Rennsteiglauf 2015 – Das war der Hammer

von Run Munich Run am 12. Mai 2015

„Bin ich weit in der Welt, habe ich Verlangen, Thüringer Wald, nur nach dir.“ Achtung, liebe run.de-Leser, der folgende Beitrag wird zum einen sehr lang, zum anderen absolut subjektiv und durch die rosarote Heimatbrille betrachtet.

Bereits zum 43. Mal fand am vergangenen Wochenende der GutsMuths‐Rennsteiglauf statt. Rund 15.000 Läufer hatten sich für die Wettbewerbe, die alle im „schönsten Ziel der Welt“, nämlich in Schmiedefeld, enden, angemeldet. Dass Europas größter Crosslauf etwas ganz besonderes ist, habe ich bereits vor zwei Jahren erlebt, als ich dort meinen zweiten Halbmarathon gelaufen bin. In diesem Jahr wollte ich Laura und auch meine Schwester davon überzeugen. Hoffe ich zumindest.

Unsere Startunterlagen holten wir bereits am Freitag ab. So konnten wir Laura schon ein paar Wettkampfstätten, wie die Skisprungschanzen im Kanzlersgrund, die Bobbahn und das Biathlonstadion zeigen. Als wir unsere Startnummern auspackten, gab es die erste Überraschung: Ich sollte aus Block 3, meine Schwester aus Block 6 und Laura aus Block 7 starten. Wir stellten uns also auf eine etwas längere Wartezeit ein, da wir gemeinsam loslaufen wollten.

Zu Hause haben wir dann fleißig Kohlenhydrate in Form von Nudeln, Keksen und Gummibärchen getankt. Und sind dann früh schlafen gegangen. Denn der Wecker klingelte bereits 4:30 Uhr, da wir vor den Straßensperrungen in Oberhof sein mussten. Das Aufstehen fiel zumindest mir auch nicht schwer, die Vorfreude war einfach zu groß.

Nach dem Frühstück fuhren wir also gemeinsam mit meinen Eltern los und kamen auch problemlos bis zum Grenzadler. Dort herrschte absolut untypisches Wetter – die Sonne schien. Das mussten wir natürlich gleich digital festhalten. Glaubt uns ja sonst keiner, dass Oberhof auch schönes Wetter kann.

Nach der Gepäckabgabe reihten wir uns erst einmal an den Toilettenschlangen ein. Und wie so oft: Am Klo trifft man einfach die nettesten Menschen. „Entschuldigung, bist du von Run Munich Run?“ wurde beispielsweise meine Schwester gefragt. Kleine Verwechslung. Auch Regina und Elisa, die bereits mit uns für den BrotZeit e.V. liefen, trafen wir dort. Die Zeit verging meiner Meinung nach sehr schnell und bald war es Zeit, sich zu den anderen in den Startblock zu drängeln.

Nach zwei Strophen des Rennsteigliedes (zu Schulzeiten gehasst, jetzt aus voller Kehle mitgesungen), ging es für die Elite auch schon los. Und dann starteten nacheinander alle anderen Blocks. Mit dem vorletzten Block setzten auch wir uns in Bewegung. Und wurden kurz nach dem Start angesprochen: „Habt ihr nicht gestern mein Instagram‐Foto gelikt?“ Wie klein die Welt doch ist!

Wir hatten die Aufgabe, das Feld von hinten aufzurollen. Was gar nicht so einfach war, denn bereits nach einem Kilometer mussten sehr viele Läufer gehen. Denn es ging direkt eine Steigung rauf. Von Laura hörte ich auf der Stelle nur ein „Ach du Scheiße!“, aber unser Dreigestirn meisterte den Anstieg ohne zu gehen. Leider gestaltete es sich etwas schwierig, die Geher zu überholen. So ein Waldweg ist halt keine vierspurige Großstadtstraße. So ging es uns bei den folgenden Steigungen erneut. Viele hörten auf zu laufen und gingen stattdessen, gerne zu zweit oder dritt nebeneinander, gerne mit in alle Richtungen schwingenden Armen. Das hat uns einige Male etwas aus dem Tritt gebracht, ich persönlich fand es jedoch nicht so schlimm.

Da ich meiner Schwester versprochen hatte, mit ihr gemeinsam zu laufen, war ich eh nicht auf Bestzeit‐Jagd. Man muss dazu aber auch erwähnen, dass sehr viele ältere und auch richtig alte Läuferinnen und Läufer (also geschätzt 60 plus) dabei waren. Viele trugen Shirts, wo hinten die Anzahl der bisherigen Rennsteigläufer vermerkt war. Und ganz ehrlich: Wenn ich den Rennsteig 25, 30 oder 40 Mal bezwungen hätte, würde ich mir auch keinen Stress mehr machen.

