Marathon: Trainigsplan oder nicht Trainingsplan – das ist hier die Frage

von Tankred Dankmar am 29. März 2016

Liebende laufende Gemeinde! Ehrlich gesagt: ich befinde mich in einem kleinen Dilemma.

Ich bereite mich nun mal so langsam auf meinen ersten Marathonversuch in den Tropen vor, kann mich aber nicht entscheiden, ob ich es nun mal mit einem ausgeklügelten Trainingsplan eines ECHTEN Fachmanns probieren sollte oder ob ich einfach weiterhin nach eigenem Gutdünken und Ermessen einfach laufen sollte und darauf hoffe, dass ich das schon irgendwie hinkriege. Sollte ich doch eigentlich. Denke ich mir zumindest.

Einen Marathon habe ich ja schließlich schon geschafft. Allerdings liegt dieser A: schon Jahre zurück, fand B: nicht unter Wettkampfbedingungen, sondern einsam auf der Lieblingswaldstrecke an einem schönen Sonntagnachmittag im Nachsommer statt und damit C: nicht in den Tropen! Oder mit anderen Worten: was ich mir da für den Penang-Marathon im November in Malaysia vorgenommen habe, ist selbst für mich, der ich weder Furcht noch Panik beim Laufen kenne, gelinde gesagt, Respekt einflössend. Ob es der nötige ist, wird sich ja dann noch zeigen.

Aber ich will diesen Marathon unbedingt schaffen und anschließend damit ordentlich angeben können. Da dürfen keine Pannen passieren, ich würde es mir nie verzeihen, wenn ich hinterher humpeln müsste und doch nicht im Ziel ankäme, weil ich mich nicht richtig vorbereitet habe.

´Undenkbar, es nicht bis ins Ziel zu schaffen. Denn darum läuft man schließlich los!´

Welcher Typ Läufer bin ich?

Es gibt zwei Arten von Läufern, zumindest grob unterteilt. Typ 1 läuft um des Laufens willen, um sich zu bewegen, draußen zu sein, sich zu spüren, zu genießen. Ihm ist der Wettkampfgedanke eher fremd, er stoppt nicht die Zeit und meistens weiß er noch nicht einmal, welche Distanz er überhaupt zurückgelegt hat, wenn er wieder daheim ankommt. Pulsmesser, Lauf-App, Trainingsplan – was ist das? Laufen ist Balsam für die Seele und liegt in der Natur des Menschen. DESHALB läuft Typ 1, nicht um sich Bestzeiten abzuringen oder einen Marathon wenigstens mal unter vier Stunden zu absolvieren.

Typ 2 ist das genaue Gegenteil: er läuft nicht um des Laufens willen, sondern gegen die Uhr. Seine schönsten Momente im Leben sind die, wenn er sich auf der 10 km Standardstrecke mal wieder um 5 Sekunden selbst unterboten hat. Er analysiert jeden Schritt, jeden Atemzug und kennt seine Trainingspläne in- und auswendig.  Er hat immer ein klares Ziel vor Augen und meistens erreicht er es auch, weil er weiß, wie es geht. Typ 2 kommt bei einem Marathon IMMER ins Ziel. Typ 1 dagegen versucht es meistens gar nicht erst, zumindest nicht bei einem Wettkampf.

Ich selber würde mich eigentlich ganz klar zum Typ 1 Läufer zählen. Ich laufe, weil ich es schön finde, weil ich mich dabei spüre, weil ich es genieße und einfach, weil ich´s kann. Pulsmesser, Trainingsplan, genaue Koordinaten – Fehlanzeige. Habe ich noch nie besessen, benutzt, zu Rate gezogen. Ungefähr weiß ich um die Distanzen, die ich laufe – und das war´s dann auch schon. Sekunden sind mir herzlich egal, Minuten auch, ich analysiere eher mein Gefühl beim Laufen denn nackte Zahlen. Mal läuft´s sich gut, mal eher unbequem. Aber es läuft sich, und das ist ja schon mal was.

