Noch 41 Tage bis zu den 42 Kilometern von Mumbai

von Sandra Mastropietro am 10. Dezember 2013

„Es ist Unsinn – sagt die Vernunft.
Es ist was es ist – sagt das Läuferherz
Es ist Unglück – sagt die Berechnung.
Es ist nichts als Schmerz – sagt die Angst.
Es ist aussichtslos – sagt die Einsicht.
Es ist was es ist – sagt das Läuferherz
Es ist lächerlich – sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig – sagt die Vorsicht.
Es ist unmöglich – sagt die Erfahrung.
Es ist was es ist – sagt das Läuferherz“

Nach Erich Fried, abgewandelt

Samstagmorgen klingelt mein Handy: „Grüße aus dem chaotischen Mumbai Sandra, ich habe keine Ahnung wie Du in dieser Stadt 42,195 Kilometer laufen willst?! …es sind gefühlte 1846 Prozent Luftfeuchtigkeit; schon der Weg vom Hotel zum Auto ist eine Qual… und überall diese Abgase…“

Schweigen auf meiner Seite, vor meinem geistigen Auge sehe ich mich vor 4 Jahren in Nagpur, Indien, wie ich bei 78% Luftfeuchtigkeit die Treppenstufen des Gebäudes erklimme, in dem ich lebe. Klatschnass geschwitzt komme ich im 1. Stock an, mein Kreislauf ist im Keller geblieben.

Hecktisches Hupen und quietschende Reifen am anderen Ende der Leitung reißen mich aus meinem Tagtraum.

„Ich weiß es auch noch nicht“ murmle ich ehrlich in den Telefonhörer. Es knirscht und raschelt in der Leitung, die Verbindung bricht ab.

Der Anruf des Bekannten, der sich gerade geschäftlich in Mumbai befindet, trifft genau die Gedanken und Sorgen der letzten Tage und Wochen. Immer wieder, meist in stillen Momenten, kommen die Zweifel und Bedenken, ob ich mir da nicht zu viel vorgenommen habe.

Mir bleiben noch 41 Tage, um fit für den Mumbai Marathon zu werden. Ein Gedanke, der Schwindelgefühle hervorruft.

42, 195 Kilometer in einer Stadt laufen zu wollen, in der „24 Stunden Lufteinatmen“ einer Belastung von ca. 2,5 Schachteln Zigaretten entspricht, ist einfach nur verrückt. Dessen bin ich mir bewusst. Trotzdem springt mein Läuferherz beim bloßen Gedanken an diesen Lauf wie wild in der Brust auf und ab, mein Puls beschleunigt und ein Lächeln macht sich ungeachtet aller Bedenken breit.

In solche wankelmütigen Situationen denke ich an eine Aussage von Che Guevara: „Um etwas zu tun, muss man es sehr lieben. Um etwas sehr zu lieben, muss man bis zur Verrücktheit daran glauben.“

Ja ich liebe es zu laufen, ja liebe Indien und ja, ich glaube bis zur Verrücktheit daran, dass ich auch diesen Marathon schaffen werde!

Wie habe ich mich im letzten Monat vorbereitet?

In erster Linie laufen, laufen, laufen… „Kilometerfressen“, wie Annika es nennt. Und neben dem Laufen Stabi, Stabi und nochmal Stabi. Von Beidem mache ich natürlich immer noch zu wenig, aber nun ja… privat sowie auch in der Arbeit ist der Endjahres- und Vorweihnachtswahnsinn im vollen Gange. 😉

Ein 2. Laufoutfit ist im Büro hinterlegt, um mir die Option offen zu halten, vielleicht nach Hause bzw. zur Kita laufen zu können… wenn es nicht wieder zu spät wird. Am Wochenende klingelt der Wecker zu Zeiten, die sich anfühlen wie Mitten in der Nacht, um nach der „Kilometerschrubbpflicht“ gleich bereit für  Plätzchenback- oder Weihnachtsgeschenkshoppingschandtaten zu sein 😉

Jeden Montag Kräftigungsübungen bei der NTC Session, jeden Donnerstag Intervalleinheiten gepaart mit Lauf-ABC; morgendliche Kniebeugen beim Zähneputzen, abendliche Crunches.

Tja, hätte ich nun auch noch „Talent“ zum Laufen, könnte man fast denken dass die magische 4-Stundenmarke auch beim Mumbai Marathon leicht zu knacken sein sollte, aber mein Optimismus diesbezüglich hat sich eingestellt oder besser gesagt in Realismus umgewandelt. Zu groß ist der Respekt vor der Strecke, den Temperaturen und den Umständen.

