Über das Älter und Dicker werden, und wieso es sich lohnt trotzdem zu laufen!

von Tankred Dankmar am 2. August 2017

Liebe laufende Gemeinde!

Ich bin wieder top motiviert! Der Kampf gegen ein paar überflüssige Pfunde ist wieder in vollem Gange. (In der letzten Woche habe ich ja darüber berichtet, dass mich die Faulheit – eine böse, gar nicht so unübliche Krankheit unter Läufern – ereilt hatte und mit dieser Pest einhergehend sich bei mir eine temporäre Fresssucht breit machte. Beides zusammen hat für ein leichtes, aber doch unansehnliches Übergewicht geführt und damit verbundenes allgemeines Unwohlsein bei mir ausgelöst. Wie sich kürzlich herausstellte, liegen die Gründe für dieses Unwohlsein etwas tiefer, wenn sie auch ausgesprochen banal sind).

Jeden Blick in den Spiegel habe ich tunlichst vermieden. Jedes Mal, wenn ich mein Profil von einer Schaufensterscheibe gespiegelt erblickte, zuckte ich erschrocken zusammen – wortwörtlich. Ich habe einen leichten Bauchansatz bekommen, etwas, das ich bisher nicht kannte. Ich neige eigentlich nicht dazu, zuzunehmen, selbst wenn ich viel esse. Bisher jedenfalls. Aber sind wir ehrlich: für Männer ab 40 ist es wohl tatsächlich klassisch, dass sich der ansonsten rasende Stoffwechsel verlangsamt. Tolle Wurst. Damit muss ich jetzt wohl leben lernen.

Es ist generell nicht gerade Ponyhof, wenn man älter wird. Und liebe Frauen – das gilt auch für Männer. Wir tun zwar etwas cooler und wirken, als ob uns das nicht belastet, aber das tut es.  Und wie. Die Haarpracht wird bei vielen etwas schütter, wir nehmen schneller an sehr unvorteilhaften Stellen zu und die morgendlichen Erektionen werden seltener. Schön geht anders. Wir versuchen zwar, das so gut wie möglich und vor allem mit Würde hinzunehmen, aber ganz tief in uns drin ist auch uns zum Heulen zumute. 

Diese Illustration zu William Blakes Gedicht „London“ zeigt das Dilamma unaufgeregt, aber doch klar und deutlich: Mann wird alt – die Jugend übernimmt das Ruder und führt das Alter an – was paradox ist.

Bild: Public Domain

Auch an der kollektiven Psyche des Mannes ist der ganze Schönheitswahn nicht spurlos vorbeigegangen und leider muss ich zugegeben, dass auch ich lange nicht so lässig mit dem Älterwerden umgehe, wie ich es gerne tun würde. Auch wenn ich nie zu den eitlen Menschen gezählt habe, das mit dem Älterwerden ist alles andere als relativ. Das Gegenteil ist nämlich der Fall: das Älterwerden ist definitiv – und gerade deshalb fällt es einem wohl so schwer, es einfach hinzunehmen. Es ist wie Krebs – nur ohne eine Spur von Hoffnung.

Das hört sich etwas düster an, zugegeben. So ist es aber gar nicht gemeint. Eigentlich ist es nämlich ganz gut für die Psyche, wenn etwas so endgültig feststeht. Denn dann nimmt man es irgendwann ja einfach auch an, weil man eben gar keine andere Wahl hat. Und wenn man das Älterwerden einmal nicht mehr als „Krankheit“ begreift, sondern als Fakt, an dem nun einmal nicht zu rütteln ist, dann lichtet sich der Vorhang und man bekommt einen viel klareren Blick auf die Welt und auf sein eigenen Leben, welches sich darin abspielt.

Ich finde das eigentlich ziemlich befreiend. Das ist doch toll! Dieser „neue“ Blick auf alles verschafft einem eine Lässigkeit und Coolness, die man als junger Mann niemals hinbekommen würde. ABER: das funktioniert auch nur wirklich einwandfrei, wenn man sich halbwegs fit hält, denn es hat nichts mit „mit Würde und lässig älter werden“ zu tun, wenn man dabei fett und unfit wird. Das muss ja schließlich nicht sein. Alles andere gehört dazu, aber in Topform kann man ja trotzdem bleiben – dem Alter entsprechend jedenfalls.

Nicht, dass mir diese Erkenntnis nun plötzlich über Nacht gekommen wäre. Das war mir vorher auch schon klar. Deshalb ist es mir ja auch ein wenig unverständlich, dass ich mich ein paar Wochen lang so hab gehen lassen, dass mir gute acht Pfund Hüftspeck wachsen konnten. Vor ein paar Tagen aufgeweckt hat mich dann ganz plötzlich ein Blick in den Spiegel, einer von der Seite. Einer von der ganz brutalen Sorte. Da kam mir die Erkenntnis wie eine Ohrfeige und klatschte mir direkt ins Gesicht.

Nochmal, ich bin kein bisschen eitel. Aber ich möchte doch fit sein und auch so aussehen. So wie Michelangelos „David“ eben. Und ich gebe es gerne zu: das aus einem ganz banalen Grund: Frauen! Ich bin überzeugter Junggeselle, der die Bekanntschaft von wechselnden Damen in seiner kleinen Welt aber durchaus sehr zu schätzen weiß. Aber der Damenbesuch wird ziemlich schnell ziemlich rar, wenn man solche Signale aussendet: dass man sich nicht um sich selbst bemüht.

Der „David“ von Michelangelo gilt immer noch als das klassische griechisch-römische Schönheitsideal für Männer – stolz, perfekt gebaut und ausgewogen, sprich: fit wie ein Laufschuh.

Bild: Jörg Bittner Unna – CC BY 3.0

Da kann man jetzt monieren, dass diese Denke oberflächlich sei, aber das ist sie nicht. Es geht nicht darum, sein Äußeres wie ein eitler Pfau zu präsentieren und auf die Jagd nach dem schönen Geschlecht zu gehen. Es geht darum, dass man eine negative innere Haltung nach außen transportiert, wenn man sich so gehen lässt und sich, wie gesagt, nicht genug um sich selbst bemüht. Wie soll man da Gefährtinnen finden, die liebkost und auf Händen getragen werden wollen, wenn man sich schon nicht um sich selbst kümmert?

Natürlich möchte ich in erster Linie fit sein, weil ich mich dann wohler fühle. Und auch das führt ja dann dazu, dass man eine positivere Ausstrahlung hat. Und sind wir doch ehrlich: im Prinzip, wenn man alles, was mit Motivation zu tun hat, einmal auf ein Minimum reduziert, dann geht es immer nur darum, ein Weibchen (oder ein Männchen) zu finden, dass sich mit einem paaren will. So ist der Mensch nun einmal – im Prinzip sind wir nämlich nichts weiter als nackte Affen, die der Illusion erlegen sind, dass es einen tieferen Sinn in allem gibt.

Nun, liebe laufende Gemeinde! Ihr merkt vielleicht, dass ich mir ganz schön so meine Gedanken machte musste, damit ich endlich zurück auf die Laufstrecke finde. Aber da bin ich nun wieder – immer noch mit ein paar Pfunden zu viel, aber deshalb eben auch jetzt wieder  top motiviert wie in meinen besten Zeiten.

Denn das mit dem Glücklichsein ist zwar relativ, hat aber definitiv etwas mit regelmäßigem, gutem Sex zu tun. Und guten Sex bekommt man eben leichter und öfter, wenn man fit genug dafür ist. Und deshalb kann man eigentlich nie genug laufen. 😉

Bis nächste Woche,

#keeponrunning

Euer Tankred


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