Tegernseelauf 2015 – Im Gleichschritt zum Ziel

von Run Munich Run am 23. September 2015

„Macht ihr eigentlich was zum Tegernseelauf für run.de?“ – „Ähm, öh, neeee…“ – „Ihr schreibt da so wenig in letzter Zeit!“ – „Äh, was, stimmt doch gar nicht, erst letztens und… äh… Sandra hat doch auch… und, naja, du kannst ja auch unseren eigenen Blog lesen…“  – Gespräch zwischen uns und einem befreundeten Läufer, kurz vorm Start des Tegernsee-Halbmarathons am vergangenen Sonntag.

Tja, nun sitze ich doch da und hämmere ein paar Zeilen über den Tegernseelauf in die Tasten. Dieser Text ist also vor allem für dich, lieber Florian. Und für Ernesto, der uns den ersten „Pacemaker-Job“ verschafft hat. Und ganz besonders für Steffen, der uns vertraut hat, dass wir ihn in weniger als zwei Stunden zum Ziel bringen.

So. Wie fange ich am besten an? Vielleicht gaaanz am Anfang? Notfalls könnt ihr das ja überlesen, hihi. Eigentlich wollte ich ursprünglich nämlich nur 10 Kilometer beim Tegernseelauf machen. Ich dachte, eine Woche vor dem Marathon muss man es ja nicht übertreiben. Diese Entscheidung habe ich bald bereut und wurde von meinem Trainingsplan auch darin bestärkt. Der sah nämlich 22 LOCKERE Kilometer vor. Glücklicherweise hat eine Freundin mir ihren Startplatz gegeben und gleichzeitig eine andere meinen übernommen. Und Laura, die eigentlich gar nicht starten wollte, bekam durch Zufall auch noch eine Nummer ab. Wir würden also gemeinsam laufen, die Landschaft genießen und ganz locker laufen. So der Plan.

Ein paar Tage vorher stand jedoch Ernesto (er trainiert in meinem Studio und wir treffen uns auch immer mal wieder auf verschiedenen Laufveranstaltungen) bei mir im Büro und erzählte, dass er gerne die 1:35h knacken wollte. Oder aber seinen Chef pacen würde, denn dieser würde so gerne die 2h knacken. „Das kann ich doch machen!“ hörte ich mich sagen. Und mein Verstand so: „Äh? Upsi! Was wohl Laura dazu sagen wird?“ (Der habe ich erstmal schön nix davon erzählt, Ernesto sollte erst einmal fragen, ob sein Chef mit mir/uns laufen wollte.)

Ich wartete also erst einmal ab, was Ernesto mit seinem Chef besprechen würde und allen, die fragten, ob ein Halbmarathon JETZT noch clever sei, sagten wir „Ach, wir laufen doch ganz locker. Der Tegernseelauf ist zu schön, als dass man ihn sich entgehen lassen sollte.“ Gut, Laura war ja auch weiterhin ahnungslos. Ich hab´s ihr erst zwei Tage vorher erzählt. Und hab das Ganze schöngeredet. Unter 2 Stunden ist ja nun wirklich nicht sooo schnell (zumindest nicht, wenn man das schon mehrfach geschafft hat). Hat sie dann auch eingesehen.

Und so trafen wir also am Sonntag auf Steffen, den wir übrigens (weil ja CHEF!) erstmal siezten (das Du hat er uns dann später angeboten, ätsch, Ernesto!). Er war jetzt nicht so überzeugt, dass wir das wirklich packen können und seine Version war auch eher so. „Herr Lein sagt immer, ich müsste das jetzt mal schaffen.“ Ach so? Ich dachte, er wolle das unbedingt?? (Ernesto?!?) Aber der Wille war natürlich da. Ich sagte einfach, das würden wir ganz locker hinbekommen, er soll nur schön brav bei uns bleiben. Was er nicht wusste: Ein bisschen aufgeregt war ich ja schon. Erstens hatte ich keine Ahnung, was ich machen sollte, wenn er das Tempo nicht mitgehen konnte. Oder falls ich nicht zu 100% fit gewesen wäre, ich hatte erst eine kurze Erkältung wegstecken müssen. Und dann sind ja auch immer solche Unbekannten im Spiel: Kommen wir gut weg, kann man überhaupt überholen oder wird das Tempo gleich so stark verschleppt, dass wir nur hinterherhecheln? Was passiert an den Versorgungsstellen und an den von vielen gefürchteten Anstiegen (die ich weiterhin als harmlos bezeichne, stellt euch mal nicht so an!)? Naja oder was, wenn Steffen losrast wie verrückt und wir nicht hinterherkommen? DAS wäre ja peinlich, oje.

Glücklicherweise waren wir alle gut drauf. Wir kamen gut weg und hatten schon nach einem knappen Kilometer das perfekte Renntempo gefunden. Steffen fragte zwar immer mal wieder, ob wir überholen sollten, aber wir haben ihn beruhigt und gesagt, dass wir uns das besser für die zweite Hälfte aufheben, falls dann noch Luft ist. „Bei Kilometer 15, 16 kriege ich immer dicke Backen, da geht dann meist nix mehr“, verriet Steffen noch. Eine weitere Bestätigung, dass wir erstmal ´ne ruhige Kugel schieben sollten.