Und über all dem schwebt das Damoklesschwert des „Nicht mehr krank werden Dürfens“.

Da das gerade zu dieser Jahreszeit nicht so leicht ist, wenn alles und jeder um einen Hustet und Schnupft, hier ein paar Tipps:

  • Viel trinken! Tee’s sind super, oder Wasser mit frischer Zitrone (Vitamin C). In der Arbeit habe ich z.B. immer ein halbes Liter Glas auf dem Schreibtisch stehen, in das ich den Saft einer viertel Zitrone presse und dann aufgieße. Wem sauer macht lustig nicht zusagt, der kann sich gerne auch Honig dazu mischen. Meine Faustregel: 1 Liter muss am Vormittag geleert werden und einer am Nachmittag.
  • Naturjogurts essen (die spezielle Bakterienkultur darin halten die Darmflora fit 🙂 ) Am besten frisches Obst und Honig untermischen.
  • Viel Frischluft! Gerade für „Büro’ler“ – einmal stündlich kurz durchlüften!
  • Ingwer und Meerrettich sind Wundermittel der Natur. So viel damit kochen wie möglich 🙂
  • Der Klassiker: Ganz viel frisches Obst! Mein momentaner Favorit: Die Kaki (eignet sich auch gut als Büro Snack!) 🙂
  • Eigentlich selbstverständlich, wird dennoch oft missachtet: Abstand von kranken Menschen halten! …so gern Ihr Sie auch habt; wenn Sie Euch ebenso gern haben, zeigen Sie Verständnis!
  • Es gibt unheimlich viele Menschen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln Husten und Niesen ohne sich die Hand vor dem Mund zu halten – das finde ich unverantwortlich! Nachdem genau diese Leute oft immun gegen den „bösen Blick“ scheinen, hilft eigentlich nur eines: die Flucht ergreifen 😉 …oder offensiv ein Taschentuch anbieten und mit Nachdruck dabei räuspern, mit vorgehaltener Hand natürlich! 😉

Was ist noch passiert?

Am Samstag gab es im Münchner Olympiapark einen Nikolauslauf, Teil 1 der Winterlaufserie. Da durfte ich natürlich nicht fehlen 🙂 Juhu, endlich mal wieder eine Startnummer am Bauch! 🙂

Geplant war ein lockerer 10er bei Schnee und Sturm (Schneesturm 😉 ), den ich ohne Pulsuhr gelaufen bin. Resultat waren 49 Minuten Bruttozeit 🙂

Apropos Nikolaus: Der hat mir etwas ganz tolles gebracht! 🙂 Einen „Jogger Alarm“; für morgendliche oder abendliche Läufe. Schaut aus wie ein kleines Ufo am Arm, wird aber bei betätigen des Button ganz lauf und schrill und soll natürlich zur Abschreckung dienen. Großartiges kleines Teil! 🙂

Ab nächste Woche steht dann auch noch Bikram Yoga auf dem Programm. Das ist Yoga in einem 38C warmen Raum. So soll sich mein Körper schon mal an die Belastung bei höherer Temperatur gewöhnen. Ich bin gespannt und freue mich, Euch beim nächsten Blog-Post davon berichten zu dürfen. 🙂

Tja, ansonsten versuche ich die vielen Ratschläge, die ich von allen Seiten bekomme; „Nicht verkopfen“, „Mehr trainieren, mehr Kilometer laufen!“, „Noch ein Kilo abnehmen – Du musst ja alles mitschleppen“ so gut es geht zu verinnerlichen und nicht noch nervöser zu werden. 😉

Ich versuche weiterhin meinen Weg zu finden; einen Weg der zulässt, dass ich mich in meiner Haut und vor allem aber meiner Tochter und meinem Mann gegenüber wohlfühle – auch wenn das heißt, nicht immer auf die Wochenkilometer zu kommen oder einen „langen Lauf“ am Sonntag manchmal nur halb so lang zu machen. 🙂

Bis jetzt habe ich bei jedem Lauf die fehlenden Trainingskilometer mit Herzblut und Leidenschaft auffüllen können, warum sollte es diesmal anders sein?

Liebe Leser, ich wünsche Euch frohe Weihnachten, ruhige Feiertage und falls wir uns nicht mehr lesen sollten einen guten Rutsch in ein erfolgreiches neues Jahr 🙂

Ganz liebe Grüße aus München

#keeponrunning

Sandra


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