Pfingstlicher Kurz-Urlaub mit Laufstreckengarantie

von Tankred Dankmar am 26. Mai 2017

Liebe laufende Gemeinde! Nachdem bei Euch in Deutschland, Österreich und der Schweiz ja schon das Christi-Himmelfahrt-Wochenende ein langes ist – sofern Ihr schlau genug gewesen seid, Euch beizeiten den Brückentag als Urlaubstag zu sichern – steht das nächste lange Wochenende direkt schon wieder vor der Tür:

Pfingsten. Am 4. und 5. Juni sind diese beiden kirchlichen Feiertage, und auch wenn der 4. sowieso ein Sonntag ist, wie immer an Pfingsten, so ist doch der nächste Tag, der Montag, ein gesetzlicher Feiertag. Das heißt, Ihr braucht auch keinen Urlaubstag daran zu verschleudern, wenn Ihr Euch mit der Familie, dem Partner oder einfach mal alleine ein schönes langes Wochenende machen möchtet.

Für die Heiden unter Euch: Pfingsten ist mehr oder weniger der wichtigste christliche Feiertag – es ist NICHT Weihnachten! Und auch nicht Ostern. An Pfingsten wird gefeiert, dass der Heilige Geist auf die Jünger und Apostel herabkam, als diese gerade beim jüdischen Fest Schawuot in Jerusalem versammelt waren. Dieses Ereignis wird von der Christenheit als der Gründungstag der Institution Kirche verstanden. Ganz großes Kino also.

Der Heilige Geist fährt auf die Jünger und Apostel herab – hier in Form einer weißen Taube und Flammen, wie als Symbol üblich. Die Darstellung ist aus dem Jahr 586 aus dem Rabbula-Evangeliar. Bild: gemeinfrei

 

 

Nun könnte man einwenden: An einem solch hohen Feiertag sollte man nicht spontan in einen kurzen Vergnügungsurlaub fahren. Man sollte mit den Gläubigen sein. In die Kirche oder auf eine Pfingstprozession gehen. Man sollte an den Heiligen Geist denken und warten, dass er selbst auf einen herab fährt. Und das sind auch sicher alles edle Beweggründe, NICHT auf einen Kurztrip von Freitagabend bis Montagsabend aufzubrechen. Sicher. Man könnte aber auch argumentieren, dass sich der Heilige Geist doch am ehesten in der freien Natur manifestieren würde, und nicht in einer mit Weihrauch vollgepumpten Kirche. Wo ist man Gott schließlich näher, als in seiner ureigensten Schöpfung, der Natur?

Machen wir es kurz. Ich möchte an dieser Stelle vorschlagen, dass, wer von Euch Läufern an Pfingsten auf eine Offenbarung oder auf eine Geistermanifestation hofft, Ihr darauf doch besser entspannt im Kurzurlaub in einer wunderbaren Landschaft hofft. Und ich schlage auch vor, dass Ihr das am besten beim Laufen tut. Denn nichts ist gottgefälliger, als ein schwitzender, sich abarbeitender, rennender Mensch in einer schönen Naturkulisse. Wer gläubig ist, der möge deshalb das Pfingstfest hechelnd und schwitzend draußen feiern. Wem der Glaube eh schnuppe ist, der sollte das lange Wochenende eh dazu benutzen, mal wieder vor die Tür zu kommen und neue Laufstrecken auszuprobieren.

Genau um diese neue Strecken geht es im Folgenden nun auch. Ich möchte Euch einige wunderschöne Laufstrecken in Deutschland vorstellen, die Ihr wunderbar mit einem Kurzurlaub über Pfingsten verbinden könnt.

1. Von der Elbe in die Heide

Erst am Fluss entlang und dann ein paar Höhenmeter hinauf in eine malerische Heidelandschaft und wieder zurück – und das ganze als perfekte Halbmarathon-Distanz. Wo gibt es denn so was? Antwort: in Dresden. Städtetrip nach Dresden buchen, tagsüber laufen und abends in die Kneipen der wundervollen Neustadt in Dresden – und das kann ich aus eigener Erfahrung nur wärmstens empfehlen. Eine astreine Live-Musikszene erwartet Euch. Ein herrlicher Kurztrip, der alles zu bieten hat.

Die Strecke beginnt am „Fährgarten“ am Elbradweg. Von da aus lauft Ihr Richtung der bekannten Dresdner Brücke über die Elbe, genannt „Blaues Wunder“. Hier geht es überall noch flach zu und der Weg ist geteert. Nachdem Ihr die Elbbrücke überquert habt, kommt Ihr auf die „Schillerstraße“. Die führt dann recht steil direkt in die Heide.