Und so liefen wir drei nahezu im Gleichschritt um den See, freuten uns, wenn Omi-Groupies am Rand standen und jubelten, klatschten kleine Kinderhände ab (meiner Meinung nach eh das beste Doping, das verleiht irgendwie nochmal Extra-Kräfte) und freuten uns über die W.U.N.D.E.R.S.C.H.Ö.N.E Kulisse. Jedem Fotografen sprangen wir wie aufgescheuchte Hühner vor die Linse und ab und zu überholten wir auch mal.

Bei Kilometer 16 sah Steffen noch ganz frisch aus, er fühlte sich jedoch nicht mehr ganz so. Also hab ich´s ihm einfach eingeredet. Und gesagt, dass wir ja wohl noch fünf kleine Kilometerchen schaffen, wenn wir doch schon 16 davon hinter uns haben. Also auf die Zähne gebissen und weitergemacht.

Und dann kam der erste „Berg“. Den wir aber ganz gut gemeistert hatten, laut Uhr blieb das Durchschnittstempo schön gleichmäßig. Manche Läufer mussten sogar gehen. Und schrien ganz aufgeregt, dass ja noch einer käme und, ach Gott, der ist ja sooo schlimm. „Wir sind das heute früh mit dem Auto gefahren. Nein, das will man eigentlich nicht laufen.“ Ich hab dann einfach zu Steffen gesagt, er soll nicht auf sie hören, alles Lüge und so. Er schaute gequält. Und machte Laura und mir das schönste Kompliment: „Ihr lauft so super, so gleichmäßig, also, das sieht man bei Frauen echt selten.“ Hach.

Naja, dann kam halt der zweite Anstieg, ganz kurz vorm Ziel. Da musste ich tatsächlich mal so tun, als könnte ich andere gut motivieren. Und hab einfach mal das Tempo ein klitzekleines bisschen angezogen und Steffen zugerufen, er müsste jetzt einfach auf die Zähne beißen. Nicht aufgeben, nochmal große Schritte machen. Laura hatte uns zu diesem Zeitpunkt überholt und flitzte ein paar Meter vor uns mit ihrem gelben Kinder-Shirt zu.

Dann waren wir endlich oben, auf der Zielgeraden und ich rief Steffen zu, dass wir es sogar unter 1:58h schaffen könnten. „Echt?“ – „Ja. Aber da musst du dich jetzt nochmal anstrengen und einen kleinen Sprint einlegen.“ Also sind wir losgerannt wie zwei junge Hasen, das Ziel und die Uhr fest im Blick. Gestoppt hab ich selbst bei 1:58:03h, da waren die letzten Schritte wohl zu klein. 🙂 Ist aber egal, denn das große Ziel, die magischen 2 Stunden, die haben wir sowas von deutlich geknackt. Und der Tegernseelauf ist ja auch nicht die allerschnellste Strecke.

Alle drei waren wir ganz stolz. Und durstig. Und hungrig. Also ging´s ab ans Ziel-Büffet und nach einem Erinnerungsfoto haben wir uns auf den Weg nach Hause gemacht. Denn so kurz vor dem Marathon kann man zwar ruhig noch einen halben laufen; erkälten sollte man sich jedoch nicht mehr.

Lieber Steffen, falls du das liest: Es war uns ein großes Vergnügen und auch eine Ehre, dich zu begleiten. Wenn du nächstes Jahr die 1:55h knacken willst, dann lass es uns wissen.

#keeponrunning, eure Isabell (und Laura)


{ 2 Kommentare… lies sie unten oder füge einen hinzu }

steffen krippendorf September 28, 2015 um 22:55

Hallo Ihr Beiden,
Super Bericht, gefällt mir sehr gut.
Nächstes Jahr machen wir das Ding unter 1.55.
MfG
Kri

Antworten

kiefer inge März 2, 2016 um 18:33

Hallo Läuferinnen Läufer .
Könnt Ihr verstehen , daß ich den Bavarian-10Seen-305km als
Wanderung in 14Tagen machen möchte. Und wäre um Tipp’s sehr dankbar. Jeden See will ich in einem Tag packen . Von einem Punkt ,
wo ich günstig übernachten kann ,um den jeweiligen See .
Will mit dem Königsee beginnen .
Ich bin seid 2005 im Laufen .Also mit 60 angefangen .Von 0 km
bis 100km .(1ter Platz im EURO-CUP )W65 .Auch Bergmarathon’s geschafft .Karwendel 52km , 2014 6.Platz mit 69Jahren.
Also wenn Ihr mir Tipp’s geben möchtet ,wäre das prima.
Der Zeitpunkt wäre gut am 02.08.2016 ab Schönau am Königsee .
MFG Inge.

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Vorheriger Beitrag:

Nächster Beitrag: