines Vaters als Hinterlassenschaft dieser dunklen Ära gefunden? Oder Koks hinter Bahnhof gekauft?

Himmel, Arsch und Zwirn, irgendetwas muss der Mann doch eingenommen haben, nur mit Energy-Drinks und ein paar Bananen kommt ein 80-jähriger doch nicht in dieser Zeit bis ins Ziel. Es ist einfach unmöglich!

Da! Der wissenschaftliche Beweis in Form eines Diagramms. Mit 80 Jahren ist da nur noch eine Restenergie übrig. Die kann unmöglich ausreichen, um noch einen Marathon in 4:30 zu rennen. Da muss etwas faul sein.

Bild: gemeinfrei

Grrrrrrrr. Es ist zum aus der Haut fahren. Ganz ehrlich, bei solchen Neuigkeiten aus der Läuferwelt will ich einfach nur noch mit dem Laufen aufhören. Warum? Weil ich weiß, dass ich dieses Ziel NIEMALS ERREICHEN KANN! Warum dann also überhaupt überhaupt noch laufen? Ich kriege diese 4:30 ja gerade mal mit der Hälfte an Lebenslenzen hin. Da kann ich´s auch gleich bleiben lassen. Dämlicher Spielverderber, dieser Opa. Echt jetzt!

So, liebe laufende Gemeinde! Ich hoffe doch, Ihr seid mir hier jetzt nicht auf den Leim gegangen. Natürlich finde ich das einfach wunderbar und köstlich, dass ein netter Opa mal eben den Berlin-Marathon rockt und der Jugend eine lange Nase dreht und zeigt, wie der Hase läuft – im wahrsten Sinne des Wortes. Und natürlich ohne Hitlers Wehrmachtsdrogen und ohne Unterstützung seitens des Herrn Mephistos. Ist doch klar.

Eigentlich wollte ich Euch nur auf einen wunderbaren Läufer-Film hinweisen, den Ihr unbedingt sehen solltet. Damit Ihr motiviert bleibt, bis ins hohe Alter unserem schönen Sport zu frönen. In diesem Film spielt das Urgestein der deutschen Unterhaltung Dieter Hallervorden eben genau so einen Renn-Opa, der sich noch einmal gegen das baldige Ende erhebt und den Berlin-Marathon läuft.

Hier der Trailer:

Ach übrigens: Die Geschichte von dem 80-jährigen Renn-Opa, der den Berlin-Marathon rockt, ist übrigens wahr und nicht nur eine filmische Legende. Also: Hopp hopp! Laufen laufen! Training! Sonst überholt Euch der Renn-Opa beim nächsten Marathon nämlich noch mit ´ner Kippe im Mundwinkel. Und das könnt Ihr nicht wirklich wollen. 

Viel Spaß beim Hinterherrennen und anschließendem Filmchenschauen,

#keeponrunning

Euer Tankred


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ultraistgut Juni 29, 2017 um 13:14

Und das ist auch noch nicht alles, ich kenne einen Mann, der mit 96 Jahren bei einem 24-Stundenlauf 100 km locker und leicht zurückgelegt hatte, der Laufstil war nicht schlechter als der eines jungen Mannes. Ja, es gibt sie die Ausnahmen. Ein Grund mehr, aktiv am Ball zu bleiben !

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