In der Heide findet Ihr einen markierten Trail, dem Ihr bis zur Morgengrundbrücke folgt. Von hier aus lauft Ihr eine weite Schleife, wobei auch Abkürzungen möglich sind. Aber für die 21 km Halbmarathon müsst Ihr schon die weite Schleife laufen. Aber es lohnt sich. Die Strecke ist abwechslungsreich und die Natur ist astrein.

Wenn Ihr wieder an der Morgengrundbrücke angekommen seid, lauft Ihr wieder denselben Weg zurück zur Dresdner Elbbrücke. Diesmal überquert Ihr diese aber nicht, sondern lauft auf der anderen Elbseite bis zur Waldschlößchenbrücke. Die überquert Ihr dann und seid so gut wie am Ausgangspunkt angelangt.

Panorama-Blick auf die Dresdner Heide von Dresden aus.

Bild: Kolossos – CC BY-SA 3.0

2. Glessener Höhe

Wer nicht in Köln wohnt und auch noch nicht zu seinem Vergnügen dort war, der sollte das unbedingt einmal nachholen. Ich selbst habe mal ein paar Semester dort studiert, und obwohl es eine Millionenstadt ist (knapp), kommt man sich fast vor wie auf dem Dorf. Das liegt an der Herzlichkeit der Kölner. Jeck sind die irgendwie alle und freuen sich immer über Besuch – BESONDERS wenn man als Sportler kommt.

Köln ist zwar grundsätzlich flach, aber es gibt die sogenannte Glessener Höhe mit einer Höhe von 205 Metern. Von alleine ist die allerdings auch nicht entstanden. Sie ist eigentlich eine Halde aus Abraum einer alten Braunkohleanlage. Aber das macht ja nichts. Mittlerweile ist sie schön bewachsen und man kann wunderbar hier Laufen gehen – vor den Toren Kölns – und abends in der Stadt in das vielleicht netteste Nachtleben eintauchen, das Deutschland zu bieten hat.

Am besten Ihr startet in Königsdorf. Von dort geht es über die Felder bis nach Braunweiler. Von Braunweiler aus orientiert Ihr Euch in Richtung der Anhöhe. Ihr stoßt automatisch auf eine Schutzhütte, die am Fuße der sogenannten „Himmelsleiter“ liegt. Die „Himmelsleiter“ ist eine Treppe mit 224 Stufen. Und ja, genau! Die müsst Ihr jetzt hoch.

Oben auf dem Gipfel der Glessener Höhe angekommen, werdet Ihr mit einem fantastischen Ausblick über die Kölner Bucht belohnt. Von der Höhe aus lauft Ihr am besten Richtung Königsdorfer Wald. Hier erwarten Euch zahlreiche Strecken, ein schöner Wald mit teils sehr altem Baumbestand und vor allem Ruhe.

Die Glessener Höhe wird auch die „Zugspitze von Köln“ genannt. Typisch rheinischer Humor eben. Sehr lokalpatriotisch. Bild: gemeinfrei

3. Teutoburger Wald

Okay. Westfalen ist wirklich nicht dafür bekannt, äußerst aufregend zu sein. Wer eine schimmernde Club-Szene in Bielefeld oder ein frivoles Nachtleben in Detmold sucht, der kann wahrscheinlich lange suchen. Wofür die Gegend allerdings weltweit bekannt ist, ist das Netz aus erstklassigen Wanderwegen durch den Teutoburger Wald.

Aber hey, kommt schon! Es muss doch nicht immer heiß hergehen. Wie wäre es mit einem Kurzurlaub in einem kleinen Städtchen nahe des „Teutos“, wie der Wald von den „Einheimischen“ liebevoll genannt wird. Mietet Euch in eine urige Pension ein und pfeift doch einfach mal auf Wein, Weib und Gesang. Ihr seid abends eh hundemüde, wenn Ihr den ganzen Tag über die Wanderwege im Teutoburger Wald gerannt seid. Und wenn Ihr irgendwann nicht mehr rennen könnt, dann schaut Euch das Hermannsdenkmal oder die Externsteine an.

Es gibt im Teutoburger Wald so viele geile Wanderstrecken, die Ihr natürlich auch im Galopp hinter Euch bringen könnt, dass es müßig wäre, hier jetzt eine bestimmte zu empfehlen.