Unterwegs machte ich übrigens noch eine Bekanntschaft: „Entschuldigung, bist du nicht die Isa? Ich bin Ana. Ich bin mit Hans-Werner (eine weitere Web2.0-Bekanntschaft, der am Samstag zum 35. Mal den Supermarathon finishte!) da.“ Also habe ich kurz mit Ana geplaudert. Laufen verbindet einfach!

Bis Kilometer 16 etwa hielt meine Schwester gut durch, dann wurde es schwer für sie. Und für mich auch. Denn jemanden zu motivieren, der nicht mehr so richtig motiviert werden will, ist gar nicht so leicht. Respekt an alle Pacemaker! Bei uns lief das ungefähr so ab: “Komm, noch drei Kilometer, in maximal 20 Minuten sind wir da!”“Röchel, schnaub, prust, murmel.” Als wir dann aus dem Wald herauskamen und von oben auf Schmiedefeld schauen konnten, ging es auch bei meiner Schwester wieder etwas leichter voran. Ich wäre gerne noch etwas schneller dem Ziel entgegengelaufen, aber sie war doch nah am absoluten Limit. Deshalb konnte sie auch das “Fliegerlied”, was genau in dem Moment, als wir in den Ort einliefen, gespielt wurde, nicht so würdigen wie ich. Ich hab ein wenig mitgetanzt. Es gab verächtliche Seitenblicke. 😉 Laura berichtete hinterher übrigens Ähnliches. Sie bedauerte, dass gerade dort kaum jemand stand, sodass auch sie allein tanzen musste.

Kurz vor dem Ziel sahen wir unsere Eltern am Rand stehen, die uns nochmal anfeuerten. Bzw. anfeuern wollten. Hat nur bei einer von zwei Groß‐Schwestern gut funktioniert. Aber wir haben es geschafft. Hand in Hand, winkend und teilweise mit lautem “Wohoo” (ich) sind meine Schwester und ich ins Ziel eingelaufen und wurden dort von Laura empfangen. Sie war etwas früher mit Katrin, einer weiteren Instagram‐Bekanntschaft angekommen.

Stolz und überglücklich nahmen wir unsere Medaillen, die das diesjährige Motto „Das wird der Hammer“ (wie passend) eingraviert hatten, entgegen und holten uns erst einmal was zu trinken.

Nachdem wir uns umgezogen hatten, trafen wir meine Eltern. Und ließen uns zu einem Gewinnspiel der AOK überreden, machten noch ein paar Erinnerungsfotos und liefen Richtung Auto.

Dabei kamen wir am Zieleinlauf vorbei und konnten die ersten Marathonläufer (die etwa eine Stunde nach uns gestartet waren und nur knapp anderthalb Stunden nach uns ins Ziel kamen) und auch die ersten Supermarathonläufer (!), die die rund 73 Kilometer offensichtlich besser als manche Halbmarathonis wegsteckten (sie liefen nämlich noch aufrecht und konnten die Füße heben). Etwas sentimental und vor allem sehnsüchtig stand ich da am Rand. Ich fand es toll, dass diese Läufer von so vielen Menschen angefeuert wurden und wäre am liebsten gleich nochmal gelaufen. Für mich steht fest, dass ich definitiv im kommenden Jahr wieder ins schönste Ziel der Welt einlaufe. Dann allerdings ‐ ogottogott! ‐ nach 73 Kilometern!

Für alle, die im kommenden Jahr den Rennsteiglauf ins Visier nehmen, haben wir einen Tipp vorab: Ruhig bleiben. Ja, die Strecke ist vor allem beim Halbmarathon sehr voll. Trotzdem muss man niemanden schubsen oder anschreien, der den Weg versperrt. Wobei es auch hier wünschenswert wäre, wenn auch die langsameren Läufer Rücksicht auf andere nehmen und am Rand gehen würden.  Falls ihr auf Bestzeitjagd gehen möchtet, ist ein anderer Lauf sicher besser geeignet. Aber Landschaft und Stimmung machen das mehr als gut. Der Rennsteiglauf macht süchtig! Laura war auch begeistert von diesem ganz besonderen Lauf, denn sie hatte davor schon Lust auf Trailrunning bekommen und wurde jetzt so richtig infiziert. Meine Schwester hat sich übrigens gleich am Montag für ihren nächsten Halbmarathon angemeldet. Da hat jemand Blut geleckt.

Lieber Rennsteiglauf und liebe Läufer: Wir sehen uns am 21. Mai 2016. Bis dahin: #keeponrunning!

Eure Isabell und Laura


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