Müdigkeit entsteht im Kopf – Läufer sollten auch ihr Gehirn (mental) trainieren

von run.de am 10. September 2015

Studien sind etwas wunderbares. Viele Läufer kennen das, dass der Körper eigentlich müde ist, dass es der Wille aber dennoch schafft, dass man weiter läuft. Kraft und Befriedigung zieht man dann daraus, dass man an seine Grenzen gegangen ist und ein Ziel erreicht hat. Herrlich.

Der Fußball-Profi Thomas Müller hat dazu in einem Interview mal gesagt, dass es Müdigkeit nur im Kopf gebe. In der Management-Literatur gibt es immer wieder die Formulierung “Success is a state of mind”. (Erfolg ist ein Zustand des Geistes) Da scheint also wirklich etwas dran zu sein.

Und nun zur Studie: Britische Forscher haben untersucht, inwiefern es möglich ist, dass geistige Müdigkeit dazu führen kann, dass auch der Körper schwächer wird. Hierzu haben sie folgendes Setup durchgeführt: Es gab zwei Gruppen. Die Teilnehmer beider Gruppen sollten hochintensiv am körperlichen Limit Radfahren. Die Teilnehmer der einen Gruppe mussten sich im Vorfeld allerdings 90 Minuten lang einem mental anstrengenden Test am Computer unterziehen. Teilnehmer aus der zweiten Gruppe schauten derweil emotional neutrale Dokumentationen am Bildschirm.

Bei der anschließenden körperlichen Belastung stellte sich heraus, dass das körperliche Training für diejenigen, die den anstrengenden Test absolviert hatten, auch anstrengender war. In der Gruppe gaben mehr Teilnehmer vorzeitig auf als in der zweiten, mental entspannten, Gruppe.

Die Schlussfolgerung: Das Gehirn sendet die Signale der Müdigkeit und der Körper hört darauf, obwohl Muskulatur und Herz-Kreislauf-System in der Lage wären, höhere Leistungen zu erbringen. Zusammengefasst: Unser Gehirn ist der Boss. Es sagt unserem Körper, was er tun soll und was er nicht tun sollte.

Nun stellt sich natürlich die spannende Frage, ob man auch sein Gehirn dahingehend trainieren kann, dass der Körper höhere Leistungen erbringen kann. Und die Forschung ist sich sicher, dass man es kann. Viele Läufer kennen den Effekt sogar selbst: Wer schon mal für einen Marathon trainiert hat, weiß: Irgendwann kommt im Training der Punkt, an dem man eigentlich keine Lust mehr hat, weiter zu laufen. Dennoch läuft man weiter, absolviert die Einheit bis zum Ende und fühlt sich danach gut. In diesem Moment hat man nicht nur die Oberschenkel trainiert, man hat auch seinem Gehirn signalisiert, mit negativen Einstellungen gut umzugehen. Und wenn später während des Marathons die Signale kommen, dass man eigentlich nicht mehr weiter laufen kann, dann hat das Gehirn gelernt: Laufe weiter. Das schaffst du.

Und auf einmal bekommt man den zweiten Atem. Der kommt letztlich aus dem Kopf. Wie es scheint, stimmt es demnach: Success is a state of mind.

#keeponrunning


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