„No sports“ ist nicht so schön wie der Dauerlauf

von run.de am 26. April 2016

Liebe laufende Gemeinde!

Auf die Frage, warum er denn im hohen Alter noch so fit und anscheinend gesund sei, antwortete Winston Churchill einmal: ´No sports!´ Das ist natürlich der blanke Hohn, ich persönlich schreibe das eher dem Tun seiner ausgezeichneten Leibärzten zu, die diesem ´Zaren von England´ exklusiv gedient haben. Die hatten bestimmt alle Hände voll zu tun bei diesem übergewichtigen, Zigarre rauchenden und Whiskey trinkenden Feldherrn und Staatslenker.

Aber nun gut, jeder darf gerne seine Meinung haben. Wir Läufer wissen natürlich, dass Sport super ist und nicht nur fit und gesund macht, sondern sich auch hervorragend als Zeitvertreib eignet – ganz besonders der Dauerlauf!

Der größte Anti-Sportler aller Zeiten – Winston Churchill

Heute will ich aber mal unseren Lieblingssport mit anderen Sportarten vergleichen. Denn auch wenn das Laufen so schön ist, dass man eigentlich nie geung davon bekommen kann, so tut ein wenig Abwechslung hier und da doch vielleicht für den einen oder anderen auch mal Not.

Aber welcher Sport passt zu uns Läufern?

Gibt es vielleicht einen, der sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt und bei dem wir den Dauerlauf UND noch etwas anderes kombinieren können? Und bei welchem anderen Sport können wir uns die Freiheit erlauben, ihn zu machen, wann wir wollen und wo wir wollen? Gibt es einen Sport, der diese Vorzüge auch hat?

Spontan fällt mir da auf Anhieb eigentlich keiner ein. Ski-Langlauf vielleicht, aber das ist ja eigentlich auch nur eine veränderte Form des Dauerlaufs – und seltsamerweise dazu geeignet, dass sich unsere Mutter Kanzlerin dabei die Hüfte bricht. Wie sie das gemacht hat, ist mir bis heute schleierhaft. Wer bricht sich denn die Hüfte, wenn er bei 3 km/h in den weichen Pulverschnee plumpst? Hätte Mutter Oberin mal den Rat ihres Kollegen Churchill beachtet. Dann wäre ihr diese Schmach, die die Presse natürlich ausgiebig für höhnische Spötteleien genutzt hat, erspart geblieben.

Des Deutschen Lieblingssport ist ganz klar der Fußball. Ist ja auch ein toller Sport und die Menschen die solche Sätze sagen wie: ´Da rennen doch bloß 22 Idioten über einen Platz und jagen einem Ball nach. Gebt doch jedem einen eigenen und alle können wieder nach Hause gehen´ outen sich quasi selbst und haben die Abseitsregel auch nach der zehnten Erklärung noch nicht verstanden. Wer Fußball nicht toll findet, hat wirklich keinen Sinn für Sport. Das heißt nicht, dass man jedes Drittligaspiel gebannt vor dem Fernseher verfolgen muss, aber jeder, der selbst mal gespielt hat, weiß, wie viel Spaß es macht, Fußball zu spielen und wie viel Können und hartes Training dafür nötig ist.

Das Runde muss ins Eckige. Dafür muss man aber eine Menge über den Platz laufen.

 Bild: Rdikeman | CC BY-SA3.0

Ein Profispieler rennt im Schitt 10 bis 13 km in einem Spiel! Das ist eine ganze Menge in nur 90 Minuten. Er ist quasi die ganze Zeit ziemlich flott in Bewegung. Vor allem die Sprints zwischendurch haben es echt in sich. So eine Partie ist eigentlich eine perfekte Trainingeinheit für einen Marathon. Und da werden wir Läufer natürlich direkt hellhörig.

Ist Fußball der richtige Alternativsport für uns Läufer? Ein paar technische Daten sprechen durchaus für ihn. Allerdings gibt es auchein paar triftige Gründe dagegen:

  1. Man kann Fußball nicht allein spielen. Man kann zwar alleine Torwandschießen, aber das hat nun wirklich nichts mehr mit Sport zu tun.
  2. Man kann nicht frei laufen, sondern hat meistens diesen doofen Ball noch vor den Füßen.
  3. Dauernd wird man gefoult, wenn man den Ball hat. Die Verletzungsgefahr ist also extrem hoch. Nichts, was wir Läufer gerne haben.
  4. Neben einer Mannschaft braucht man auch noch einen riesigen Fußballplatz. Die stehen nun auch nicht überall herum und sind frei zugänglich.

