Noch 3 Monate bis zum Kiew Halbmarathon

von Sandra Mastropietro am 1. Juli 2014

Noch 3 Monate bis zum Kiew Halbmarathon

oder auch

Wie alles begann

Man sagt, der Unterschied zwischen einem Berg und einem Hügel liege in der Perspektive…  Angespannt lausche ich den surrealen Geschichten meiner Freundin Maria, die gerade in Kiew Ihre Familie besucht und frage mich, ob eine ähnliche Gleichung auch auf die Worte Wiedergeburt und Revolution anwendbar ist?!

Die beschriebenen Erlebnisse in Ihrem Heimatland Ukraine sind von Wiedergeburt und Hoffnung geprägt, nicht etwa von Hass, Gewalt oder gar Krieg; wie es wild durch den Mediendschungel kursiert.

Sie redet ruhig und gefasst, berichtet von Blumenkränzen, Gedenktafeln und einer Ausstellung patriotischer Kinderzeichnung zu Ehren der Gefallenen. Sie erzählt von Straßen ohne Pflaster, da die Steine von den Bürgern zur Selbstverteidigung gegen gewalttätige Spezialeinheiten dienten und von einem „Weihnachtsbaum der Revolution“; dessen Gerüst Ende November durch die Kiew-Stadtverwaltung auf dem Maidan aufgestellt, aber nie festlich dekoriert wurde…

Denn in der Nacht vom 31.11 auf den 01.12, gegen 4 Uhr morgens, wurde eine kleine Gruppe Demonstranten, vornehmlich junge Leute und Studenten, die sich für die Annäherung an die EU einsetzten, von der „Berkut“ (eine Spezialeinheit der Polizei) überfallen und brutal zusammengeschlagen.

Als Reaktion auf diesen Vorfall versammelten sich am darauffolgenden Tag knapp eine Million Menschen auf dem Maidan. Sie forderten die  Bestrafung der Verantwortlichen dieser Gräueltat. Tage und Nächte vergingen; nichts passierte. Einmal NICHTS zuviel für die Bevölkerung der Ukraine.

Die Menschen wollten ein Zeichen setzen; das NICHTS für immer verNICHTen! So kampierten sie Monate lang auf dem Platz, errichteten dort eine Infrastruktur und ein Zeltlager – Ihre Präsenz als Mahnmal geltend.

Jede Geschichte, jede Veränderung braucht einen Anfang…und so beginnt Kiews Wiedergeburt mit einem Weihnachtsbaum!

Der Maidan ist inzwischen zu einem politischen Forum geworden. Hier treffen sich die Menschen zum Reden, um sich auszutauschen, Achtung zu schenken und Mitleid zu geben; um Gelder und Sachen für die Flüchtlinge aus der Ostukraine sowie für Kinder und Bedürftige zu spenden.

Puhhhh, genug politische Informationen für einen Blog-Eintrag würde ich sagen…nach dem Telefonat mit Maria musste ich erst einmal eine große Runde laufen gehen um auch nur annähernd zu verstehen und zu begreifen, was dort, im Osten Europas, gar nicht weit von hier, vor sich geht.

Umso mehr freue ich mich, dass mich so viele großartige Menschen auf meinem Weg nach Kiew begleiten und meine gelaufenen Kilometer mit  vielen kleinen Cent-Beträgen unterstützen, die Gesamt schon über einen Euro pro Kilometer ergeben 🙂

Also nun zum Laufen 🙂

Wie bereite ich mich also auf diese extrem bergige Streckenführung in der Ukraine vor?

Nun ja, nachdem ich den ganzen Winter und das ganze Frühjahr „durchgeackert“ 😉 habe, ist eine gute Grundlagenausdauer geschaffen. 21 Kilometer am Stück sind nach unzähligen Trainingsstunden kein Problem mehr und danke regelmäßiger Intervalle sind auch die Zeiten endlich passabel geworden. 😉

Jetzt heißt es Muskelaufbau und Technik-Tuning! …Irx, eigentlich genau das, was ich gar nicht mag – aber ok, dass Läuferleben ist kein Wunschkonzert und wer die Hügel 😉 in Kiew schnell hoch sausen möchte, braucht nun einmal Kraft in den Beinen! 🙂

Klaus Bachmann, Geschäftsführer des Gymmy Shape & Club in München und Functional Training Expert, hat hier ein paar äußerst anstrengende, aber hocheffiziente, Übungen auf Lager, von denen ich Euch jede Woche zwei vorstellen möchte.

