Tegernsee Lauf 2012

von Maria am 24. September 2012

Lauf: 21,1 Kilometer
Strecke: Tegernsee Lauf 2012
Laufgegleiter: 3.867 weitere Finisher und Hörbuch „Verdammnis“
Outfit: offizielles Tegernseelauf 2012 Teilnehmer-Shirt von Adidas, ON Schuhe, Asics Vesta Knee Tight Woman, Nike Fit Dry Cap, Nike Elite Anti-Blister Run Socks Women

run.de Laufkolumne Tastenläufer am Start des Tegernseelaufs

Was haben die Formel 1 und  „einer der schönsten Halbamarthons in Europa“ (sagt die Redaktion von „Runners World“) gemeinsam? Es geht immer im Kreis rum. Aber sausten Sebastian Vettel und Co unter Flutlicht am Sonntag in Singapur im Rund herum, umrundeten rund 4.000 Läuferinnen und Läufer von Gmund am Tegernsee aus den bayerischen Bilderbuchsee „nur“ ein Mal beim Halbmarathon. Perfekte Planung war das damals in der Eiszeit, als der See mit genau 21 km Umfang angelegt wurde. Ein paar Berge drum rum gesetzt, für den Lauf in diesem Jahr auch noch die Sonne angeknipst – perfekt. Deswegen murmelten nur sehr wenige Läufer „mei, die anderen san jetzt auf der Wiesn“ (für alle Norddeutschen: „Mann, die anderen sitzen jetzt im Oktoberfest im Bierzelt“) sondern trabten locker los.

Für mich war der Tegernseelauf Trainingsziel des Jahres (auserkoren nach einem super Grundlagentraining im Winter nach Stunden zwischen Crosstrainer und Muskelmaschinen in stickiger Atmosphäre, in denen man nur denkt „wann kann ich endlich wieder draußen mich bewegen?!“…ohne Rücksicht auf den Kalender, der an diesem Sonntag ja den ersten Wiesn-Sonntag auswies…ich hatte in der Woche vor dem Start mehrmals gemurmelt „mei, die anderen wern dann auf der Wiesn sein!“ ), zum anderen auch der erste Halbmarathon seit vielen Jahren. Warum eine so große Pause dazwischen lag?

Wie immer: Der Job. Die Familie. Die Freunde. Die Zeit. Die Strecke. Das Oktoberfest (halt, das gilt nur für den Tegernseelauf)…und was dem sich faul fläzenden Teufelchen auf der Schulter eben noch so einfällt an Ausreden, damit man sich nicht anmeldet. Und sich nicht der Herausforderung stellt. Und etwas mies gelaunt sich selbst gegenüber dann immer wieder doch sagt „soll ich mal wieder machen.“

Genau, denn es lohnt sich so sehr. Angepeiltes Ziel für meinen Lauf war „ankommen, nicht gehen müssen irgendwann, Spaß haben“. Herausgekommen ist eine Zeit von weniger als 6 Minuten pro Kilometer. Ein bisschen Rückenwind und die 2 Stunden wären gefallen. Und dabei war es nur am Ende der Strecke anstrengend (wo die „Landschaftsarchitekten“ in einem Anfall an Fiesheit in der Eiszeit noch schnell 3 Anstiege eingebaut haben in die Seeumrundung), ansonsten war es eine einzige Freude mit Ausblicken zum Urkaub  machen. Klingt sehr klischeehaft, aber das ist es eben, wenn man zusammen mit tausenden anderen Menschen diverser Couleur, Altersgruppe, Leistungsfähigkeit, Nationalität usw. gemeinsam eine Sache macht: Man läuft.

Immer einen Fuß vor den anderen setzend, seinen Atem vom Seitenstechen vernhaltend, eine gewisse Strecke zurückzulegen. Und vielleicht höchstens 100 geht es dabei um die Platzierung. Der Rest will einfach nur seine Leistungsfähigkeit herausfinden, sich für monatelanges Training belohnen, sich einer Herausforderung stellen.

Und das einfach so, wie jeder gerade da ist – egal ob mit super Equipment oder der Freizeithose, die gerade noch da war. Nur bei den Schuhen achtet jeder bei solchen Distanzen klugerweise auf Qualität. Als braver Kolumnenschreiber zog ich natürlich auch das offizielle Lauf-Shirt der Veranstalter an. Schlechte Entscheidung gegen die um Klassen besseren Funktionsshirts aus dem heimischen Schrank, aber man kann ja auch mal was Gutes für die Veranstalter tun. Dafür begegnete ich doch aber wirklich noch einer anderen Läuferin mit Laufschuhen von „on“. Die schwarzen Cloudrunner hatte sie an, was uns sogleich zum Schließen einer „Laufschwesterschaft“ für ein paar paar Kilometer animierte.

Die wichtigste Ausrüstung bei diesem Lauf aber für alle, egal ob Top-Platzierte oder Passagiere im Besenwagen auf den letzten Kilometern: Die Begeisterung der Zuschauer am Straßenrand. Kein Kilometer ohne Zaungäste (im wahrsten Sinne des Wortes), die wirklich für jeden klatschten, das Autoradio mit Partymusik aufdrehten oder aus dem Gemüsegarten mit der Harke winkten. Und lachten.

Und egal welcher Läufer ein solches Lachen sieht, der kann gar nicht anders, egal wie erschöpft er ist: Man muss zurücklächeln. Und wenn das knapp 4.000 Menschen machen, 21 Kilometer lang, dann zeigt sich nicht nur, dass Laufen einfach ein großartiger Sport für jedermann ist. Sondern dass Laufen einfach glücklich macht.

So sehr ausserdem, dass ich schon wieder beim nächsten Lauf angemeldet bin. Zwar nur 10 Kilometer (Halbmarathon war schon ausgebucht), landschaftlich weniger wertvoll…aber bestimmt mit genau so viel Lächeln: Am 14. Oktober in München.


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