The Color Run – „The happiest 5k on earth“ oder „Das farbenfrohe Nichtsport Event“

von Sandra Mastropietro am 11. Juli 2013

Plattformen wie Facebook und Youtube überfluten uns seit einiger Zeit mit bunten, laufenden Menschen, die ganz offensichtlich wahnsinnigen Spaß daran haben, sich in einer gelb/blau/grün/pinken Farbwolke vorwärts zu bewegen.

Das als Happiest 5k on Earth beworbene „Laufevent“ aus den USA hat nun endlich auch in Deutschland Einzug gehalten und motiviert mit einer unglaublichen Medienpräsenz Jung und Alt, sowie eigentlich Sportmuffel, zur Teilnahme.

Ich war beim Starschuss der bunten Lauf-Eventserie am 30.Juni in München dabei und möchte Euch nachfolgend von meinen Erlebnissen und Endrücken berichten:

Die U-Bahn zur Messestadt West, Station des Color Run Happenings, ist brechend voll. Menschen im noch weißen Reebok T-Shirt und Sonnenbrillen singen, springen, leeren teilweise schon Ihr erstes Bier. Ok denke ich und weise mich selbst darauf hin, dass bei diesem Rennen der Spaß an erster Stelle steht, nicht das Laufen!

Wir, die Mädels vom Club der Töchter und ich, pilgern den Massen hinterher in Richtung Startblock. Unterwegs schießen wir lustige Fotos, denn die klassische Lauftights  wichen pinken Tütüs, Kompressionssocken wurden gegen Ringelstrümpfe getauscht.

Als wir im Startbereich ankommen, ist es bereits 20 Minuten vor der offiziellen Startzeit; 11:00 Uhr. Neben uns steht eine Gruppe junger Mädels, die über Lehrer herziehen und schon ganz nervös sind, gleich den 1. offiziellen Lauf zu absolvieren. (lt. offiziellen Zahlen ist es übrigens bei über 60% aller Color Runner das „1. Rennen“)

Robin Thicke schallt mit Blurred Lines aus dem Lautsprecher. Die Masse singt gutgelaunt mit.

10:55 Uhr            Die Spannung steigt, die Gesichter spiegeln Vorfreude wieder

11:00 Uhr            Nichts passiert.

11:10 Uhr            Immer noch Nichts…doch; einige La Olas

11:15 Uhr            Noch mehr La Olas… langsam werden wir ungeduldig. Da wir recht weit hinten stehen, verstehen wir die Instruktionen des Moderators leider nicht; der Wind ist gegen uns. 😉

11:20 Uhr            Den noch in weiß gekleideten 8000 Leuten ist langweilig und die ersten Farbbeutel, die neben dem unisex T-Shirt, Retro Stirnband und Armband im Starterpacket inkludiert waren, werden aufgerissen. Eingehüllt von dem bunten Maismehl Nebel versuchen wir die Wartezeit locker zu nehmen und die Stimmung nicht kippen zu lassen.

11:30 Uhr            Der Startschuss – endlich! Die ersten 1000 Leute dürfen sich ins bunte Vergnügen stürzen. Urplötzlich werden wir von dem Color Run Hype mitgerissen du wollen nur noch über die Startlinie, hinein ins Farbenmeer.

I, I follow, I follow you… singt Lykke Li und begleitet uns im 3 Startblock um 11:40 über die Startlinie.

Nach ca. 600 Meter, für die wir in dem Pulk der trägen Masse ca. 7 Minuten brauchen, erreichen wir die 1. Farbstation. Gelb 🙂

Wir springen in den Nebel aus Maismehl und gelber Lebensmittelfarbe, der von den freiwilligen Helfern auf die Läufer versprüht wird.

„Gelb, gelb, gelb sind alle meine Kleider…gelb, gelb, gelb ist alles was ich hab‘ …“ singen einige Mädels vom Club der Töchter und wälzen sich auf der gelben Plane der Color Station.

Ich trete auf der Stelle und möchte wieder loslaufen; schließlich ist es ein Color RUN, kein Color Walk, wenngleich dies die vorherrschende Interpretation zu sein scheint 🙁

Nach einer kurzen Toilettenpause, in der Alle auf Jeden warten um geschlossen als Gruppe weiter zu laufen, entern wir die grüne Farbstation. Ein leuchtgrüner Nebel hüllt uns ein; die freiwilligen Helfer werfen mit Farbe um sich und versuchen uns Läufern farbliche Genugtuung zu erbringen.

Nochmal 700m „walking“ (denn die Massen lassen kein „Laufen“ zu) bis zur blauen Station. Die Helfer an der Station haben gute Laune und feuern das blaue Maismehl auf uns ab.  Da heißt es: Arme in die Höh‘ und hinein ins pulverige Blau.

Als ich aus dem Blau auftauche, traue ich meinen Augen nicht. Kunterbunt müssen wir eine kleine Schleife laufen, um zur letzten Farbstation, pink, zu gelangen. Was machen die Teilnehmer?! Sie kürzen ab!

Ich bin enttäuscht! Auch wenn dies ein Rennen ist, bei dem es nicht um Zeit (Es gibt keine Zeitnahme) oder Leistung geht, ist es immer noch eine sportliche Veranstaltung, bei der die Grundsätze des Sports nicht missachtet werden sollten.

Bitte versteht Mich nicht falsch, ich bin wirklich ein Freund von entspannten Läufen mit Freunden, Läufen ohne Uhr und Druck, aber bei der Missachtung von generellen sportlichen Grundsätzen hört jede Entspanntheit bei mir auf. Vielleicht bin ich schon „Wettkampf vergiftet“ und meine Einstellung zu engstirnig; aber Bier, Zigaretten und High Heels gehören für mich auf keine Laufveranstaltung, Abkürzen auch nicht!

Enttäuscht wälze ich mich durch den pinken Nebel und hopse dem Ziel entgegen. Die Streckenlänge betrug ca. 4 Kilometer; beworben waren 5.

Im Ziel, dass wir nach ca. 35 Minuten erreicht haben, öffnen wir die verbleibenden Farbbeutel und feiern unser eigenes, kleines Club der Töchter Holi Festival.

Auf dem Weg nach Hause steige ich 3 U-Bahn Stationen eher aus und jogge nach Hause; denn meine Läuferseele schreit nach Aufmerksamkeit.

Als ich farbenfroh und endlich durchgeschwitzt Zuhause ankomme, schaut mich mein Mann skeptisch an und fragt: „Wieso haben die Leute nur so einen unglaublichen Spaß daran, sich mit Farben zu bewerfen?“ Ich antworte: „Ich weiß es nicht.“


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