Also, Fußball ist zwar gut und schön, aber für waschechte Läufer gibt es einfach zu viele Hindernisse beim Laufen über den Platz.

Wie wäre es denn vielleicht mit Tennis? Wenn man ein starker Spieler ist, dann läuft man bei einem mehrstündigen Match auch eine ganze Menge und die ständigen Sprints, um die Stoppbälle kurz hinter dem Netz noch zu kriegen, haben es auch in sich. Nur dummerweise braucht man auch fürs Tennis immer noch einen Spielpartner. Damit nicht genug, man braucht auch noch einen Platz, den man für viel Geld in elitären Clubs mieten muss. Und man braucht eine teure Ausrüstung. Schläger, ein dutzend Bälle, die sich schnell abnutzen, neue Bespannung und diese dämlichen Tennis-Outfits. Da hat man schon keine Lust mehr, bevor man überhaupt anfängt.

Ein Grund mehr, kein Tennis zu spielen: diese ständigen Pausen!

Bild: Marc di Luzio | CC BY 2.0

Beim Basketball wird auch viel gelaufen, aber man sieht sich mit denselben Problemen wie beim Fußball konfrontiert. Volleyball ist nur was für Mädchen (Sorry Mädels, war nicht so gemeint!). Baseball ist was für alte Männer mit Bierbäuchen. Football ist was für Proleten und dumme Jungs. Die Alternative Rugby? Ja klar, vielen Dank auch! Karate, Kung Fu, Aikido, Muay Thai, Krafmaga, Taekwando und wie sie alle heißen, das ist nichts für Läufer, das ist etwas ganz anderes und eigentlich nur für Leute gedacht, die sich zu fein sind, um sich beim Boxen ordentlich auf die Fresse zu hauen.

Jetzt hab´ich´s! Heureka! Warum mir das nicht schon viel früher eingefallen ist. Der ideale Ausgleichssport für jeden ambitionierten Läufer ist natürlich (Trommelwirbel): GOLF!

Ist doch logisch. Man kann Golf alleine spielen, man ist an der frischen Luft, man läuft viel – wenn auch langsam, so doch mehrere Kilometer, wenn man 18 Loch spielt – und jeder kann ihn spielen. Ich hab´s zwar noch nie probiert, aber so schwierig kann es ja nicht sein, einen kleinen Ball mit einem Schläger aus Titan über eine langgestreckte Grünfläche zu dreschen und in einem Loch zu versenken. Das ist ja schließlich keine Raketenwissenschaft.

Das Beste am Golf für einen Läufer ist, dass er sich dabei auch noch hervorragend regenerieren kann. Denn eins ist Golf kann sicher nicht: körperlich anstregend. Es ist eher wie ein gemütlicher Spaziergang abseits der hektischen Welt da draußen, wobei man dabei noch einen kleinen weißen Ball vor sich her schlägt. Man kann dabei sogar rauchen und saufen, wenn einem danach ist. Toll! Die beste Entspannung nach einer anstrengenden Trainingseinheit für den nächsten Stadtmarathon. Und selbst Herrn Churchill würde Golf gefallen, denke ich. Rauchen, saufen, spazierengehen und ein Schwätzchen dabei halten – dafür hätte sich der alte Mann sicherlich noch begseistern können. ´No sports´ eben.

Golf - Das nennen manche Menschen tatsächlich Sport. Pffft!

Also liebe laufende Gemeinde! Wir melden uns jetzt mal alle schön im nächsten Golfclub an und erobern das Grün und zeigen der feinen Gesellschaft dann mal, wie ein RICHTIGER SPORTLER Golf spielt. Dazu müssen wir nur ein paar Jahre auf die Warteliste und uns den  Beitrag für den elitären Club der oberen Zehntausend vom Munde absparen. Aber egal! Das ist es wert. Ich werf´ jetzt gleich schon mal fünf Euro ins Sparschein. Draufgeschrieben habe ich: ´Golfclub (in 10 Jahren)´. Es ist doch immer gut, wenn man ein Ziel vor Augen hat.

Also: wir sehen uns dann in knapp 10 Jahren mit einem Champagnerglas am ersten Loch. Ich kann´s kaum erwarten.

Euer Tankred


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