Eine besagte Beinmuskulaturübung und eine „Stabiübung“ für den starken Rumpf 🙂 Jede Übung wird in 2 Varianten dargestellt; einmal basic und einmal advanced.

Ich führe auf den Fotos die Basic Variante aus und Klaus die Fortgeschrittene 🙂

Also, liebe Leser – no excuses! … die Übungen sind extra so gewählt, dass man sie ohne Probleme daheim vor dem Fernseher ausführen kann 😉

1 Übung: Variation Windmühle

Hier variiert die Basic von der Advanced Variante nur über das zusätzliche Gewicht. Basic wäre dementsprechend ganz ohne den Einsatz von Hilfsmitteln wie Hanteln oder Kettlebells. Je mehr Gewicht hinzukommt, desto more advanced ;))

Ausführung:

Das Standbein ist gestreckt, die Muskulatur im ganzen Körper angespannt, der Rücken gerade. Nun streckt Ihr ein Bein langsam nach hinten aus, bis Euer Rücken und „das schwebende Bein“ eine Linie ergeben. Führt den gegenüberliegenden Arm zum Standbein, Euer Blick bleibt nach vorn gerichtet. Das ist der Moment, indem es irgendwie überall zieht 😛 Zumindest wenn Ihr es richtig macht 😉

Kleiner Hinweis: Achtet darauf, dass Eure Hüfte gerade bleibt. Wir neigen vom natürlichen Bewegungsablauf dazu, unsere Hüfte „aufzudrehen“. Das nimmt in diesem Falle allerdings der Übung den Sinn. Am besten Ihr dreht Euren „schwebenden Fuß“ in Richtung Standbein, also leicht nach innen. Das unterstützt die richtige Hüftposition.

Angesprochene Muskelgruppen: Oberschenkelrückseite, Gesäßmuskel und untere Rückenmuskulatur.

2. Übung: Variation Side-Plank

Der gute alte Unterarmstütz… ich hatte ihn still und heimlich aber erfolgreich aus meinem Stabi Programm geschmissen; da kommt Klaus mit erhobenen Zeigefinger: Nein, nein…der Side-Plank gehört zum Läufer-Stabi wie die Banane zur Streckenverpflegung und die Medaille zum Zieleinlauf.

Ok; ok…so geht’s 😉

Geh in den seitlichen Unterarmstütz (Side-Plank), indem Du Dich auf den unteren Arm stützt 😛  Der Ellenbogen sollte direkt unter der Schulter sein. Die Hand des anderen Armes streckt Ihr gerade nach oben. Wenn der Arm vollständig gestreckt ist, dreht Ihr Euren Oberkörper zur gestützten Seite ein und schiebt „den freien“ Arm einmal soweit es geht unter Eurem gestützten Oberkörper hindurch. Kurz halten und „aufdrehen“, bis der Arm wieder ganz nach oben gestreckt ist. So oft wie möglich wiederholen 😉

Die Advanced Version wird genauso ausgeführt, nur das die Ausgangsposition hier der Hohe Side Plank (auf die Hand anstelle des Unterarms gestützt) ist.

Meine Freundin und Trainingspartnerin Laufcoaching Annika Hoffmann begrüßt Klaus‘ Stabi-Drill und gibt uns einen ähnlichen Expertentipp mit auf dem Weg:

Laufen ist nicht gleich Laufen“ sagt sie. „Der Laufsport fordert ein ganzheitliches Training aus verschiedenen Komponenten. Dazu gehören natürlich der klassische Dauerlauf, das Fahrtenspiel (Tempowechsellauf), Intervalltraining auf der Bahn sowie eben die Stabilisation und das Faszientraining inklusive der Selbstmassage (zum Beispiel mit der blackroll)“

So, nun habe ich soviel über Stabi geschrieben, dass ich direkt Laufen gehen muss 😉

Ich wünsche Euch eine wunderschöne Woche!

#keeponrunning

Eure Sandra


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