Aber: manchmal bin ich auch Typ 2. Dann fahre ich mit dem Motorrad vorher eine Strecke ab, damit ich genau weiß, welche Distanz sie hat. Und dann stecke ich mir selber ein Zeitziel. Und wehe, ich erreiche es nicht. Dann hadere ich aber ordentlich mit mir als Läufer. 10 km, die ich dann nicht mindestens unter 50 Minuten laufe, werden zu meinem persönlichen Sodom und Gomorrha und ich überlege hin und her, warum ich so langsam bin wie ein Faultier.

Wie kann ich das besser machen? Und warum ist das eigentlich so beschissen gelaufen?

´Laufen nach Zahlen. Beeindruckend langweilig!´

Bild: Langläufer | CC BY-SA3.0

Aber ich bin viel zu sehr Typ 1 und zu wenig Typ 2, als dass ich mal einen professionellen Trainingsplan zu Rate ziehen und auch befolgen würde. Ich habe zwar schon ein paar Mal den ein oder anderen Trainingsplan quer gelesen und solche Stickpunkte wie Intervalltraining und die richtige Diät sind mir zwar durchaus bewusst, aber ich befolge ihre unbestreitbare Logik nicht. Das ist natürlich dumm, denn dann sollte man sich auch nicht wundern, wenn man keine Höchstleistungen und Bestzeiten abliefert und hinter solch grandios gesteckten Zielen hinterher hinkt. Von nichts kommt schließlich nichts.

Dann sollte man eigentlich auch nicht bei einem Stadtmarathon in den Tropen starten und sich selbst das Ziel setzen, diesen auch bitteschön unter vier Stunden zu laufen. Aber ganz ehrlich: alles andere kommt für mich gar nicht in die Tüte! Das wäre ja lächerlich, da kann ich doch besser gleich zu Hause bleiben und weiter mit dem Pulk der Typ 1 Läufer durch die Gegend laufen – denn für sie ist ja der Weg das Ziel und nicht die 4-Stunden-Marke. Aber für mich schon, wenn ich schon an den Start gehe.

Ihr seht: ich stecke jetzt in einem Dilemma fest. Ich sollte schleunigst mal nach einem gescheiten Trainingsplan googlen und ihm entsprechend auch anfangen zu trainieren. Schaden kann es doch wohl nicht, oder? Aber ist das auch wirklich ZWINGEND notwendig? Oder kann ich mein Ziel auch auf die altbewährte Art erreichen und einfach auf das Beste hoffen? Wieso kann man nicht das Beste aus beiden Welten – der Typ 1 und der Typ 2 Läuferwelt – haben?

Mir sind Trainingspläne und die damit verbundene Disziplin einfach zuwider. Aber ich will auch als 4-Stunden-Marke-Held durch das Ziel in George Town einlaufen und mich feiern lassen. Von wem, dass weiß ich zwar auch nicht, aber irgendwer wird schon mitfeiern.

´Vuvuzela-Fanfaren beim Zieleinlauf? Aber mindestens!´

 Bild: Manuguf | CC BY 2.0

Also doch Trainingsplan?

Also gut. Ich komme wohl nicht drum herum, oder? Millionen erfolgreiche Läufer, die nach Trainingsplan trainieren und die dadurch auch offensichtlich bedeutend besser werden, können ja eigentlich nicht irren. Hier siegt die Statistik und Vernunft wohl letztendlich doch über Unwillen und Disziplinmuffeligkeit. Ich seh´s ja ein. Okay okay. Ich such´ mir jetzt mal ein paar Trainingspläne raus und befolge diese dann auch.

Und wenn ihr diesbezüglich ein paar gute Tipps für einen habt, der noch nie einem Trainingsplan gefolgt ist, dann bitte immer her damit! Aber nach dem Penang-Marathon werde ich mir diese ganzen Pläne auch wieder getrost an den Hut stecken. Dann wird wieder der Nase nach gelaufen. Weil´s Spaß macht, keine Uhr zu haben! Weder beim Laufen noch im Leben!

Aber jetzt mal nach Plan!

Euer Tankred


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