Schnappt Euch in der örtlichen Touristeninformation eine der hochwertigen Wanderkarten und dann nichts wie hinein in die Laufschuhe und ab auf die Strecken durch eines der schönsten Waldgebiete in ganz Europa. Ich selbst habe in ihm schon viel Zeit verbracht und war jedes Mal wieder von neuem begeistert.

Dieser Panorama-Blick auf den Teutoburger Wald alleine reicht schon, damit einem echten Läufer das Wasser im Mund zusammenläuft.

 

Bild: Tola69 – CC BY 3.0

4. Der Philosophenweg

Zugegeben, wenn man den Namen liest, stellt man sich ein paar olle griechische Philosophen in Tunika vor, wie sie in Schlappen versuchen zu rennen und dabei nicht über ihren langen Bart zu stolpern. Aber von Sokrates und co. leitet sich der Name auch gar nicht ab. Als Philosophen wurden früher einfach geisteswissenschaftliche Studenten bezeichnet. Und wenn es in Deutschland DIE EINE Studentenstadt schlechthin gibt, dann ist das – klar – Heidelberg.

Der Philosophenweg ist tatsächlich auch ein sehr alter Weg, der in Heidelberg selbst los geht und dann hinauf auf den Heiligenberg führt. Diesen Weg sind eben früher oft die Studenten gegangen, um zu sinnieren oder sich romantischen Gefühlen hinzugeben. Und das völlig zu Recht, denn auf der Strecke begegnet man zahlreichen Ruinen und Naturdenkmälern. Hier kann man also nicht nur sportlich sein, sondern gleich auch noch Sightseeing machen und was für seine Bildung tun.

Los geht es an der Ernst-Walz-Brücke, welche über den Neckar führt. Obacht! Ihr lauft NICHT über die Brücke, sondern Ihr folgt dem Uferweg durch die Neckarwiesen bis zur Theordor-Heuss-Brücke. Obacht! Auch über die lauft ihr nicht, sondern nehmt in der anderen Richtung eben den berühmten Philosophenweg.

Der Weg ist erst einmal etwa steil, aber dafür habt Ihr dann auch eine wundervolle Aussicht auf die Altstadt und auf das Schloss, bevor es dann im Zick Zack durch den Wald bis auf den 439 Meter hohen Heiligenberg geht. Keine Sorge, Ihr findet Markierungen, die noch ganz alte Schule in Sandstein geritzt sind. Unterwegs gibt es einen keltischen Ringwall und oben auf dem Gipfel zwei alte Klosterruinen aus dem 11. Jahrhundert zu bestaunen.

Nehmt Euch ein bisschen Zeit dort oben und genießt die ruhige und friedliche Atmosphäre der Klosterruine. Nehmt Euch von mir aus auch ein Picknick mit, schließlich habt Ihr ja Urlaub. Und nach dem Kloster geht es wieder runter in Richtung Neckartal und ab nach Heidelberg. Und da Heidelberg immer noch eine berühmte Studentenstadt ist, werdet Ihr hier am Abend bestimmt auch die eine oder anderen nette Kneipe finden und das eine oder andere interessante Gespräch führen.

Blick vom Philosophenweg aus auf die Heidelberger Altstadt. Diese wiederum ist dann Euer Ziel nach dem Lauf und einer Dusche, um das Bierchen zu trinken, das Ihr Euch verdient habt.

Bildlizenz: GFDL

So, liebe laufende Gemeinde! Ich hoffe, Ihr habt Lust bekommen, noch so kurzfristig zu verreisen.

Denkt daran: Wir leben alle nur einmal und wollen auf dem Sterbebett nicht bereuen, dass wir irgendetwas ausgelassen haben, nur weil ein paar Kleinigkeiten im Weg waren, die man schnell hätte beiseite fegen können. Die Urlaubszeit ist immer die beste Zeit. Und als Läufer will man doch auch mal etwas anderes sehen als immer nur seine Hausstrecke. 

Falls Euch keiner meiner Vorschläge überzeugt hat, dann nehmt sie wenigstens als Anlass, Euch etwas anderes zu suchen. Hauptsache Ihr nutzt das lange Wochenende und gönnt Euch einen schönen Kurztrip odereine tolle Auszeit. Viele Möglichkeiten lässt man einfach an sich vorübergehen. Und hinterher ärgert man sich dann. Ich hoffe, das passiert Euch nicht!

In diesem Sinne, schönen Urlaub!

Euer Tankred


Hinterlasse einen Kommentar

Vorheriger Beitrag:

Nächster Beitrag: