Run until you can´t – run for those who can´t

von Run Munich Run am 5. Mai 2015

Wir werden ja wirklich oft ungläubig von Freunden gefragt, warum wir eigentlich laufen. Meist sagen wir dann, weil es Spaß macht/wir das Gefühl, ins Ziel zu kommen lieben/weil wir auf die Medaillen abfahren oder auch, weil es ein perfekter Ausgleich und oft auch Aggressionsventil zum (Arbeits-) Alltag ist. Wisst ihr, was wir noch nie gesagt haben? „Weil wir es können!“

Es ist so selbstverständlich für uns, dass wir laufen, springen, tanzen können, dass uns oft gar nicht auffällt, wie gut es uns geht. Denn viele können das nicht. Weil sie wegen einer Rückenmarksverletzung im Rollstuhl sitzen müssen. Beim Wings for Life World Run läuft man für genau diese Menschen. Denn 100% (!!!) aller Startgelder fließen in die Rückenmarksforschung.

Zusätzlich unterscheidet sich der Lauf von allen anderen Läufen darin, dass es kein festes Ziel gibt, sondern man irgendwann vom sogenannten „Catcher Car“ eingeholt wird und dann das Rennen beenden darf. Was für eine großartige Idee!

Eine Herzensangelegenheit ist der Lauf auch für Biathletin Miriam Gössner. Sie startete bereits 2014 in Darmstadt. Als mit München für dieses Jahr ein zweiter Austragungsort in Deutschland feststand, „war ganz klar, dass ich hier starten will“, erzählte sie uns noch kurz vor dem Start. Für run.de durften wir nämlich sie und Ex-Beachvolleyballer Julius Brink (der, der aussieht wie der Bachelor, die Ladies hier wissen Bescheid ☺ ) interviewen.

Miriam Gössner ist ja aus dem Biathlon und auch vom Langlauf her als schnelle Läuferin bekannt. 23 Kilometer schaffte sie im vergangenen Jahr, dieses Jahr musste sie dem Arzt versprechen, „aufzuhören, wenn´s weh tut, denn mein knie zwickt ein wenig.“ Ich (Isabell) habe sie übrigens am Bus bei Kilometer 24 wieder getroffen. Im Gegensatz zu mir kam sie jedoch dorthin zurück. Da fällt mir ein, ich hätte sie ruhig fragen können, wie weit sie gekommen ist. Ups! Auch durch ihren Sturz im vergangenen Jahr, als sie sich mehrere Lendenwirbel brach, war für sie schnell klar, als Botschafterin für den Lauf zu fungieren.

„Wenn man einmal selbst das Gefühl hatte, sich nicht bewegen zu können, hat man gleich noch viel mehr Respekt vor denen, die für immer dieses Los gezogen haben und damit Leben müssen.“ Für´s nächste Jahr wünscht sie sich noch mehr Austragungsorte in Deutschland. Damit noch mehr Geld für die Stiftung und somit für die Rückenmarksforschung zusammenkommt.

Julius Brink hatte einen lockeren Lauf mit seiner Frau geplant, die ihn letztes Jahr in Darmstadt „abgezogen hat”, denn er wurde bereits nach wenigen Kilometern eingeholt und sie schaffte 17 Kilometer. Allerdings befand er sich damals auch mitten in der Reha-Phase. „Beim Laufen will ich einfach in den flow kommen und Spaß haben”, so Julius Brink. Am liebsten läuft er für sich und mit Musik, seine Frau macht ihm Playlists mit seiner Lieblingsmusik und dann „kommt der Spaß von ganz alleine”.

Bei so einem Regenwetter wie am Sonntag, würde er allerdings nie alleine freiwillig seine Laufschuhe schnüren. Aber beim Wings for Life World Run ist ihm das egal, denn ihn fasziniert die Euphorie am Start und, dass „man vor etwas wegrennt”. „Alle Leute drehen sich ständig um und schauen, wo das Auto denn ist”, lacht er. Zusätzlich begeistert ihn beim Wings for Life World Run, dass Gelder generiert und Sympathie und Öffentlichkeit für diese wichtige Thematik geschaffen werden.

Für uns war es im Vorfeld etwas schwierig, den Lauf zu planen. Wie soll man ein Rennen angehen, von dem man nicht weiß, wie lange es dauert? Zum Glück bekamen wir im Vorfeld von Sabrina Mockenhaupt, Ingalena Heuck und auch den Hahner Twins in mehreren Interviews gute Tipps. Außerdem gab es den „Goal calculator“, mit dem man sich ausrechnen lassen konnte, wie schnell und wie lange man für eine bestimmte Strecke laufen müsste.

Laura hatte sich 16 Kilometer vorgenommen, ich 20. Zum ersten Mal wollten wir einen Wettkampf über eine solche Distanz ohne Musik laufen. Einfach mal nur genießen und auf den Körper hören. Sich von der Menge ziehen lassen. Und wenn nix mehr geht, warten wir einfach auf das Catcher Car.

Trotz des furchtbaren Wetters (Dauerregen) herrschte schon zwei Stunden vor dem Start super Stimmung im Olympiapark. Wir haben viele Freunde und Freundinnen getroffen und haben die Atmosphäre genossen. Durch die Interviews verging die Zeit bis zum Start auch gleich noch ein wenig. Ich (Isabell) war außerdem mega aufgeregt. Wegen der Interviews (macht man ja nicht jeden Tag, ich könnte mich aber dran gewöhnen) und auch wegen des Laufs ins Ungewisse.

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Eigentlich wollten wir ein Stück zusammen laufen, aber nach ca. anderthalb Kilometer hab ich mich dann doch von unserer Gruppe getrennt. 5:20min/km hatte mir der Calculator ausgerechnet, wenn ich 20 Kilometer schaffen wollte. Durch einen kleinen Stau gleich zu Beginn zeigte die Uhr jedoch irgendwas um 7min/km an. Ich musste mich also sputen. Etwa zehn Kilometer hab ich gebraucht, um meine Zeit zu drücken. Unterwegs hab ich immer mal wieder ein paar Freundinnen getroffen oder mit fremden Leuten kurz gequatscht. Den Regen hab ich kaum noch gespürt. Wenn man erstmal nass ist, kann man eh nicht noch nasser werden.

Ich fühlte mich super und bei Kilometer 18 war für mich klar, dass ich den Halbmarathon packen will. Dort wurden wir übrigens von einer Blaskapelle empfangen! Das Catcher Car war jedoch noch nicht in Sicht. Also ging es weiter. Bis sich mehrere Motor- und Fahrräder näherten, die das Auto ankündigten. Es war so unglaublich lustig, wie sich die Läuferinnen und Läufer vor mir immer wieder panisch umdrehten und nach dem Auto geschaut haben!

Kurz nach dem 22-Kilometer-Schild war dann auch für mich das Rennen vorbei. Mit einer Freundin aus dem Club der Töchter, die ich bei Kilometer 20 getroffen hatte, lief ich dann noch bis Kilometer 24 weiter. Der Ehrlichkeit halber muss man sagen, dass es einfach daran lag, dass dort der Bus abfuhr. Worin wir glücklicherweise einen Sitzplatz bekamen. Denn die Fahrt aus dem Münchner Hinterland dauerte ganz schön lang. Und die Kälte kroch auch langsam an und in uns hoch. Im Olympiapark traf ich dann auch Laura wieder, die mich unterwegs schon mit ein paar Sprachnachrichten versorgt hatte.

Laura war nach ihrem Rennen auch total euphorisch und schrie deshalb nur so ins Telefon. Zusammen mit einer Freundin aus dem Club der Töchter lief sie knapp 17,5 Kilometer. Als sie das 15er Schild passiert hatte, hat sie nochmal kurz der sportliche Ehrgeiz geweckt und sie sprintete, zusammen mit ein paar Anderen noch schnell vor dem Catcher Car weg. Besonders toll fand Laura die Zuschauer Gruppen, die trotz des miesen Wetters trommelten, klatschten und die Läufer feierten.

Außerdem war sie noch nie vor einem Rennen so entspannt, denn hier konnte man einfach drauf los laufen und sich treiben lassen, ohne, dass man ein bestimmtes Kilometerziel erreichen musste. Die Mitläufer waren ihrer Meinung nach auch nicht so gestresst, wie bei anderen Wettkämpfen, bei denen es um neue Bestzeiten geht. Diese Stimmung auf der ganzen Strecke hat sie extrem genossen.

Im Ziel hab ich dann auch noch den sportlichen Leiter, Klaus Ruscher, getroffen. Er hatte uns letzte Woche bei einer Art Abschlusstraining bereits den Anfang der Strecke gezeigt und nebenbei noch ein paar Anekdoten zum Olympiapark erzählt. Er war mit der Organisation und dem Verlauf der Veranstaltung sehr zufrieden. Auf meine Frage, wie man denn ein Rennen organisiert, von dem man nicht weiß, wie lange es dauert, sagte er, dass sie sich zum einen an Erfahrungswerten des Laufes im vergangenen Jahr orientiert hatten. Und man zum anderen natürlich anhand des Starterfeldes einschätzen kann, wie weit die Reise etwa gehen kann. „Außerdem muss man Kilometer 90 ja nicht schon von Anfang an absperren.“ Stimmt, da hätte ich eigentlich auch selbst drauf können. Auf meine Frage, ob der Lauf nächstes Jahr wieder stattfinden soll, hat er mit einem klaren JA geantwortet. Er macht auch wieder ein Abschlusstraining mit uns. Und ich soll dann 25 Kilometer schaffen. Warum eigentlich nicht?!

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Zum Abschluss bleibt eigentlich nur eins: Danke sagen! Danke an Red Bull, dass ihr die Stiftung unterstützt. Danke an alle Starter, dass ihr sozusagen eure Beine und natürlich eure Startgelder für die gute Sache gebt. Es kamen insgesamt unglaubliche 4,2 Millionen Euro zusammen. Danke an alle freiwilligen Helfer, die unsere Taschen gepackt und die ganze Zeit im Regen an der Strecke standen. Und vielen Dank auch an die Leute an der Strecke für die euphorische Begrüßung. Das war super!

Danke an run.de, dass wir mit den Botschaftern sprechen durften. Danke an die lieben Mädels der Agentur Häberlein und Mauerer, die die Trainings organisiert haben, bei denen uns u.a. Ingalena Heuck und Sabrina Mockenhaupt fit gemacht haben und uns mit ganz vielen Infos rund um den Lauf versorgt haben. Und mit Obst und Getränken nach den Läufen. Und vielen Dank an euch, liebe run.de-Leser, dass ihr diesen langen Text gelesen habt und somit Teil unserer Leidenschaft seid. Zur Lockerung sollten wir jetzt alle eine Runde laufen! ☺

#keeponrunning, eure Isabell und Laura


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