Über einen Läufer, der beim Laufen nur ans Essen denken kann!

von Tankred Dankmar am 24. August 2017

Liebe laufende Gemeinde!

Ich habe Hunger! Dauernd. Weil: Ich habe neben einem gesteigerten Fitness-Programm zudem noch eine Diät angefangen, um meinen knapp 7 Kilo zu viel Hüftgold endlich beizukommen. Und das versuche ich mit dem sogenannten „Intermittierenden Fasten“.

Schon mal davon gehört? Wie der Name schon sagt, fastet man dabei, aber unterbricht dieses Fasten in festgelegten, regelmäßigen Abständen. Ich habe mich für die klassische Variante entschieden, bei der man ein Mal am Tag – am frühen Abend – eine komplette Mahlzeit isst und etwas leckeres trinkt, während man sich den Rest des Tages in totalem Verzicht übt. Da gibt es dann wirklich nichts, nur Wasser und ungesüßte Tees.

Ich habe also Hunger. Und schön geht anders. Aber, wie ich ja in einer der vorigen Kolumnen schon mal angedeutet habe: Ich kann so langsam mein eigenes Spiegelbild nicht mehr ertragen. Verdammt, hab ich im letzten Jahr zugelegt. Zu wenig Sport und viel zu viel Schlemmerei hier im kulinarischen Genusstempel Penang, Malaysia. Damit ist jetzt Feierabend!

George Town, Penang, Malaysia – eine wundervolle Stadt voller unterschiedlicher Leckereien und hochkalorischen Versuchungen.

Bild: SK Ding – CC BY2.0

Eine Bande junger Touristen sitzt gerade am Nachbartisch und tut sich gütlich an reich belegten Baguettes und frischen Obstsäften. Mein „Büro“ befindet sich ja in dem Café in der Lobby des Hotels, in dem ich zur Zeit residiere. Ich bin kurz davor, denen das Essen einfach ohne weiteren Kommentar vom Teller zu stibitzen. Dabei ist es erst halb Zwei Mittag und ich habe noch mehr als sechs Stunden vor mir, bis ich mein Fasten brechen kann. Tolle Wurst. Ach! Wurst!

Ich habe vorher noch nie diätet. Hatte ich bisher noch nicht nötig. Und jetzt das! Gerade kurz Ü-40 und schon sehe ich aus wie MacFett. Das Alter macht wirklich nur bedingt Spaß. Es ist schön, etwas mehr Weisheit zu haben, ruhiger zu werden, alles nicht mehr so ernst zu nehmen wie in jungen Jahren. Aber dass die Haarpracht lichter wird, jede Mahlzeit wohl überlegt sein will und dass mich 23-jährige Mädchen mittlerweile siezen ist dann nicht mehr ganz so lustig. Hoffentlich kriege ich bald wenigstens graue Haare, dann sehe ich wenigstens auch so alt aus, wie ich mich fühle.

Außerdem fängt mein linkes Knie ab Kilometer vier neuerdings an zu schmerzen. Das ist auch neu.  Und auch nicht lustig. Ich versuche das einfach zu ignorieren. Wo komme ich denn hin, wenn ich mich von ein bisschen Schmerzen im Knie vom Laufen abhalten lasse? Genau! Nirgends komme ich mehr hin. Solange nichts reißt und ich keinen Ermüdungsbruch erleide, laufe ich einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Ich habe keine Lust, mich wegen Altersverschleiß selbst aufs Abstellgleis zu stellen. Ne, ne, kommt gar nicht in die Tüte.

Das menschliche Kniegelenk von der Seite betrachtet. Irgendwas da drin ist verschlissen und macht mir beim Laufen neuerdings Probleme. Aber egal! Bild: gemeinfrei

 

Liebe laufende Gemeinde, ihr merkt vielleicht auch, dass ich etwas muffelig bin, oder? Das ist der Hunger, nehme ich an. Jetzt wäre es eigentlich Zeit für einen schönen Lunch! Lecker Mee Goreng. Oder doch lieber zwei ofenfrische Sesam-Bagel mit Frischkäse aus dem netten Café um die Ecke? Das WÄRE jetzt eigentlich die Frage. Aber die stellt sich ja seit ein paar Tagen nicht mehr. Ich faste ja tagsüber. Verdammt dumm gelaufen.

Vor dem Abendessen gehe ich auch immer fleißig mein Ründchen laufen. Das ist mit leerem Magen ja ganz angenehm, finde ich. Habe ich immer schon lieber gemacht, auf nüchternen Magen um den Block rennen, anstatt pappsatt, meine ich. Da läuft´s sich besser und ich komme schneller ins Runner´s High. Könnte am Hunger liegen. Der kann ja auch high machen.

Ich glaube, heute Abend gönne ich mir mal einen guten hausgemachten Burger mit allem Drum und Dran. Wenn man schon nur einmal am Tag Nahrung zu sich nehmen darf, dann auch richtig, finde ich. Laufe ich halt vorher zwei, drei Ründchen extra, gegen das schlechte Gewissen, das sonst beim Burger schlemmen kommen würde.

Mir fällt gerade auf, dass ich hier fast nur übers Essen rede anstatt übers Laufen, wie es sich in dieser Kolumne ja geziemen würde. Ich entschuldige mich dafür. Aber bitte habt ein wenig Verständnis, liebe laufende Gemeinde. Ich habe Hunger!  Und ich denke, der eine oder die andere hat bestimmt auch schon mal eine Diät machen müssen. Ihr kennt das also. Da wird man vor allem in der ersten Tagen etwas launisch und kauzig. Und man kann fast nur ans Essen denken.

Was mich heute Abend erwartet? Ein richtig guter, hausgemachter Burger mit allem Drum und Dran  – der erwartet mich und wird mich sehr, sehr glücklich machen.

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Bild: thienzieyung – CC BY2.0

Ich hoffe, das gibt sich dann spätestens nächste Woche wieder. Ich habe vor, das mit dem intermittierenden Faste gute sechs Wochen durchzuziehen und es wäre also schön, wenn ich nicht die ganze Zeit ans Essen denken müsste. Im Moment denke ich sogar beim Laufen ans Essen. Das nervt echt.

Egal. Wird schon alles werden. Ich schlüpfe dann gleich mal in die Laufschuhe, verbrenne ordentlich Hüftspeck und werde anschließend meinen Hunger stillen. Dann habe ich mal ein paar Stunden Ruhe vor den eigenen Terrorgedanken – bis sie meinen Kopf beim Aufstehen morgen früh wieder für sich einnehmen werden.

Liebe laufende Gemeinde! Ich hoffe doch sehr, dass ich Euch nächste Woche dann wieder besser unterhalten werde als dieses Mal. Noch einmal: Entschuldigt bitte mein weinerliches Geschwätz übers Essen. Ich habe einfach nur Hunger. 😉

Ich wünsche Euch allen ein guten und gesegneten Appetit. Bis die Tage,

#keeponrunning

Euer Tankred


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Vicky August 25, 2017 um 15:04

Interessant… ich hatte ein Jahr lang eine andere Diät gemacht.. hatte damals auch Wirkung gezeigt, aber sobald ich damit aufhörte, kamen einige Kilos wieder… Ich fastete Montags und Donnerstags, sonst ass ich ganz normal. An den Fasttagen gab es Kaffee, Wasser, Mittags machte ich mir ein Milchshake mit Apfel (Apfel, Milch und ein wenig Honig in den Mixer) und Abends eine dünne Suppe (vielleicht etwas Brühe in einer Tasse mit heissem Wasser). Das war prima, denn ich konnte am WE ganz normal essen und mein Körper müsste sonst nicht hungern. Nahm auch langsam (6 oder 7 Kilo in einem Jahr) und prima ab. Dumm war es nur, dass ich Montags und Donnerstags kein hochtouriges Sport treiben konnte und damals genau dann meine Sporttermine waren.
Bei mir hilft viel besser regelmäßiger Sport treiben, mehr Wasser trinken, mehr Proteine Abends, und die Entscheidung Abends nicht so viel Süsses mir rein zu knallen. Viel Glück mit Deinem Vorhaben.

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